Eine Frau, 18 Väter, sieben Deutsche: Das sind die letzten Geiseln der Hamas
Freude und Jubel, als die Meldung auf dem Hostage Square in Tel Aviv verkündet wird: Die Geiseln des dritten Deals sind am Montag kurz nach 7 Uhr deutscher Zeit freigekommen. Allesamt sind sie sichtlich abgemagert, einige weinen, andere lachen. Vor allem aber: Alle können selbstständig gehen. Nach Propagandavideos der Hamas und Berichten von Ex-Geiseln war die Sorge groß: 738 Tage wurden die 20 lebenden Männer gefoltert, teils in Käfigen gehalten, immerzu angekettet und systematisch ausgehungert.
Unter den 20, die freigelassen wurden, sind vier Deutsch-Israelis. Alon Ohels (24) Großeltern aus Novi Sad überlebten Auschwitz, seine in Berlin geborene Oma Tzipi Ohel überlebte den Holocaust ebenfalls. Alon Ohel ist offenbar die gesamte Zeit seines Martyriums angekettet gewesen und bekam wenig zu essen. Granatsplitter hatten am 7. Oktober 2023 unter anderem sein Auge verletzt, inzwischen ist er auf dem rechten Auge nahezu blind. Alon Ohel gilt als großes Klaviertalent, er komponiert eigene Songs. In einem Video, das ihn auf dem Weg ins Krankenhaus zeigt, sagt er: „Wow. Das war’s also. Ich habe es geschafft.“
Die deutsch-israelischen Zwillinge Gali und Ziv Berman (28), deren Vorfahren 1932 aus Deutschland flohen, lebten nur unweit ihrer Eltern im Kibbutz Kfar Azar. Von hier wurden sie entführt. Zuvor hatten die Zwillinge die meiste Zeit zusammen verbracht. Sie arbeiten beide in einer Tontechnikfirma, spielen gemeinsam Fußball und reisen durch die Welt. In Gaza wurden die Brüder von ihren Entführern getrennt und trafen sich erst am Montag bei der Freilassung wieder. Zurück in Israel warteten Trikots ihres Lieblingsvereins Maccabi Tel Aviv auf sie, die sie sofort überzogen.
Deutsch-Israeli Rom Braslavski weinte nach Befreiung
Vom Deutsch-Israeli Rom Braslavski gab es mehrfach Lebenszeichen während seiner Geiselhaft. Der Islamische Dschihad, der ihn gefangengenommen hatte, veröffentlichte Propagandavideos, auf denen der 21-Jährige zu sehen war. Auf dem letzten flehte er um Hilfe. Auch bei seiner Freilassung weinte der sichtlich abgemagerte junge Mann. Braslavski arbeitete als Sicherheitsmann beim Nova-Festival und half Verletzten, bevor ihm in die Hände geschossen und er entführt wurde. Die Hamas gab kürzlich an, den Kontakt zu den Entführern verloren zu haben. Dennoch konnte er am Montag mit seiner Familie wiedervereint werden. Ein Foto, wie er in eine israelische Flagge gehüllt vom Krankenhausfenster seinen ersten Sonnenuntergang seit zwei Jahren sah, berührte viele Menschen auf Instagram.
Die Entführung von Omri Miran (48) wurde von den Terroristen auf Facebook live gestreamt. In seinen letzten Momenten in Israel hielt Omri Miran (48) Tochter Roni (damals 2) im Arm, versuchte sie zu beruhigen. Frau Lishay umklammerte die damals sechs Monate alte Alma. Dann wurde Miran aus seinem Zuhause in Nahal Oz mitgenommen, Roni lief ihrem Papa vergebens hinterher. Am Montag hörte er seine inzwischen zweieinhalbjährige Tochter Alma zum ersten Mal „Abba“, Papa, sagen.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtEvyatar David schaufelte sein vermeintlich eigenes Grab
Segev Kalfon (28) wurde aus seinem Auto entführt, als er das Nova-Festival verlassen wollte. Der 28-Jährige arbeitet in der Familienbäckerei und begann sein Studium im Finanzwesen. Er will Broker an der Börse werden. Er wird als bescheiden, ruhig und sensibel beschrieben, liebt Musikfestivals – vor allem, wenn sie wie das Nova-Festival in der Natur stattfanden. Da Kalfon an Angststörungen leidet, sorgt sich seine Familie besonders um seine psychische Verfassung. Am Montag erhielt er eine lange Umarmung seines Vaters.
Außerdem kamen Guy Gilboa-Dalal und Evyatar David (beide 24) frei. Die besten Freunde seit Kindheitstagen wurden gemeinsam vom Festival entführt. Dalal ist ein großer Japan-Fan, der die Sprache gelernt hat und von einer Reise dorthin träumt. Durch Verletzungen am 7. Oktober 2023 soll er auf einem Ohr taub sein. David wurde von den Terroristen gefilmt, als er berichtete, wie wenig er zu essen bekäme. Später musste der abgemagerte junge Mann sein eigenes Grab in einem der vielen Tunnel schaufeln. Die Freunde mussten auch die Freilassung von Mitgefangenen bei inszenierten Zeremonien im Februar in Gaza mitansehen – ehe sie wieder in die Tunnel gebracht wurden. In den letzten Wochen ihrer Gefangenschaft wurden sie getrennt. Ein Video vom Wiedersehen im Krankenhaus rührte viele zu Tränen.
Vater von Geisel Bar Kupershtein lernte Sprechen und Gehen
Bar Kupershtein (23) gehörte zum Personal des Nova-Festivals. Als Rettungssanitäter blieb er auf dem Gelände, um den Verletzten zu helfen. Ehe das Militär eintraf, wurde er entführt. Der 23-Jährige ist als besonders hilfsbereit bekannt, unterstützt auch seine vier jüngeren Geschwister, seine Mutter und seinen behinderten Vater.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtSein Vater Tal Kupershtein lernte während der Abwesenheit seines Sohnes wieder sprechen, weil er die Stimme seines Sohnes sein wollte. Zudem wollte er ihn stehend empfangen und übte dafür nach eigenen Angaben unter großen Schmerzen. Sein Traum wurde wahr. Im Stehen umarmte er seinen zurückgekehrten Sohn und sagte: „Ich kann wieder sprechen!“
Entführte Brüder Ariel und David Cunio wieder vereint
Ariel Cunio (28) wurde zusammen mit seiner deutsch-israelischen Lebensgefährtin Arbel Yehoud aus Nir Oz entführt. Yehoud wurde gemeinsam mit Agam Berger als letzte lebende Frau Ende Januar freigelassen und kämpft seither für die Rückkehr der „Liebe ihres Lebens“. Cunio und Yehoud, deren Bruder am 7. Oktober 2023 ermordet wurde, waren von einer längeren Südamerikareise zurückgekommen und hatten fünf Tage vor dem Massaker den Welpen Murph adoptiert. Der Hund wurde bei dem Überfall erschossen. Ariel Cunio plante angeblich, Arbel Yehoud einen Heiratsantrag zu machen. Von Cunio hatte es lange kein Lebenszeichen gegeben, auch keine Aufnahmen seiner Entführung. Erst freigelassene Geiseln berichteten zu Beginn des Jahres, ihn in Gefangenschaft gesehen zu haben. Ein am Montag veröffentlichtes Video zeigt den ersten Kuss zwischen dem wiedervereinten Paar.
Ariels älterer Bruder David Cunio (35) wurde zusammen mit seiner Frau Sharon und den Zwillingsmädchen Emma und Yuli (damals 3) sowie Sharons Schwester Danielle Aloni und deren Tochter Emilia (damals 5) entführt. Yuli wurde für ein paar Tage von ihren Eltern getrennt, einige Zeit davon verbrachte sie mit Tante Danielle. Die Frauen und Kinder kamen im November 2023 im ersten Deal frei, David Cunio blieb in Gaza zurück. Cunio ist ein Familienmensch und verbringt gerne Zeit mit seinem besten Freund seit Kindheitstagen, Yarden Bibas. Dessen deutsch-israelische Frau Shiri, die Söhne Kfir (elf Monate) und Ariel (3) wurden in Gefangenschaft ermordet. Cunio ist Schauspieler und wirkte zusammen mit seinem Zwillingsbruder Eitan im Film „Youth“ mit, der 2013 auf der Berlinale Premiere hatte. Bei der diesjährigen Berlinale wurde ihm mit dem Film „Brief an David“ gedacht. Fotos zeigen, wie Cunio seine Mädchen am Montag fest umarmt.
Avinatan Or und Noa Argamani wurden zum Symbol der Entführten
Die Bilder seiner Entführung gingen um die Welt: Während Hamas-Terroristen Avinatan Or (32) vom Nova-Festivalgelände abführten, wurde seine Lebensgefährtin Noa Argamani, ihre Hand nach ihm streckend, auf dem Motorrad weggefahren. Die beiden wurden zum Symbol der Verschleppten vom 7. Oktober 2023. Das Paar war zu diesem Zeitpunkt rund anderthalb Jahre zusammen – und hat demnach den Großteil dere Beziehung separiert verbracht.
Or gilt als Musikliebhaber, engagiert sich ehrenamtlich für krebskranke Kinder, liest gerne und arbeitet als Elektrotechniker. Er kommt aus einem streng jüdischen Elternhaus. Seine Mutter Dzita Or hatte gesagt, dass sie Partnerin Noa erst kennenlernen wolle, wenn die beiden über Ehe sprächen. Ein Treffen war für Oktober 2023 geplant, weil Or und Argamani zusammenziehen wollten. Inzwischen haben sich Dzita Or und Noa Argamami kennengelernt. Die 28-Jährige, die nach 246 Tagen in einer Militäraktion befreit wurde, war auch bei der Hochzeit von einem der sechs Brüder von Avinatan Or anwesend. Nach seiner Freilassung bat Or darum, erst einmal Zeit alleine mit seiner Freundin verbringen zu dürfen.
Warten auf die Wiedervereinigung von Matan Zangauker und seiner Mama
Es waren grausame Bilder, die die Hamas in die Welt sendete: In einem Tunnel in Gaza drehten sie ein Video, in dem Elkana Bohbot (36) mit seiner Frau Rivka und seinem fünfjährigen Sohn Reem zu telefonieren schien. Wenige Monate später folgte ein weiteres Video: Bohbot liegt apathisch auf einer Matratze. Yosef-Chaim Ohana (25) sitzt daneben und berichtet, dass Bohbot sich selbst verletzen wollte, dass er aufgehört habe zu essen. Elkana Bohbot wurde auf dem Nova-Festival entführt. Der 36-Jährige, der ein Eiscafé in Tel Aviv eröffnen will, war zurückgeblieben, um sich um Verletzte zu kümmern. Ohana fährt gerne Rad, reist um die Welt und arbeitet als Barkeeper. Er liebt Camping. Auf dem Nova-Festival half er, Verletzte zu versorgen, ehe er zu fliehen versuchte.
Ganz Israel wartete darauf, dass Einav Zangauker ihren Sohn und Freundin Ilana Gritzewsky ihren Partner Matan Zangauker (25) wieder in die Arme nehmen konnte. Die Mutter wurde zur Stimme der Entführten. Sie demonstrierte und schrie, sie wurde von der Polizei und Politikern verbal wie physisch attackiert, sie sprach mit Netanyahu und Trump. Die BBC listet sie als eine der 100 einflussreichsten Frauen im Jahr 2024. Sie kämpfte für ihren Sohn Matan, der zusammen mit Gritzewsky aus dem gemeinsamen Zuhause in Nir Oz entführt wurde. Die 31-Jährige kam im ersten Geisel-Deal nach 54 Tagen frei. Später berichtete sie über den sexuellen Missbrauch, den sie durch die Terroristen erlebt habe. Das Video der Wiedervereinigung von Mutter und Sohn wurde binnen kürzester Zeit tausendfach auf Social Media geteilt.
Als Maxim Herkin (37) entführt wurde, war das nicht nur psychisch eine große Last für seine Familie. Er ist Versorger seiner Mutter, seines heute 13-jährigen Bruders und seiner heute fünfjährigen Tochter Monika. Herkin ist in der Ukraine geboren und auch russischer Staatsbürger. Spontan ging er an jenem 7. Oktober 2023 mit Freunden zum Nova-Festival, obwohl er selbst nicht gerne feiern ging. Während Herkin verschleppt wurde, wurden seine Freunde, Eltern zweier kleiner Kinder, ermordet. Nun konnte Herkin Bruder und Mutter wieder umarmen.
Eitan Horn (39) war zu Besuch bei seinem älteren Bruder Iair (46), als die Terroristen im Kibbutz Nir Oz einfielen. Der ältere Bruder kam im Februar frei, ein Video, das die beiden bei ihrer Verabschiedung in einem Tunnel zeigt, wurde von der Hamas verbreitet. Horn arbeitet mit Jugendlichen, hielt sich wegen des Jobs in Peru auf, verbringt Zeit mit seinen beiden Neffen und schaut Fußballspiele seines Lieblingsclubs Hapoel Beersheba. Auch er war nach Freilassung direkt in ein Trikot geschlüpft.
Eitan Mor (25) war Sicherheitsmann auf dem Nova-Festival und kümmerte sich um Verletzte. Seine Familie hat sich mehrfach öffentlich gegen einen Geisel-Deal ausgesprochen - als einzige. Man müsse ans große Ganze denken, sagte sein Vater, und Opfer bringen. Sein Sohn habe gesagt, dass er im Falle einer Entführung nicht gegen palästinensische Häftlinge getauscht werden wolle. Videos zeigen, wie sich die beiden nach 738 Tagen weinend in die Arme schließen.
Zwei entführte Soldaten lebend zurück in Israel
Zwei Soldaten, die während des Einsatzes am 7. Oktober 2023 verschleppt wurden, sind lebend befreit worden. Matan Angrest (22) und Nimrod Cohen (21) wurden beim Kampf um Nahal Oz entführt. Angrest ist das älteste von vier Geschwistern und großer Fan des Fußballteams Maccabi Haifa. Nach seiner Freilassung telefonierte er per Videoschalte mit der ehemaligen Geisel Keith Siegel. Die beide waren zusammen im Tunnel, ehe Siegel im Februar befreit wurde.
Der 21-jährige Cohen war der einzige Überlebende eines Angriffs auf seinen Panzer. Berichten freigelassener Geiseln zufolge wurde der stark abgemagerte Cohen in einem Kleintierkäfig gefangengehalten und musste sich Videos vom Mord an seinen Freunden ansehen.
Deutsch-Israeli Tamir Nimrod und Student Bipin Joshi tot
Über das Schicksal eines weiteren Soldaten aus der Nahal-Oz-Einheit gibt es erst seit Montag Gewissheit. Vom Deutsch-Israeli Tamir Nimrodi gab es seit dem Tag seiner Entführung kein Lebenszeichen mehr. Nimrodi war bei seiner Entführung 18 Jahre alt, er galt als kreativ und schlau und verbrachte gerne Zeit mit seinem Pferd. Bis Nimrodi am Dienstag in einem Leichensack nach Israel zurückkehrte, hatte seine Familie darum gebeten, nicht von 28 toten Geiseln zu sprechen, da das Schicksal des jungen Mannes offiziell nur als ungewiss galt.
Bei Bipin Joshi war es ähnlich. Das israelische Militär fand zwar ein Video, das ihn lebend zeigt und aus November 2023 stammen soll, dennoch wurde seine Leiche am Montag überführt. Bis dahin galt sein Schicksal und auch ob er noch lebt als ungewiss. Joshi war bei seiner Entführung 22 Jahre alt und studierte Agrarwissenschaften. Er war Teil einer Gruppe nepalesischer Studierender, die in Israel an einem Programm zur Pflege von Orangen- und Zitronenplantagen teilnahm. Er war zum Zeitpunkt des Terrorangriffs erst seit drei Wochen im Land und lebte im Kibbuz Alumim.
Letzte weibliche Geisel kehrt tot zurück
Die weiteren 26 Geiseln, die die Hamas zu Beginn des Deals noch hielt, waren von Israel bereits vor vielen Monaten für tot erklärt worden. Anders als im Deal vereinbart, wurde keine der Leichen während der 72-Stunden-Frist, die Montag um 12 Uhr endete, nach Israel überführt. Laut israelischen Medien sei der Regierung klar gewesen, dass die Hamas einige Leichen nicht lokalisieren und erreichen könne. Dass bisher aber lediglich neun Leichen überführt wurden, sorgte für große Aufregung.
Einige der Toten sollen bereits am 7. Oktober in Israel getötet und danach verschleppt worden sein. Andere wiederum wurden in Gefangenschaft getötet. So wie die einzige noch verbliebene weibliche Geisel Inbar Hayman. Hayman war 27 Jahre alt, als sie auf dem Musikfestival als freiwillige Helferin Frauen in Krisensituationen unterstützte. Videos der Terroristen zeigen, dass sie lebend in Gaza angekommen war.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtMitte Dezember erklärte Israel Hayman für tot. Die junge Frau war als Graffitikünstlerin unter dem Namen Pink bekannt. Sie war Fußballfan und designete Banner für die Ultras von Maccabi Haifa, zu denen auch ihr Lebensgefährte Noam Alon (26) gehörte. Die beiden hatten sich im Kommunikationsdesign-Studium kennengelernt und lebten zusammen in Haifa. Aufgrund einer Fanfreundschaft wurde Inbar Hayman in der Bremer Ostkurve mit einer großflächigen Choreo geehrt. Am Mittwoch wurden die sterblichen Überreste nach Israel überführt.
Leichen von sechs weiteren Geiseln überführt
Zweifach-Vater Yossi Sharabi (51) wurde wie auch sein Bruder Eli entführt. Während Eli Sharabi im Februar bei seiner Freilassung erfuhr, dass die Hamas seine Frau und die Töchter ermordet hatten, überlebte Yossi Sharabi die Gefangenschaft nicht. Er wurde mit Noa Argamani und dem Deutsch-Israeli Itay Svirsky gefangengehalten und starb, als das Haus bombardiert wurde. Argamani und Svirsky wurden verletzt, letzterer kurz darauf von der Hamas ermordet.
Taxifahrer Eitan Levi hatte am 7. Oktober einen Fahrgast von Tel Aviv ins Kibbutz Be’eri gefahren und war auf dem Rückweg in einen Hinterhalt geraten. Der 53-Jährige wurde ermordet und seine Leiche im Kofferraum des Taxis nach Gaza gebracht. Videos zeigen, wie die Leiche des Mannes von Zivilisten in Gaza geschändet wird. Nun konnte ihn seine Familie beerdigen.
Der Soundtechniker Guy Illouz (26) wurde schwer verletzt vom Nova-Festival entführt und starb später in einem Krankenhaus in Gaza, weil er nicht behandelt wurde. Im Krankenhaus teilte er sich das Zimmer mit der später freigelassenen Maya Regev, die die letzten Stunden mit Illouz verbrachte. Illouz spielte Gitarre und studierte Philosophie und Psychologie. Auch Uriel Baruch (35) wurde vom Nova-Festival verschleppt und starb wohl am jenem Tag an seinen Verletzungen. Baruch arbeitete im Bauwesen und liebte Techno-Musik. Sein Kumpel Michael Yoav wurde auf dem Festival ermordet.
Überführt wurden auch die Leichen der im Einsatz gefallenen Soldaten Daniel Perez (22) und Mohammed Al-Atarash (39). Daniel Perez zog mit 13 Jahren mit seiner Familie von Südafrika nach Israel. Er liebte Wakeboarding, Extremsport und den FC Liverpool. Al-Atarash gehört einer beduinischen Gruppe im Militär an. Der 13-fache Vater wurde tot entführt.
Zwei Deutsch-Israelis unter den entführten Toten
Auf alle weiteren sterblichen Überreste müssen die Hinterbliebenen noch warten. 19 Geiseln bleiben damit vorerst in Gefangenschaft der Hamas.
Darunter sind die beiden Deutsch-Israelis Tamir Adar (38) und Itay Chen (19). Adar schickte seine Frau Hadas mit dem damals siebenjährigen Asaf und der dreijährigen Neta in den Sicherheitsraum und wollte draußen das Kibbutz Nir Oz verteidigen. Er wurde am 7. Oktober getötet und seine Leiche verschleppt. Seine Großmutter Yaffa (87) wurde nach Gaza entführt und nach 49 Tagen befreit. Adar reiste gerne und sah sich Fußballspiele von Maccabi Tel Aviv mit Freunden an. Chen hat nebst der israelischen und deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er reiste gerne, liebte Hund Gucci und träumte davon, einmal in einem Rennauto zu sitzen.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtUnter den 26 für tot erklärten Geiseln sind drei Nichtisraelis. Joshua Mollel (21) war Agrarstudent und zum Praktikum aus seiner Heimat Tansania in Israel. Am 7. Oktober wurde er aus dem Kibbuz Nahal Oz entführt und kurze Zeit später getötet. Die beiden Thailänder Sonthaya Oakkharasr (30) und Sudthisak Rinthalak (43) arbeiteten als Erntehelfer im Kibbutz Be’eri. Sie wurden in ihrem Zuhause getötet, die Leichen verschleppt. Am 7. Oktober 2023 wurden 39 Thailänder getötet und 31 weitere, zumeist lebend, nach Gaza entführt.
Zwei Geiseln durch israelisches Militär getötet
Eine der in Gaza verbliebenen Geiseln kam durch israelische Angriffe ums Leben: der Student Sahar Baruch, der Animes liebte. Der 25-Jährige kam bei einem missglückten Befreiungsversuch der israelischen Armee ums Leben. Die Hamas veröffentlichte ein Video seiner völlig entstellten Leiche, mit gebrochenem Kiefer, fehlendem Auge, fehlenden Fingern.
Auch den Tod des 85-jährigen Arie Zalmanowicz hielt die Hamas in einem Video fest. Der schwer verletzte Mann wurde nach seiner Entführung zwar in ein Krankenhaus gebracht, doch ohne jegliche medizinische Hilfe zu erhalten. Rund sechs Wochen nach seiner Entführung starb er.
Wie Zalmanowicz wurden auch Amiram Cooper (85), Eliyahu Margalit (75) und Ronen Engel (54) aus Nir Oz entführt. Coopers Ehefrau Nurit (81) wurde als eine der ersten Geiseln nach 17 Tagen aus angeblichen humanitären Gründen freigelassen. Er war nach einigen Wochen in einem Propagandavideo der Hamas zu sehen, später starb er in Gefangenschaft. Margalit wurde ermordet, als er Pferde fütterte. Auch die Pferde sowie seine Tochter Nili (43), die Ende November freikam, wurden nach Gaza verschleppt. Engel wurde zusammen mit seiner Frau Karina und den Töchtern Mika (20) und Yuval (13) entführt. Die drei kamen am 27. November frei, während der Familienvater in Geiselhaft getötet wurde.
Seinen jüngsten Sohn lernte Tal Haimi nie kennen
Seinen jüngsten Sohn Lotan lernte Tal Haimi (41) nicht kennen. Der Familienvater wurde am 7. Oktober 2023 getötet, als er das Kibbutz Nir Yitzhak verteidigte. Seine Frau Ella, damals gerade schwanger, der achtjährige Udi und die elfjährigen Zwillinge Nir und Einav versteckten sich im Sicherheitsraum. Bis zu ihrem Haus kamen die Terroristen an dem Tag nicht. Der vierfache Vater und dreifache Großvater Lior Rudaeff (61) wurde ebenfalls an jenem Tag in Nir Yitzhak getötet und nach Gaza verschleppt. An jenem Tag war der Sanitäter früh aufgestanden, weil er mit dem Motorrad fahren wollte.
Als die Terroristen sein Haus in Flammen setzten, befahl Dror Or (48) seinen zwei Kindern, aus dem Fenster zu fliehen. Noam (damals 16) und Alma (damals 12) wurden von der Hamas entführt und kamen Ende November frei. Ihre Eltern konnten sie dann nicht umarmen. Beide wurden getötet, die Leiche von Dror Or nach Gaza verschleppt. Dror war Käsehersteller, lernte sein Handwerk in Italien und Frankreich. Er spielte Basketball und praktizierte Yoga. Am gleichen Ort wurde Meny Godard (73) getötet und verschleppt. Auch seine Frau wurde ermordet. Godard arbeitete in der Druckerei und als Rettungsschwimmer. Als junger Mann war er professioneller Fußballspieler.
Leichen von sieben israelischen Soldaten noch immer verschleppt
Unter den Toten, die bisher nicht zurückgebracht wurden, sind die gefallenen Soldaten Daniel Oz (19), Omer Neutra (21), Ran Gvili (24) und Asaf Hamami (40). Die Hamas veröffentlichte ein Video, wie Terroristen Oz, der eine Zwillingsschwester hat, Gitarre spielte und Guns N’ Roses Fan war, noch in Israel erschossen und danach verschleppt haben. Auch Omer Neutra wurde von den Terroristen ermordet und nach Gaza verschleppt. Der 21-Jährige ist in den USA geboren und kam nach einem früheren Studienjahr in Israel für seinen Militärdienst zurück.
Gvili sollte am 7. Oktober 2023 ursprünglich operiert werden, als er vom Überfall der Hamas hörte, meldete er sich aber zum Dienst. Er wurde zweimal ins Bein geschossen, ehe er getötet wurde. Hamami, Vater dreier Kinder, gehörte dem israelischen Militär seit 2001 an und war seit 2022 Kommandeur der Südbrigade in Gaza. Am 7. Oktober war sein damals fünfjähriger Sohn Alon in der Kaserne, Kameraden versteckten ihn, nach zehn Stunden konnte er lebend befreit werden.
Unter den nun noch 19 Geiseln ist zudem Hadar Goldin gelistet. Der 23-jährige Soldat wurde 2014 getötet, seine Leiche wird seither in Gaza festgehalten. Im Zuge des ausgehandelten Deals soll auch er endlich nach Hause kommen.
Dieser Artikel wurde am 16. Oktober um 12 Uhr aktualisiert.