Deutsche Unternehmen in Russland: Moralisch verwerfliche Geschäfte
Hilfsleistungen im Umfang von mehr als 20 Milliarden Euro haben deutsche Steuerzahler seit dem russischen Angriffskrieg für die Ukraine aufgebracht, mehr als ein halbes Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Da wirkt es mehr als irritierend, wenn deutsche Unternehmen diese Unterstützung für die Ukraine durch ihre Russland-Geschäfte unterlaufen. Auch eineinhalb Jahre nach Kriegsbeginn haben die allermeisten dort aktiven Konzerne aus der Bundesrepublik ihr Russland-Engagement nicht gestoppt, wie die Organisation B4Ukraine nun bemängelt.
Rechtlich ist das nicht zu beanstanden, solange die Firmen nicht gegen internationale Sanktionen verstoßen. In einigen Fällen mag das Engagement auch ethisch einwandfrei sein, etwa dann, wenn die Produktion von lebenswichtigen Medikamenten betroffen ist. Moralisch verwerflich ist es aber, wenn es nur um Profit geht. Jeder Rubel, den diese Unternehmen in Form von Steuern an den russischen Staat abführen, unterstützt Diktator Wladimir Putin und seinen illegalen Krieg.
Unglaubwürdige Argumentation
Die häufigste Rechtfertigung von Unternehmen für ihr andauerndes Russland-Engagement ist laut B4Ukraine dieses: Man stelle die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern oder Dienstleistungen sicher. Wenn das Argument allerdings von Herstellern von Schokoriegeln oder Erfrischungsgetränken ins Feld geführt wird, ist es unglaubwürdig.
Ideen wie jene von B4Ukraine, solche Firmen in Deutschland womöglich steuerlich oder bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen zu benachteiligen, dürften rechtlich kaum durchsetzbar sein. Die Kunden aber sollten darüber nachdenken, ob sie solche Unternehmen unterstützen wollen.