Test von American Airlines

Alarm entlarvt Vordrängler beim Boarding – das planen deutsche Airlines

Lange Warteschlangen sind beim Boarding üblich. Dabei ist das Anstehen gar nicht notwendig.

Wer kennt diese Situation am Flughafen nicht? Kaum greift die Stewardess oder der Steward zum Hörer, um die magischen Worte zu verkünden („Meine Damen und Herren, wir beginnen jetzt mit dem Boarding für den Flug …“), springen die Wartenden von ihren Sitzen auf und hechten zum Counter – als hinge ihr Leben davon ab.

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Oder so, als wäre es kein Linienflug mit zugewiesenen Sitzplätzen, sondern eine besonders perfide Version der „Reise nach Jerusalem“: Wer nicht rechtzeitig in der Schlange steht, darf nicht mitfliegen.

Boarding nach Gruppen: Das ist der Grund

Um genau diesem Chaos entgegenzuwirken, haben die meisten Fluggesellschaften sogenannte Boarding-Gruppen oder ‑Zonen eingeführt. Sie regeln, in welcher Reihenfolge die Passagierinnen und Passagiere in den Flieger steigen sollen. Manche Airlines unterscheiden dabei nur zwischen Priority und Nicht-Priority, andere haben Systeme mit bis zu sechs Gruppen.

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Üblich ist etwa, dass zuerst Menschen mit eingeschränkter Mobilität sowie Familien mit Kleinkindern an Bord gehen dürfen. Danach folgen Passagierinnen und Passagiere der First Class und solche mit besonderem Status. Als Nächstes sind Reisende dran, die Plätze in der Business Class gebucht haben. Bei Menschen in der Economy Class wird entweder nach Sitzreihen (von hinten nach vorn) geboardet oder nach Plätzen (erst Fenster, dann Mitte und Gang).

Unabhängig davon, wie die Boarding-Gruppen nun eingeteilt sind, sie dienen alle einem Zweck: dass Passagierinnen und Passagiere weniger Zeit mit unsinnigem Anstehen verbringen müssen und das Boarding so effizient wie möglich über die Bühne geht. Dennoch gibt es immer wieder Flugreisende, die sich in eine frühere Gruppe mogeln wollen, nennen wir sie schlicht: die Vordrängler. Im amerikanischen Sprachraum ist man da wesentlich schmerzbefreiter, dort heißen diese Menschen „gate lice“, also Gate-Läuse. Und gegen jene schreitet American Airlines nun zur Tat.

American Airlines greift gegen Vordrängler hart durch

Die amerikanische Fluglinie testet derzeit ein neues Scanner-System, das einen akustischen Alarm auslöst, wenn jemand versucht, in einer früheren Gruppe den Boarding-Counter zu passieren. Das Personal fordert die reisende Person dann auf, sich zu entfernen, bis die entsprechende Gruppe auch wirklich aufgerufen wird. Durch den Signalton werden auch Mitreisende Zeuginnen und Zeugen der Zurechtweisung, was den sozialen Druck verstärkt. Nicht ganz so drastisch wie der Gang der Schande bei „Game of Thrones“, aber dennoch wirksam.

„Wir sind mit den Testergebnissen bisher zufrieden“, teilte American Airlines dem Nachrichtensender „CNN“ mit. Laut einer Sprecherin der Fluggesellschaft soll die Technologie dafür sorgen, das Boarding reibungslos zu gestalten – für Crew und Flugreisende. Das System werde derzeit an den Flughäfen von Albuquerque, Tucson und Washington getestet.

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Welche Maßnahmen planen Lufthansa und Co.?

Noch steckt das System, das beim Boarding für Ordnung sorgt, in den Kinderschuhen. Aber wäre es auch in Deutschland denkbar? Wir haben bei einigen deutschen Fluggesellschaften nachgefragt.

So nutzt die Lufthansa ebenfalls Boarding-Gruppen, um den Prozess des Einsteigens zu beschleunigen. Reisende werden in sechs Gruppen unterteilt und entsprechend aufgerufen. Flugreisende, die gemeinsam einchecken, werden automatisch derselben Boarding-Gruppe zugeordnet. „Grundsätzlich erhalten wir positive Rückmeldungen zu dem Prozess“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Eine Änderung sei vorerst nicht geplant.

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Eurowings setzt bei der Boarding-Reihenfolge schon im Vorfeld auf eine klare Kommunikation, heißt es von der Pressestelle der Airline. Sollte sich eine Fluggästin oder ein Fluggast zu früh einreihen, würde das Gate-Personal den Menschen höflich auf seine Gruppe hinweisen. „Dies ist auch deshalb wichtig, weil Priority-Boarding ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für unsere Kunden ist“, teilte ein Sprecher mit.

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Die Fluggesellschaft Condor hat sich auf Anfrage des reisereporters nicht zu den Maßnahmen gegen Vordrängler geäußert.

Was müssen Reisende aktuell wissen? Alle wichtigen News für den Urlaub findest du beim reisereporter.

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