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Unzufrieden im Job: durchhalten oder hinschmeißen?

Foto: Die Arbeitsagentur hat die Arbeitsmarktzahlen für den Monat Juni bekanntgegeben.

Neuorientierung: In der Pandemie steigt die Bereitschaft der Angestellten, den Arbeitsplatz zu wechseln.

Die Bereitschaft der Angestellten, den Arbeitsplatz zu wechseln, ist derzeit hoch. Das zeigt eine neue Studie, die das Meinungs­forschungs­institut Forsa im Auftrag von Xing E-Recruiting durchgeführt hat. Vier von zehn Erwerbstätigen denken derzeit darüber nach, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Teilweise haben sie sogar bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet.

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Corona spielt zentrale Rolle

Tendenz steigend: Verglichen mit dem Vorjahr sind das 12 Prozent mehr. Vor allem bei den Jüngeren ist der Wunsch nach beruflicher Veränderung groß: So ist bei den 30- bis 39-Jährigen fast jeder Zweite (48 Prozent) bereit, die Arbeitsstelle zu wechseln. Für die meisten spielt dabei die Corona-Pandemie eine zentrale Rolle.

Für die Studie wurden insgesamt 1004 Arbeitnehmer und Arbeit­nehmerinnen in Deutschland zu ihrer Wechsel­bereit­schaft befragt.

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Kündigen oder bleiben? „Diese Frage sollte man sich nicht aus einer Laune heraus beantworten“, meint Bernd Slaghuis, Karrierecoach aus Köln. „Ausbleibende Weiter­entwicklung, als ungerecht empfundene Kurzarbeits- oder Homeoffice­regeln, Führung auf Distanz oder mehr Change-Projekte als Tages­geschäft – die Gründe für die berufliche Unzufriedenheit sind vielseitig.“

Der Fachmann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Jobwechsel – und er weiß, was wichtig ist, „damit aus Frust, Stress oder Unter­forderung keine übereilte Flucht, sondern die gut überlegte Wechsel­entscheidung wird“. Fünf Gründe:

1. Distanz zum Job

Durch Homeoffice oder Kurzarbeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren bei vielen Menschen eine Distanz zu ihrem Job aufgebaut. Sie haben in der Pandemie realisiert, dass sich ihre beruflichen und persönlichen Vorstellungen nicht mehr mit ihrem aktuellen Beruf oder Arbeitgeber vereinbaren lassen.

Die Forsa-Umfrage zeigt, dass das Spektrum breit ist: Es reicht von der Frage nach dem Sinn über eine mangelnde Identifikation mit der Branche oder den Produkten bis hin zur Arbeits­aufgabe an sich.

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Karrierecoach Slaghuis rät, diese Erkenntnisse ernst zu nehmen. „Wechseln Sie die Perspektive, denn wo Sie falsch sind, müssen Sie woanders nicht automatisch richtig sein“, empfiehlt er. Man solle sich dabei fragen: „Was ist Ihnen im Beruf in den nächsten Jahren wirklich wichtig, und in welchen Positionen sowie Arbeitsumfeldern sehen Sie sich, wenn Sie jetzt die Wahl hätten?“

2. Permanente Unter­forderung

Ein häufiger Grund für einen Jobwechsel ist die Langeweile. Dieses Thema hat laut Forsa-Studie in der Corona-Krise noch mal zugenommen. „Ob abgeschieden und unbeobachtet im Home­office oder als Teil von Organisationen, die mehr mit sich selbst als mit der Entwicklung ihrer Arbeitnehmer beschäftigt sind – das Gefühl der Unterforderung wächst“, weiß Slaghuis.

Sein Tipp: „Wer aus einer Unterforderung den Arbeitgeber wechselt, sollte zunächst an sich selbst arbeiten – denn oft ist in dieser Zeit auch das Gefühl für die eigenen Fähigkeiten und Stärken in den Keller gerutscht. Für die neue Position gilt es, sich selbst seiner Erfahrungen und Talente bewusst zu werden und auf dieser Basis gezielt nach jenen Stellen zu suchen, in denen diese einen hohen Wert haben.“

3. Fehlende Perspektive

Perspektive ist laut Forsa-Umfrage ebenfalls ein wichtiger Aspekt, um über einen Jobwechsel nachzudenken. Das Problem sei hier ein anderes, meint Slaghuis. Viele Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer würden sich – verstärkt durch die Krise – mehr Perspektive wünschen. Doch das könne das berufliche Umfeld derzeit nicht einlösen.

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Slaghuis’ Tipp: „Aktiv kommunizieren! Fragen Sie nach, ob es strukturierte Mitarbeiter­entwicklungs­programme gibt und in welcher Form Feedback- und Potenzial­gespräche stattfinden.“ Auch solle man herausfinden, ob die Mitarbeitenden systematisch klein­gehalten werden oder ob ein echtes Interesse daran besteht, dass man im Team wachsen darf.

4. Schlechte Führung

Ein weiterer Grund für die beruflichen Wechsel­wünsche sind laut Forsa-Umfrage Unzufriedenheit mit der Geschäfts­führung oder der direkten Führungs­kraft. Slaghuis nennt als Beispiele: Chefs, die selbst im Homeoffice im Nirwana abgetaucht seien, die selbst die Corona-Maßnahmen missachten oder in Videocalls öffentlich vorführen würden.

Der Coach rät: „Definieren Sie möglichst detailliert, was Ihre neue Traum­führungs­kraft auszeichnen soll“, sagt Slaghuis. „Entscheiden Sie sich nicht nur für einen neuen Job, sondern auch für Ihre neue Führungs­kraft und das Team.“

5. Zu wenig Selbst­verwirklichung

Downshifting nennt man den Schritt, freiwillig auf ein besseres Gehalt oder einen prestige­trächtigen Job zu verzichten. Zum Beispiel, um sich einer Aufgabe zu widmen, die man als sinnvoller erachtet, oder um mehr Zeit für sich und andere zu haben.

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„Es geht unter anderem um die Frage: Wie wichtig sind Erfolg, Geld, Status und Einfluss – im Vergleich zu Zufrieden­heit, Freude und Erfüllung im Beruf?“, sagt Slaghuis.

Man soll sich klarmachen, „ob ein Kürzer­treten oder der Schritt zurück – etwa von der Führungsrolle zurück ins Team – die Lösung ist“, rät der Experte. „Wird es Sie mittelfristig zu mehr Zufriedenheit oder besserer Gesundheit führen oder ist dieser Downshifting-Gedanke mehr kurzzeitige Flucht und Sehnsucht nach Erholung?“

Wer sich für diesen Schritt entscheidet, sollte seine veränderten Vorstellungen und Ziele auch bei seinem neuen Arbeitgeber im Anschreiben und in Gesprächen kommunizieren.

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