Suche nach dauerhafter Lösung geht weiter

Wolf kommt nach Angriff in Wildtierauffangstation unter

Dieser Wolf wurde in einem Gehege in Baden-Württemberg fotografiert - doch es gibt auch viele Wölfe in freier Wildbahn in Deutschland. (Symbolbild)

Der eingefangene Wolf, der laut Behörden in einer Hamburger Einkaufspassage eine Frau gebissen hat, hat in Niedersachsen ein neues vorläufiges Zuhause gefunden. „In Absprache mit Tierschutzexpertinnen und -experten wurde entschieden, dass der Wolf vorläufig in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen unterkommt“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Dort sei das Tier am Abend gut angekommen.

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Es handelt sich dabei um eine Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg. Das teilte die Hamburger Umweltbehörde mit, die nach eigenen Angaben weiterhin für den Wolf zuständig ist. „Zum langfristigen Verbleib des Tieres laufen Gespräche“, erklärte ein Sprecher der Behörde. 

Viele Fragen sind nach wie vor offen – auch, wie lange der Wolf in seiner jetzigen Station bleiben soll. „Man guckt sich jetzt erstmal an, wie ist der Zustand des Wolfes, lässt ihn zur Ruhe kommen und wird entscheiden, was dann mit ihm passiert“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover. „Es ist schon gefordert worden, das Tier jetzt zu töten. Das muss entschieden werden.“ 

Entscheidung soll möglichst bald fallen

Eine Tötung eines gefangen genommenen Tieres wäre demnach ein Sonderfall. „Das wäre trotzdem womöglich eine Option, aber ich kann da nichts vorwegnehmen.“ Möglicherweise werde das Tier wieder freigelassen: „Auch eine Auswilderung wäre eine Option“, sagte der Sprecher.

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Der Ministeriumssprecher erklärte, man könne ein Wildtier, das nicht an Gefangenschaft gewöhnt ist, nicht sehr lange in einem Gehege belassen, das darauf womöglich gar nicht ausgelegt sei. „Deshalb muss schon kurzfristig und zeitnah entschieden werden, was mit dem Tier passieren soll.“ Es müsse geklärt werden, ob es womöglich in ein anderes Gehege gebracht werden könne – oder man entscheide sich für eine andere Lösung.

Wildparkchef für Freilassung des Wolfes

Am Nachmittag standen bei den Beratungen mit Experten nach Angaben von Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank auch eine Tötung des Tieres sowie seine Freilassung im Raum. Mit Blick auf eine mögliche erneute Verletzung eines Menschen durch den Wolf sagte sie: „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde.“

Unterdessen sprach sich der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, für eine Freilassung aus. Der Wolf habe nicht mit Absicht angegriffen, sondern aus einer Panik heraus, sagte er der dpa. In dem Wildpark südlich von Hamburg lebt seit Jahren ein Wolfsrudel.

Ein historischer Fall – und warum Experten dennoch keine generelle Gefahr sehen

Ein Wolf greift mitten in der Stadt eine Frau an. Das ist ein Vorfall, den es so in Deutschland seit der Rückkehr der einst fast ausgerotteten Tiere nicht gegeben hat. Und trotzdem warnen Experten davor, daraus eine generelle Gefahr abzuleiten.

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Vaubel geht davon aus, dass der Wolf die Frau nicht angreifen wollte. Das sei ein wilder Wolf, der nichts kenne - keine Stadt, keine Menschen. „Der Wolf war wahrscheinlich in Panik und wollte nur raus“, sagte er.

Eine Chance, das Tier in das Rudel seines Wildparks zu integrieren, sieht Vaubel nicht. „Das ist eigentlich nicht möglich.“ Wenn, dann bräuchte das Tier ein eigenes Gehege und auch das sei schwierig. Schließlich handele es sich bei dem Wolf nach wie vor um ein wildes Tier.

Senatorin: Erste durch Wolf verursachte Bissverletzung

Der Wolf war am vergangenen Wochenende zunächst am westlichen Hamburger Stadtrand gesehen worden. Nach Behördenangaben tauchte er dann am Montag in einer Einkaufspassage im dicht besiedelten Stadtteil Altona auf.

Dort kam es dann laut den Behörden zu dem Vorfall mit der Frau. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war dem Tier der Weg aus der Passage heraus durch gläserne Automatiktüren versperrt. Die Frau habe dem Tier helfen wollen.

Wie Umweltsenatorin Fegebank sagte, wurde die Frau durch das Tier verletzt. „Wir haben nun das erste Mal die Situation, dass wir eine durch Wolf verursachte Bissverletzung haben“, sagte sie. Das Bundesamt für Naturschutz sprach vom ersten Fall seit der „Etablierung“ des Wolfes im Jahr 1998. „Seit der Rückkehr der Art nach Deutschland wurde kein Mensch durch einen Wolf verletzt“, so das Bundesamt.

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Zur Schwere der Verletzung machte die Senatorin keine Angaben. Die Frau habe das Krankenhaus aber nach kurzer ambulanter Behandlung wieder verlassen können.

Wolf soll Angstreaktion gezeigt haben

Auch Fegebank geht von einer „Angstreaktion“ des Tieres aus. Der Wolf habe sich über anderthalb Tage „vollkommen arttypisch“ verhalten und „sich eher vorsichtig und menschenscheu“ bewegt, sagte sie. „Und dann treibt es ihn mitten in das urbane Zentrum.“

Der Wolf war nach dem Vorfall in Altona noch bis in die Innenstadt gelaufen und dort am Jungfernstieg von der Polizei eingefangen worden. Bis zu seinem Transport nach Niedersachsen war er im Wildgehege Klövensteen im Westen Hamburgs untergebracht und tiermedizinisch versorgt worden.

Nach Angaben von Umweltstaatsrätin Stefanie von Berg (Grüne) könne man davon ausgehen, dass der Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier in die Stadt gekommen sei und dann die Orientierung verloren habe. „Das ist die Erklärung dafür, dass er immer weiter rein gegangen ist, anstatt umzudrehen“, sagte sie.

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RND/dpa

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