Triebwerkshersteller MTU rüstet sich für Erholung der Luftfahrt

Eine Wartungshalle für Flugzeugturbinen bei MTU Maintenance in Langenhagen.

München. Weniger umgesetzt, aber besser verdient als erwartet. Das ist die Bilanz für 2021 des Flugzeugtriebwerksbauers MTU in München. „Wir haben uns krisenresistent gezeigt“, freute sich Konzernchef Reiner Winkler bei der Bilanzvorlage in München. Mit 5 Prozent mehr Umsatz auf knapp 4,2 Milliarden Euro sind die Münchner zwar um rund 100 Millionen Euro unter ihren Prognosen geblieben. Andererseits lag der Jahresüberschuss mit 231 Millionen Euro über Plan und um gut die Hälfte über dem Vorjahr.

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MTU hat dabei vom Abbau von gut 1000 Stellen profitiert. „Aber die Hälfte davon kommt nun zurück“, kündigte Winkler an. Gut 500 Arbeitsplätze werden konzernweit jetzt wieder aufgebaut. Aktuell arbeiten rund 8000 der weltweit 10.500 Beschäftigten in München, Hannover und Berlin.

Einige hundert Jobs sollen 2022 in der Entwicklung und Produktion vor allem am Münchner Firmensitz entstehen. MTU bereitet sich mit dem Personalaufbau auf den Hochlauf der Flugzeugproduktion bei den Großkunden Airbus und Boeing vor. Die in der Pandemie sehr in Mitleidenschaft gezogene Luftfahrt erholt sich zunehmend und glaubt, 2022 beim Passagieraufkommen wieder 60 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen zu können. Das kurbelt auch den Bau von Passagierflugzeugen an.

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Beim Triebwerksbau für Militärflugzeuge rechnet MTU nun für 2022 mit Fortschritten bei der kommenden Generation eines europäischen Kampfflugzeugs. Hier sollten eigentlich schon voriges Jahr wichtige Verträge unterzeichnet werden, was sich aber verzögert hat. Unter dem Strich erwartet Winkler für 2022 einen Umsatz zwischen 5,2 und 5,4 Milliarden Euro sowie einen rund 25-prozentigen Gewinnzuwachs. Entspannt macht den Chef ein Rekordauftragsbestand von über 22 Milliarden Euro. Aktionäre können sich dieses Jahr über eine von 1,25 auf 2,10 Euro erhöhte Dividende freuen.

Erwartungen bezüglich emissionsfreier Flugzeuge gedämpft

Gedämpft sind die Erwartungen bei MTU hinsichtlich emissionsfreier Flugzeuge, die von grünem Wasserstoff per Brennstoffzelle angetrieben werden. Airbus will ein solches Modell um 2035 herum präsentieren. „Das wird aber ein kleines Flugzeug sein“, schätzt der MTU-Chef.

Für die nächste Generation der heutigen A 320 von Airbus oder Boeing 737 werde die Brennstoffzellentechnologie noch nicht reif sein. Als Zwischenschritt sei es aber möglich, Wasserstoff direkt in heutigen Triebwerken zu verfeuern. Würde der aus erneuerbaren Energien hergestellt, hätte man auch einen nennenswerten Klimaeffekt.

Was diese neue Technologie strategisch für MTU bedeutet, wollte Winkler noch nicht abschätzen. Airbus hatte zuletzt durchblicken lassen, sich beim Technologiesprung zu Wasserstoff und Brennstoffzelle eventuell selbst in die Entwicklung von Antrieben stürzen zu wollen.

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Bislang ist dieses Element des Flugzeugbaus an reine Triebwerkshersteller wie Pratt & Whitney oder Rolls Royce ausgelagert, denen wiederum MTU zuliefert. Die Arbeitsanteile an konventionellen Triebwerken der Gegenwart liegen bei den Münchnern zwischen 4 und 22 Prozent, wobei sie zuletzt in immer höhere Dimensionen vorgestoßen sind.

Beim schadstofffreien Fliegen könnten die Karten aber neu gemischt werden. „Da ist viel Bewegung drin, die ganze Branche richtet sich neu aus“, räumte Winkler ein. Zumindest kurzfristig hat er keine großen Bedenken, dass MTU an Bedeutung verlieren könnte.

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