Hilfe statt Hass in London: Wie die App „Nextdoor“ Nachbarn zusammenbringt

Passanten gehen eine Einkaufsstraße in London entlang (Symbolfoto).

Passanten gehen eine Einkaufsstraße in London entlang (Symbolfoto).

London. Als wir kürzlich nach London zogen, wollten wir alles richtig machen. Ich hatte mir vorgenommen, gleich zu Beginn bei den Nachbarn zu klopfen, um sie zu einem Kaffee einzuladen oder ein paar „Hallo-wir-sind-neu“-Muffins vorbeizubringen.

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Doch der Trubel machte uns einen Strich durch die Rechnung, und so griff ich erst einmal zu einem anderen Mittel: Ich installierte mir die App „Nextdoor“, was übersetzt so viel wie „nebenan“ bedeutet. Die Idee: Nutzer sollen mit Menschen in ihrer Umgebung in Kontakt treten können, beispielsweise um sich eine Leiter auszuleihen.

Ich wollte dort vor allem Dinge loswerden. Denn unser knapp zweijähriger Sohn braucht viele Kleider, ist aber auch schnell wieder aus ihnen herausgewachsen. Und so stapeln sich bei uns Pullover, Jacken und Hosen.

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„Nextdoor“ hat viel mit Großbritannien zu tun

Wie die App entstanden ist, darüber habe ich mir zunächst keine Gedanken gemacht. Bis ich auf einen Artikel in der britischen Tageszeitung „The Times“ stieß. Dort ging es um die Geschäftsführerin der App, Sarah Friar. Ich stellte fest: „Nextdoor“ hat sehr viel mit der Geschichte Großbritanniens zu tun und das, obwohl das Unternehmen seinen Sitz in Kalifornien hat.

Warum? Friar kommt aus einem Dorf in Nordirland. In Sion Mills, nur wenige Kilometer von der irischen Grenze entfernt, herrschte ihr zufolge jedoch ein Gemeinschaftsgefühl. Katholiken und Protestanten gingen auf dieselbe Schule. Es ist die Art von Zusammenhalt, die die 49-Jährige mit der App, die mittlerweile von knapp jedem fünften Haushalt in Großbritannien genutzt wird, zu fördern versuchte.

Doch so rosig wie erhofft gestaltete sich der Umgang nicht. So tauchten beispielsweise rassistische Kommentare auf. Hinzu kommt, dass sich die Bewertung des Unternehmens seit November im Zuge des Ausverkaufs verlustbringender Technologieunternehmen an der Wall Street fast halbiert hat, auf rund 2,17 Milliarden Dollar, etwas mehr als 1,9 Milliarden Euro.

Da ich keine Aktien des Unternehmens besitze, habe ich ohnehin vor allem ein Interesse: Ich werde mit Hilfe der App weiter Abnehmer für Kinderkleider suchen. Und wer weiß, vielleicht trinkt man auch mal einen Kaffee zusammen.

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Susanne Ebner ist RND-Korrespondentin in London. Sie berichtet an dieser Stelle über das Wirtschaftsleben auf den britischen Inseln – im wöchentlichen Wechsel mit ihren Kollegen aus Washington, Peking und für Osteuropa.

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