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Die Grenzen von Paartherapie oder wann Paartherapie sogar kontraproduktiv wirkt

Wer in einer toxischen Beziehung angekommen ist, kann die auch nicht mehr durch eine Paartherapie retten, meint unser Kolumnist Christian Hemschemeier.

Ich bin seit über 20 Jahren Paartherapeut. Ich habe viele Paare erlebt und unterschiedliche Themen und Anliegen mit ihnen bearbeitet. Dabei waren es in den ersten Jahren hauptsächlich klassische Themen der Paartherapie. Zum Beispiel ist ein Partner nach vielen Jahren fremdgegangen, die Beziehung ist zu langweilig geworden oder die Beziehung ist in eine Krise geraten, da die Kinder nun aus dem Haus waren oder ein Partner in Rente gegangen ist und nun der Alltag neu organisiert werden musste.

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Alles Themen die durchaus gut aufgearbeitet werden können. Diese Paare haben in der Regel wenige Sitzungen benötigt, um neue Ansatzpunkte für ihre Beziehung zu bekommen, haben es oft geschafft an der Krise zu wachsen und wieder zueinander zu finden. Aufgrund meines Youtube-Kanals und der Spezialisierung auf das Thema toxische Beziehungen haben sich die Themen und natürlich auch die Paare verändert.

Inzwischen berate ich hauptsächlich Menschen in und aus toxischen Beziehungen. Und da höre ich immer wieder, dass diese Paare auch schon in Paartherapie waren, oft auch über eine sehr lange Zeit! Wobei hier nochmal hervorzuheben ist, dass eine Beziehung nicht gleich toxisch ist, wenn es mal nicht so gut läuft. In toxischen Beziehungen sind wir in der Regel nicht mehr wir selbst.

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Toxische Beziehungen sind nicht zu retten

Wir hängen wie Liebessüchtige an der Nadel, können nicht mehr richtig essen und nicht mehr schlafen und kreisen nur noch um die Beziehung. Ich selbst würde Partnerinnen und Partner aus toxischen Beziehungen nur einzeln beraten beziehungsweise, wenn sich erst im Gespräch herausstellt, dass es eine toxische Beziehung ist, die Sitzung beenden beziehungsweise davon abraten, diese fortzuführen. Toxische Beziehungen sind nicht zu retten und deshalb falsch in der Paartherapie.

Selbst eine moderierte Trennung, die in der klassischen Paartherapie ein wichtiges und sinnvolles Anliegen sein kann, hat bei toxischen Beziehungen oft wenig Sinn. Im Gegenteil – Paartherapie kann in solchen Konstellationen völlig nach hinten losgehen. Unter Umständen werden Dealbreaker nicht als solche erkannt oder es herrscht die Überzeugung, dass man durch gute Kommunikation und viel Verständnis für die Partnerin oder den Partner die Beziehung verbessern und retten kann. Dabei bleibt vor allem die Partnerin oder der Partner auf der Strecke, von der beziehungsweise dem kein toxisches Verhalten ausgeht.

Paartherapie möchte das Wir in den Fokus stellen

Diese fühlen sich dann womöglich schuldig oder sogar verantwortlich für bestimmte Konflikte in der Beziehung. Paartherapie hat das Ziel, dass Wir in den Fokus zu stellen, um die Paarebene hervorzuheben und zu stärken. Wenn man als Pluspol oder eher Co-Abhängiger in einer toxischen Beziehung steckt, fühlt man sich aber sowieso schon viel zu stark für den anderen und für das Gelingen der Beziehung verantwortlich.

In dem Fall muss also der oder die Einzelne gestärkt werden. Die eigenen Grenzen müssen wieder wahrgenommen werden und im nächsten Schritt verbalisiert und durch aktives Handeln durchgesetzt werden. Paartherapie kann der Partnerin oder dem Partner mit toxischen Verhaltensweisen sogar noch Futter geben und das Verhalten verstärken. Wenn beide Partner trotz allem an sich und an der Beziehung arbeiten wollen, dann sollten sie es in erster Linie einzeln machen.

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Das kann eine Einzelberatung oder auch Psychotherapie sein. Allerdings habe ich hier in der Praxis schon oft erlebt, dass Beziehungen anschließend sehr schnell auseinanderfliegen können. Die gegenseitigen Anziehungspunkte sind dann einfach nicht mehr da. Aber auch das kann ein Gewinn für alle Beteiligten sein.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein aktuelles Buch „Vom Opfer zum Gestalter – Raus aus toxischen Beziehungen, rein ins Leben“ ist online und in allen Buchhandlungen erhältlich.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Fachleute zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit.

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