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Handwerk

SPD und CDU wollen Rückkehr der Meisterpflicht

Klassisch: Schornsteinfeger gehören zu den meisterpflichtigen Berufen, viele andere seit 2004 allerdings nicht mehr.

Klassisch: Schornsteinfeger gehören zu den meisterpflichtigen Berufen, viele andere seit 2004 allerdings nicht mehr.

Hannover. Dank des boomenden Wohnungsbaus gelten Handwerker landläufig als Top-Verdiener. Doch in seiner Branche sei der Wettbewerb hart, berichtet ein hannoversche Fliesenlegermeister: „Wir verlieren viele Aufträge an Solo-Selbständige, die uns massiv unterbieten.“ Vielen Kunden falle nicht auf, dass die günstigen Konkurrenten keinen Meisterbrief oder noch nicht einmal eine Ausbildung besitzen. „Die meisten sehen nur den Preis“, sagt er. Er würde es deshalb „sehr begrüßen“, wenn die Politik die Meisterpflicht für Fliesenleger wieder einführt.

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Die Chancen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, stehen gut: Die Große Koalition in Berlin sendet zurzeit verstärkt entsprechende Signale. „Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler“, sagt Carsten Linnemann, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Die Chancen stehen gut, dass wir einige wenige Gewerke zurückholen können, vor allem aus dem Baubereich.“ Wichtig sei eine europarechtlich einwandfreie Lösung – denn aus Sicht der EU ist der deutsche Meister eine Hürde für den freien Wettbewerb im Binnenmarkt. Die SPD unterstützt Linnemanns Plan.

Kandidaten: Fliesenleger und Raumausstatter

Vor vierzehn Jahren hatte die rot-grüne Bundesregierung die Meisterpflicht für 53 der 94 Handwerksberufe abgeschafft, um die damals hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Gebäudereiniger, Fliesenleger und viele weitere sind seitdem „zulassungsfreie Gewerke“ – hier kann man zwar noch Meister werden, muss es aber nicht, um einen Betrieb zu führen. Nun machen einige Berufe voraussichtlich schon bald eine Rolle rückwärts. Als Kandidaten werden außer den Fliesenlegern auch die Raumausstatter gehandelt. Die Regierungskoalition will allerdings erst noch weitere Gespräche mit den Handwerkern führen, bevor sie eine Liste von Berufen festlegt.

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Die Handwerker selbst kämpfen schon seit vielen Jahren für eine Korrektur. Nun freuen sie sich, dass sie gehört werden. „Wir sind sehr zuversichtlich, weil die Politik für die Bedeutung der Meisterpflicht heute eine ganz andere Sensibilität hat“, sagt Hildegard Sander, Hauptgeschäftsführerin der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN). „Wir sind Herrn Linnemann sehr dankbar dafür, dass er das Thema für sich persönlich ganz oben auf seine politische Agenda gesetzt hat.“ Auch Sander will sich noch nicht auf konkrete Berufe festlegen, die zur Meisterpflicht zurückkehren sollen. Dafür müsse man noch Gutachten abwarten, sagt sie.

Nicht von Dauer

Die Kammern verteidigen den Meister mit zwei Hauptargumenten: Er sei erstens ein Qualitätssicherungsinstrument, auch aus Verbrauchersicht. Zweitens verweisen sie darauf, dass meist nur Meisterbetriebe auch ausbilden. „Eine niedrige Jugendarbeitslosenquote in Deutschland ist ein Wert für sich“, sagt Sander. Nach der Abschaffung der Meisterpflicht 2004 stieg die Zahl der Betriebe in den betroffenen Gewerken zwar stark an – in Niedersachsen von rund 5200 auf über 18.500 im Jahr 2017. Doch aus Sicht der Kammern ist das kein Erfolg. Viele der neuen Betriebe würden niemanden ausbilden und oft nicht einmal lange bestehen, argumentieren sie.

Von solchen Fällen kann auch der hannoversche Fliesenliegermeister berichten, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ein paar Mal schon habe er Bäder aufgerissen und Fehler unerfahrener Fliesenleger korrigiert, die ihren Betrieb zu diesem Zeitpunkt schon wieder geschlossen hatten. „Da wurde zum Beispiel eine ebenerdige Dusche nicht richtig abgedichtet. Irgendwann tropft das Wasser dann im Keller von der Decke.“

Von Christian Wölbert

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