Auf dem Weg zum Superstürmer?

Warum Boniface ein Bessermacher mit Restrisiko ist

Victor Boniface bejubelt mit seinen Teamkollegen den Leverkusener Punktgewinn beim FC Bayern.

Es ist keine ganz neue Erkenntnis, dass Xabi Alonso ein ziemlich schlauer Trainer ist, nicht nur ein guter Fußballlehrer und versierter Stratege, sondern auch ein Mann mit Gespür für das Befinden seiner Spieler. Also gönnte er in der Europa-League-Partie von Bayer Leverkusen gegen das Außenseiterteam BK Häcken etlichen Spielern seiner bislang beeindruckenden Erfolgsmannschaft eine Pause, nicht aber dem Mann, der gerade eine ganz besondere Erfolgswelle reitet. Stürmer Victor Boniface steuerte ein Tor und eine Vorlage zum 4:0-Sieg gegen die Schweden bei, und niemand würde sich wundern, wenn der 22 Jahre alte Nigerianer an diesem Sonntag (15.30 Uhr, DAZN) in der Bundesliga gegen den 1.FC Heidenheim abermals heraussticht aus der derzeit besten Mannschaft der Bundesliga.

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Es ist schon viel gesprochen worden über die meisterhafte Transferarbeit, die der Sportdirektor Simon Rolfes im Sommer geleistet hat, und man könnte darüber streiten, ob nun Jonas Hofmann, Granit Xhaka oder Boniface seine beste Spielerverpflichtung war. Von Hofmann und Xhaka war allerdings bekannt, wie gut sie in der Bundesliga performen können. Boniface hingegen ist eine echte Entdeckung. Ein Spieler, von dem der Kölner Trainer Steffen Baumgart glaubt, dass er den FC Bayern besser verstärkt hätte als Harry Kane: „Der Junge gehört aus meiner Sicht mit zu den besten Stürmern in Europa“, hatte Baumgart erklärt, „er ist 22 Jahre alt, hat einen guten Körper – da weiß man, dass seine Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist, dass von ihm noch viel mehr kommt.“

Überragende Bilanz: Sechs Spiele, fünf Tore, drei Vorlagen

In Leverkusen sind sie etwas zurückhaltender mit ihrem Lob, noch ist schließlich unklar, wie konstant Boniface so stark spielen kann. „Er macht die Mannschaft besser“, sagt Xhaka und Trainer Alonso findet: „Er ist ein guter Typ. Er spielt nicht nur für sich, er will der Mannschaft helfen, er ist sehr großzügig.“ In den sechs Pflichtspielen der laufenden Saison hat der Leverkusener Neuzugang vom belgischen Klub Union Saint-Gilloise fünf Tore geschossen und drei weitere vorbereitet. Zudem hatte Boniface in den vier Bundesligapartien bereits 168 Ballbesitzphasen. Zum Vergleich: Kane, der den Ruf hat, sich ebenfalls gerne am Spiel seines Teams zu beteiligen, kommt auf 119 Ballaktionen.

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Noch beeindruckender ist aber eine andere Statistik, in der kein Bundesliga-Spieler auch nur in die Nähe von Boniface kommt. In den vier Ligapartien sind ihm unglaubliche 29 Torabschlüsse gelungen, auf Platz zwei dieses Rankings folgt weit abgeschlagen der Heidenheimer Tim Kleindienst mit 17 Versuchen. Boniface sei „ein ‚Perfect Fit‘ für Leverkusen, besticht mit seiner Wucht“, hat Bayern Münchens Trainer Thomas Tuchel am Rande des 2:2 seiner Mannschaft gegen Leverkusen am vierten Spieltag gesagt, was ein wenig so klang, als wolle er seinem Kölner Kollegen Baumgart widersprechen: Perfekt für Leverkusen, aber nicht für den FC Bayern. In Dortmund wird ja hinter vorgehaltener Hand ebenfalls gefragt, warum die sportliche Leitung sich nicht um diesen jungen Torjäger, sondern um den erheblich älteren Niclas Füllkrug bemüht hat.

Schattenseite Verletzungshistorie: „Wir haben gesagt, dass wir das eingehen“

Die Gründe des BVB sind jedoch schnell erklärt: Hier wurde ein Angreifer gesucht, der Sebastién Haller vertritt, wenn dieser im Januar für die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup spielt. Der Nigerianer Boniface jedoch dürfte dort allerdings ebenfalls dabei sein. Außerdem gibt es diese Schattenseite in der Karriere des rund 20 Millionen Euro teuren Boniface: Er ist erst 20 Jahre alt, hatte aber schon zwei Kreuzbandrisse, aufgrund derer er zwischen März 2019 und November 2021 insgesamt 535 Tage ausgefallen ist. „Natürlich müssen wir unsere Hausaufgaben machen, das untersuchen und einschätzen, wie wir das Risiko sehen“, sagt Leverkusens Sportchef Rolfes. „Aber wir haben gesagt, dass wir das eingehen, weil wir von ihm und den Knien überzeugt sind.“

Beruhigend ist, dass Boniface während der vergangenen Saison in 55 Pflichtspielen 22 Tore und zwölf Vorlagen zum Erfolg von Saint-Gilloise beisteuerte, ohne sich zu verletzen. Und wenn der Nigerianer doch ausfällt, haben die Leverkusener ja auch noch Patrik Schick in der Hinterhand, der nach seiner Adduktoren-OP fast in Vergessenheit geraten ist inmitten des Hypes um Victor Boniface.

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