Der deutsche Osthandel übertraf 2021 erstmals die Marke von 500 Milliarden Euro

Containerschiffe bei der Abfertigung im Hamburger Hafen. Die deutsche Wirtschaft hat 2021 Waren im Wert von 254 Milliarden Euro nach Mittel- und Osteuropa exportiert. Die Importe beliefen sich auf 248 Milliarden Euro.

Berlin. Die Wirtschaft in Osteuropa ist sehr gut durch die Covid-Krise gekommen und lässt auch für die kommenden Jahre eine positive wirtschaftliche Entwicklung erwarten. Zu dieser Einschätzung kommen Analysten der Raiffeisen Bank International AG, die Österreich sowie Zentral- und Osteuropa (CEE) als ihren Heimmarkt betrachtet und in 13 der Länder mit Marktforschern vertreten ist.

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Nach Schätzungen des Raiffeisen-Research-Teams wird das Bruttoinlandsprodukt in Süd- und Osteuropa in diesem Jahr zwischen 1,7 und 4,5 Prozent steigen, wobei die Erwartungen für tendenziell krisenbedrohte Länder wie die Ukraine oder Belarus niedriger sind als die für gefestigte Demokratien, wie im Baltikum, wo man beispielsweise mit einem Wachstum von 3,8 Prozent rechnet.

Wegen eines hohen Inflationsdrucks zwischen 5 (Kroatien) und um die 10 Prozent (Ukraine und Tschechien) gehen die Analysten von weiteren Zinserhöhungen in den einzelnen Ländern in den kommenden Monaten aus. Die in den Regionen vertretenen westlichen Banken haben ihre Bilanzen „deutlich ausgeweitet“, es herrsche ein „intakter Risikoappetit“, hieß es beim virtuellen Forum „Wirtschaftspolitischer Ausblick Osteuropa 2022″ des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA) am Mittwoch in Berlin.

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Selbst bei einer zuletzt wegen der Ukraine-Krise diskutierten teilweisen Sperrung des internationalen Zahlungssystem Swift für Geschäfte mit Russland wären die Geschäfte weiter händelbar. „Das wäre zwar keine Spaßveranstaltung, aber es würde wohl auch nicht zu Zahlungsausfällen kommen“, sagte ein führender Marktforscher während des Forums.

Nach den Worten von OA-Geschäftsführer Michael Harms hat der Osthandel 2021 ein „Allzeithoch“ von 502 Milliarden Euro erreicht. Er lag damit um 80 Milliarden Euro über Vorjahr und um 40 Milliarden über dem bisherigen Rekordjahr 2019 vor der Corona-Pandemie. Der Handel mit den 29 Partnerländern des Ostausschusses erreicht inzwischen rund 20 Prozent des gesamten deutschen Außenhandels, wobei sich die Leistungsbilanz zwischen Im- und Exporten in etwa die Waage hält.

Spitzenreiter Polen

Spitzenreiter im deutschen Osthandel war 2021 erneut Polen mit 146 Milliarden Euro Umsatz. Das Nachbarland liegt inzwischen vor Italien und Österreich und auf Platz fünf des deutschen Gesamtaußenhandels nach China (245 Milliarden Euro), Niederlande, USA und Frankreich. Harms: „Das ist eine große Erfolgsstory.“

„Eine unglaubliche Entwicklung“ hat nach den Worten des OA-Geschäftsführers auch das vergleichsweise kleine Tschechien „hingelegt“, das mit 97 Milliarden Euro Umsatz Platz zwei der deutschen Osthandelspartner belegt. Zum Vergleich: Russland, das größte Flächenland der Erde, hat sich mit 59 Milliarden Euro Handelsumsatz gerade so auf Platz drei zurückgekämpft vor Ungarn (58 Milliarden), das im vergangenen Jahr Dritter war.

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Als zunehmendes Problem zeigt sich in Osteuropa inzwischen ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Früher wanderten beispielsweise polnische Arbeitskräfte nach Westeuropa ab, und ukrainische Arbeitnehmer ersetzten deren Stellen in Polen. Dieser Wanderungsprozess kommt jetzt nach Auffassung von Marktbeobachtern zum Stillstand. Der Ost-Ausschuss will hier mit Aus- und Weiterbildungsprogrammen helfen.

„Osteuropa erweist sich als zentrale Wachstumslokomotive vor unserer Haustür, was leider noch zu selten so wahrgenommen wird“, sagte Harms. Er zeigte sich „vorsichtig optimistisch“, dass die unmittelbare Kriegsgefahr im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt „vorerst abgewendet“ ist und die Region zu einer „gewissen Entspannung“ kommt.

Allerdings geht man beim Ost-Ausschuss davon aus, dass Russland an seinen Forderungen nach Garantien für seine Sicherheit festhalten wird. Der OA plädiert inzwischen für einen neuen Helsinki-Prozess, bei dem in Anlehnung an die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in den 1970er-Jahren in Helsinki eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa erarbeitet werden sollte. Harms: „Die Wirtschaft wird dabei einen wichtigen Beitrag zur Stabilität in Osteuropa leisten.“

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