Explodierende Immobilienpreise in den USA: Das große Los im kleinen Haus

Skyline der texanischen Hauptstadt Austin: Preisanstiege um knapp 30 Prozent.

Skyline der texanischen Hauptstadt Austin: Preisanstiege um knapp 30 Prozent.

Washington. Kürzlich ist ein nettes Paar in das kleine Häuschen neben uns gezogen. Ihre zwei schwarzen Pudel bellen etwas laut, wenn der Amazon-Bote ein Paket bringt. Ansonsten hört man nichts – bis auf neulich, als der Hausherr mit dem Laubbläser alte Blätter von seinem vier Meter schmalen Grundstück zu uns herüberpustete.

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Die Nachbarn mögen es halt ordentlich. Kein Wunder: Schließlich hat sie ihre Hütte eine Stange Geld gekostet. Viel Platz ist drinnen nicht. Wenn man die Haustür öffnet, steht man im Wohnzimmer mit anschließender Kochzeile. Die Treppe rauf geht‘s zum Schlafzimmer und einem engen Arbeitsraum. Das war‘s.

Mit 717.000 Dollar klingt der Kaufpreis happig. Aber für Washington ist das ein Schnäppchen. In den USA kann man derzeit froh sein, überhaupt etwas zu finden. Die enorme Nachfrage trifft auf ein extrem knappes Angebot. Sechs Millionen Häuser haben 2021 ihre Besitzer gewechselt. Das ist der höchste Wert seit 15 Jahren. Zugleich schossen die Preise im Schnitt um 17 Prozent nach oben – in Boom-Regionen wie der um Austin (Texas) gar um 29 Prozent.

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Expertin glaubt nicht an eine Blase

„Das ist keine Blase, sondern beruht auf fundamentalen Daten“, glaubt Jenny Schuetz, eine Immobilienmarkt-Expertin bei der Denkfabrik Brookings. Die niedrigen Zinsen, die Vermögenszuwächse durch Ersparnisse und Aktiengewinne während der Pandemie und der Drang ins Homeoffice heizen den Bedarf an. Auf der anderen Seite wird zu wenig neu gebaut. Und die wenigen Fertigstellungen verzögern sich, weil Holz und anderes Material fehlen.

So gerät das amerikanische Lebensmodell – man kauft auf Pump ein Haus, das man ein paar Jahren später mit Gewinn wieder verkauft und sich eine größere Bleibe leistet – ins Stocken. Viele Millennials dürften den ersten Schritt kaum schaffen. „Für Erstkäufer wird es in den nächsten zwei, drei Jahren sehr, sehr schwer, ein Haus zu finden“, sagt Chefökonom Mark Zandi vom Moody‘s Analytics voraus.

Unsere Nachbarn, so scheint es, haben das große Los gezogen.

Karl Doemens ist USA-Korrespondent des RND. Was die größte Volkswirtschaft der Welt antreibt, erklärt er in der Kolumne „Weltwirtschaft“ immer mittwochs – im wöchentlichen Wechsel mit seinen Kolleginnen und Kollegen in China, Großbritannien, Russland und Osteuropa.

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