Millionen Menschen hungern

Brutaler Machtkampf im Sudan: Bringt die Friedenskonferenz den Waffenstillstand?

Flüchtlinge aus dem Sudan im Transitlager 2 in der südsudanesischen Grenzstadt Renk.

Berlin. Vor 16 Monaten beendeten schwere Kämpfe im Sudan eine große Hoffnung: Dass das ostafrikanische Land nach jahrzehntelanger nach jahrzehntelanger Diktatur zu einer zivilen Regierung finden würde. Die brutale Auseinandersetzung zerreißt das Land und destabilisiert die Region. Mehrere Waffenstillstandsversuche sind gescheitert. An diesem Mittwoch startet in der Schweiz unter Leitung der USA und Saudi-Arabiens ein erneuter Versuch.

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Warum wird im Sudan gekämpft?

Es geht um Macht – und auch um Rohstoffe und geostrategische Überlegungen. Die Macht im Land beansprucht der Chef der sudanesischen Streitkräfte (SAF), Abdel Fattah al-Burhan, für sich, der sich zum De-facto-Präsident des Landes ausgerufen hat. Ihm gegenüber steht sein früherer Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo (genannt Hemeti), der die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) kommandiert. In den RSF sind Teile der Dschandschawid-Milizen aufgegangen, die im westlichen Bundesstaat Darfur mit Unterstützung der damaligen autoritären Regierung unter Präsident Omar al-Baschir Massaker anrichtete. Al-Baschir wurde 2019 durch das Militär gestürzt. Sudan hat zudem Goldvorkommen und grenzt ans Rote Meer – ein interessanter Zugang zu einer wichtigen Handelsroute. Öl spielt mittlerweile eine geringere Rolle im Sudan – die größten Vorkommen liegen im Südsudan, der 2011 unabhängig wurde. Allerdings verläuft die Pipeline durch den Sudan.

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Welche anderen Länder sind beteiligt?

Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als Unterstützer der RSF, Ägypten dagegen als eng verbandelt mit den SAF. Russland ist interessiert am Zugang zum Roten Meer. Auch die russische Söldnertruppe, die einst unter dem Namen Wagner-Gruppe agierte und mittlerweile bezeichnenderweise in Afrikakorps umbenannt wurde, dürfte weiter vor Ort sein – unter anderem mit dem Gold im Blick. Auch der Iran mischt im Sudan mit – erst vor wenigen Wochen wurden die seit Jahren ruhenden diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Für China ist Sudan ein Stützpunkt seines weltweiten Wirtschaftsprojekts, der Seidenstraßen-Initiative. Die Ölpipeline, die aus dem Südsudan durch den Sudan nach Port Sudan am Roten Meer führt, gehört unter anderem chinesischen Konzernen.

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Was sind die Folgen der Kämpfe?

Die Folgen für die Bevölkerung sind dramatisch. Mindestens 14.000 Tote und 33.000 Verletzte zählen die Vereinten Nationen (UN). Über zehn Millionen Menschen sind seit Kriegsausbruch geflohen, davon über zwei Millionen in Nachbarländer. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Sudans – also rund 25 Millionen Menschen – sind nach UN-Angaben von Hunger bedroht. Das entspricht der Bevölkerung von Australien. Für rund 750.000 Menschen gilt die höchste Warnstufe Hungersnot. Die Kämpfe erschweren den Transport von Lebensmitteln und auch den Zugang von Hilfsorganisationen. Viele Menschen haben ihre Dörfer verlassen, Felder werden nicht mehr bewirtschaftet. Dazu kommen aktuell heftige Regenfälle. Die Kämpfe sind so brutal, dass gleich nach Beginn der Konflikte die meisten Länder ihr diplomatisches Personal abzogen. Der so hoffnungsvoll begonnene Weg zu einer zivilen Regierung nach dem Sturz von Diktator Al-Baschir 2019 liegt in Trümmern.

Warum ist der Konflikt international so wichtig?

Neben den dramatischen Folgen für die Bevölkerung und abgesehen von den wirtschaftlichen Interessen, die mit dem Sudan verbunden sind, birgt der Konflikt auch ein hohes geopolitisches Risiko. Sudan ist umgeben von labilen Staaten: Äthiopien hat nach sich nach heftigen inneren Kämpfen gerade wieder stabilisiert. In den nicht weit entfernten Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger gab es Militärputsche, internationale Truppen sind von dort abgezogen. Auch das angrenzende Tschad, in das viele Menschen aus dem Sudan geflohen sind, gilt als nicht ganz stabil. Das Negativszenario ist, dass Sudan genauso wie das im Norden angrenzende Libyen zum Failed State wird, also ohne Regierung und ordnende Strukturen bleibt, und von Milizen terrorisiert wird. Das wäre ein Problem für die gesamte Region.

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Welche Chancen gibt es für einen Waffenstillstand?

Zwei Versuche sind bereits gescheitert. Vereinbarungen, die im saudi-arabischen Dschidda getroffen wurden, wurden binnen Kurzem von beiden Konfliktparteien wieder gebrochen. Nun soll es in der Schweiz erneut versucht werden. Diplomaten gehen davon aus, dass eine Beteiligung der beiden Warlords an den Verhandlungen für mehr Verbindlichkeit sorgen würde. Zunächst hieß es allerdings, dass nur die RSF ihre Teilnahme zugesagt habe – von den Chefs war gar nicht mehr die Rede. Die haben möglicherweise kein Interesse an einem Ende des Konflikts, der für sie mit Machtverlust verbunden sein dürfte – und perspektivisch mit einem Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen der Brutalität gegenüber Zivilisten. Die USA und Saudi-Arabien, die die aktuellen Verhandlungen leiten, haben vorsorglich Zeit mitgebracht: Die Gespräche sind bis mindestens 24. August angesetzt. Und um eine politische Lösung des Konflikts soll es erst mal nicht gehen – sondern nur um eine Beruhigung der Kämpfe.

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