Mit Salzwasser gießen? Profitipps für schöne und gesunde Tomaten
Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen testet gerade einen neuen Trick, um seine Tomaten noch besser zu machen. Etwa alle sechs Wochen gießt er sie mit Salzwasser statt mit normalem Wasser. Äußerlich habe das bisher noch keinen Effekt auf die Pflanze gehabt, erzählt er. Aber er wartet gespannt darauf, ob sich der Geschmack der Tomaten verändern wird.
Salzwasser soll zu mehr Antioxidantien führen
Tomaten mit Salzwasser gießen – das gilt als Geheimtipp unter Gärtnerinnen und Gärtnern. Zurück geht er auf eine Studie italienischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die schon vor einigen Jahren herausgefunden haben, dass mit Salzwasser gegossene Kirschtomaten nicht nur besser schmecken – sie sind auch gesünder. Die Bewässerung mit dem salzhaltigen Wasser führt zu einer erhöhten Menge an Antioxidantien, die vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen sollen. Allerdings sind die Tomaten kleiner als mit normalem Wasser gegossenen – ihr Trockengewicht dagegen höher.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären, dass sich diese Form der Bewässerung vor allem da anbiete, wo Süßwasser knapp sei. Es müsse allerdings darauf geachtet werden, die Böden nicht zu stark zu versalzen. Wie so oft gilt: Die Dosis macht das Gift. Der Studie zufolge sollte nicht mehr als ein Gramm Salz in einem Liter Gießwasser aufgelöst werden.
Wer den Trick auch ausprobieren möchte, sollte vorsichtig sein, rät auch Thomas Kleinworth vom Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands. „Diese Salzlösungen können auch durchaus einen Schaden anrichten.“ Die Salze könnten das Wasser nämlich aus der Pflanze herausziehen. In diesem Fall spreche man von einer Exosmose – die Pflanze würde im schlimmsten Fall vertrocknen, obwohl sie im Wasser stehe.
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Zur vollständigen AnsichtSalzlösungen können auch einen Schaden anrichten
Tomaten gehören zu den sogenannten Starkzehern. Sie brauchen nicht nur Wasser, sondern auch viele Nährstoffe. Diese haben laut dem Max Rubner-Institut einen großen Einfluss auf das Wachstum und den Ertrag der Pflanzen.
Um die Nährstoffversorgung zu garantieren, schwört Clemen auf eine „uralte Tradition“. Der Naturgärtner erntet Beinwellblätter und legt diese frisch um die Tomatenpflanze aus. „Beinwell enthält viel Kalium, das besonders wichtig für die Fruchtbildung der Tomatenpflanze ist“, erklärt er. Wer mag, könne das Beinwellblatt auch in kochendem Wasser auflösen und den erkalteten Sud mit Wasser in einem Verhältnis von eins zu zehn hin und wieder auf die Tomatenpflanze aufbringen.
Mit Jauche düngen
Ein anderer guter Tipp ist Jauche, sind sich Kleinworth und Clemen einig. Denn: Jauche enthält Kalium und viel Stickstoff. „Pflanzen, die sich akut in einem Nährstoffmangel befinden, kann etwa mit Jauche schnell geholfen werden“, sagt Kleinworth. Diesen Nährstoffmangel erkenne man vor allem an kleinen oder gelbgefärbten Blättern oder einem schwachen Wuchs der Pflanze.
Für eine Jauche braucht es nur Brennnesseln und Wasser. Wichtig: „Die Brennnesseln sollten aus einem geschützten Raum kommen und nicht neben der Autobahn wachsen“, sagt Clemen. Die Brennnesseln werden dann geschnitten, in eine Regentonne oder ein Fass gelegt, und es wird Wasser dazugegeben. Nach fünf bis sieben Tagen ist bereits eine Jauche entstanden, erklärt Clemen. Wenn sie anfange, „wie Gülle“ zu stinken, müsse die Flüssigkeit nur noch durchgesiebt werden – fertig sei der selbst gemachte Dünger. „Der Verjauchungsprozess zieht sehr viele Mücken an“, gibt Clemen zu bedenken. Abhilfe schaffe aber eine mit einem Deckel verschließbare Tonne.
So stellen Sie Pflanzenjauchen selbst her
Brennnesseljauche ist der bekannteste Naturdünger. Doch auch aus Löwenzahn, Knoblauch und anderen Gewächsen lassen sich wirkungsvolle Pflanzenschutzmittel herstellen. Wie, das erklärt Gartenbauingenieurin Schwester Christa Weinrich im Interview.
Nur einmal pro Monat mit Jauche gießen
Um die Tomatenpflanze mit der nährstoffreichen Flüssigkeit zu versorgen, wird ein Anteil der Jauche mit zehn Anteilen Wasser vermischt. „Ich würde empfehlen, die Pflanzen nicht häufiger als einmal pro Monat mit der Jauche zu gießen, da sie ansonsten überdüngt wird“, erklärt Clemen.
„Das Wichtigste ist aber, die Pflanzen regelmäßig – und vor allem morgens zu gießen“, sagt Clemen. Wer Tomaten unregelmäßig gieße, riskiere eine Blütenendfäule, die aus einem Mangel an Wasser entsteht. Die Früchte könnten dann im schlimmsten Fall verschimmeln.
Jauche empfiehlt sich nicht nur für Tomaten. „Bei den Stark- und Mittelzehrern lässt sich das spezielle Gießwasser super anwenden, weil diese einen hohen Nährstoffbedarf haben“, erklärt Clemen. Das sind etwa Kohlpflanzen, Kürbis oder Zucchini.