Zwischen Sorge und Fürsorge: Was tun, wenn Mama und Papa alt werden?

Irgendwann kommt der Moment, dass Mutter und Vater nicht mehr können, wie sie wollen.

Darmstadt. Es beginnt mit Kleinigkeiten, und auf einmal fragt man sich, ob der Vater wirklich mit 80 noch Auto fahren sollte oder wie lange die Mutter es noch allein mit dem Duschen schafft. Alexandra Mandler-Pohen, Sozialarbeiterin beim Caritasverband Darmstadt e. V,. kann beim Umgang mit dem Altern auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Im Interview erklärt sie, worauf man bei Senioren achten sollte.

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Frau Mandler-Pohen, woran merkt man, dass die Eltern ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen?

Ich empfehle immer, genau hinzuschauen und kein vorschnelles Urteil zu fällen. Man muss nicht sofort handeln, nur weil zum Beispiel die Mutter, die früher sehr akkurat war, nicht in jeder Ecke Staub gesaugt hat. Das hat häufig auch einfach nur damit zu tun, dass man im Alter schlechter sieht – und auch insgesamt langsamer ist. Da bleiben eben auch mal Medikamente auf dem Tisch liegen und werden nicht weggeräumt, damit man sie schnell bei der Hand hat.

Bei welchen Anzeichen müsste man sich denn Sorgen machen?

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Sorgen muss man sich machen, wenn man merkt, dass ein Elternteil plötzlich mehr Hilfe benötigt. Aber auch hier würde ich unterscheiden, ob es sich um körperliche Beeinträchtigungen oder um eine entstehende Demenz handelt. Ich empfehle, behutsam das Gespräch zu suchen. Zu fragen: ‚Kann ich dich beim Einkaufen unterstützen? Oder beim Putzen?‘ ist eine besserer Weg, als ungefragt etwas über den Kopf der Eltern hinweg zu bestimmen. Ein Zeichen von Demenz könnte sein, wenn die Mutter oder der Vater unkontrolliert einkauft – zum Beispiel 20 Liter Milch oder 20 Tüten Haferflocken. Da hilft häufig schon, unauffällig einen Blick ins Küchenregal oder in den Kühlschrank zu werfen.

Was können die Kinder für ihre Eltern tun, die noch in den eigenen vier Wänden wohnen?

Zum einen ist da die seelische Seite: Durch Corona fallen Kontakte wie Seniorensport oder das Treffen im Kirchenkreis weg. Einsamkeit ist deshalb ein großes Thema – vor allem, wenn der Partner nicht mehr lebt. Ältere Menschen können das nicht so leicht durch digitale Kommunikation ausgleichen – viele werden depressiv. Zum anderen brauchen Eltern oft organisatorische Unterstützung: Hilfe bei den „Papieren“ – wenn Formulare ausgefüllt oder Anträge gestellt werden müssen. Hier kann eine bestehende Vorsorgevollmacht nützlich sein. Sie bevollmächtigt eine bestimmte Person wie zum Beispiel das eigene Kind, im Falle einer Notsituation alle oder bestimmte Aufgaben für den Vollmachtgeber zu erledigen.

Da spielt auch das sensible Thema Geld eine Rolle …

Ja, nicht alle Eltern wollen ihren Kindern Einblick in ihre finanzielle Situation erlauben. Das hat oft damit zu tun, dass die ältere Generation – vor allem durch die Nachkriegszeit – ein anderes Verhältnis zum Geld hat. Aber mitunter ist einfach das Vertrauen nicht da. Auch der Ansprechpartner für die Finanzen sollte im Vorfeld über die Vorsorgevollmacht geregelt werden.

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Die Sozialarbeiterin Alexandra Mandler-Pohen vom Caritasverband Darmstadt e. V. kann beim Umgang mit dem Altern auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken.

Die Sozialarbeiterin Alexandra Mandler-Pohen vom Caritasverband Darmstadt e. V. kann beim Umgang mit dem Altern auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken.

Wo gibt es Hilfe, wenn sich die Lebenssituation der Eltern verändert hat?

Es gibt zahlreiche Stellen, die weiterhelfen können: Pflegestützpunkte, kommunale Seniorenberatungen, Seniorenbüros. Mitunter ist der Blick von außen gut, um die Situation zu bewerten. Denn die Eltern können häufig eine Einschätzung von Dritten eher akzeptieren als von den eigenen Kindern. Auch die Caritas berät bundesweit – ganz unabhängig von der Konfession.

Und wie findet man als Sohn oder als Tochter heraus, welche Lebensform im Alter am besten für die Eltern ist?

Zum einen muss entschieden werden, wie genau der Bedarf des Elternteils ist, ob es ein ambulanter Dienst sein soll oder betreutes Wohnen, Tagespflege oder ein Altenheim. Bei der Wahl des Altenheims habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Bewertungen im Internet allein oft nicht weiterhelfen. Manche Senioren mögen es zum Beispiel nicht, wenn es sehr modern eingerichtet ist, sie wünschen sich eher Gemütlichkeit mit alten Möbeln. Aber wichtiger ist noch die Frage, wo die alten Menschen wohnen.

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Sie meinen den Wohnort?

Ja, viele wollen an ihrem Heimatort bleiben – auch wenn das eigene Kind in einer anderen Region wohnen sollte. Da spielen die sozialen Kontakte vor Ort eine große Rolle: Freunde, Bekannte, auch die vertrauten Ärzte sind häufig ausschlaggebend. Man tut also älteren Menschen nicht unbedingt einen Gefallen, wenn man sie gut gemeint noch umsiedeln will.

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