Deutscher Gänsebraten ist 2021 teuer und knapp – aber Vorsicht bei Importware

Nur wenige Gänse kommen von deutschen Mästern, die meisten stammen aus Polen oder Ungarn.

Nur wenige Gänse kommen von deutschen Mästern, die meisten stammen aus Polen oder Ungarn.

Wer in diesem Jahr eine deutsche Weihnachtsgans essen möchte, muss deutlich mehr bezahlen und rechtzeitig vorbestellen. „Gänse aus Deutschland sind gerade knapp und teuer“ sagt Mechthild Cloppenburg, Marktexpertin für Fleischwirtschaft bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI).

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Der Preis sei im Vergleich zum Vorjahr um 10 bis 20 Prozent gestiegen und liege derzeit bei etwa 16 Euro pro Kilogramm für eine Gans aus konventioneller Haltung.

Weniger Küken wegen Vogelgrippe

Grund für die Preissteigerung ist vor allem die Vogelgrippe. Schon im Frühjahr gab es viele Fälle der Geflügelpest in Deutschland – in der Folge mussten die Tiere frühzeitig gekeult werden und der Kükenbestand sank, was nun zu Weihnachten das Angebot verknappt. Außerdem kommt es auch jetzt immer wieder zu Ausbrüchen von Geflügelpest bei deutschen Haltern.

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Zum Preisanstieg trugen aber auch hohe Energie – und Futterpreise sowie die Corona-Pandemie bei. „Im vergangenen Jahr mussten die Restaurants zu Weihnachten komplett geschlossen bleiben, die Gänsehalter konnten ihre Tiere also schwerer vermarkten“, erklärt Cloppenburg. „Angesichts gestiegener Kükenpreise hat sich so mancher Landwirt dann überlegt, in diesem Jahr auf die Gänsehaltung zu verzichten oder nur für Stammkunden zu produzieren.“

Gänse aus Polen und Ungarn meist deutlich billiger

Sowieso stammen die wenigsten Gänse, die zu Weihnachten als Braten auf unseren Tischen landen, von heimischen Haltern. Laut der Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) lag der Selbstversorgungsgrad im vergangenen Jahr bei unter 20 Prozent. Vier von fünf Gänsen wurden also importiert – zumeist aus Polen oder Ungarn. Laut dem Statistischen Bundesamt kommt 97 Prozent der Importware in Deutschland aus diesen beiden Ländern.

Die Importgänse werden meist tiefgekühlt im Supermarkt verkauft oder sie landen über den Großhandel in den Restaurantküchen. Die polnischen und ungarischen Gänsebraten sind deutlich günstiger, die Tiere werden aber auch unter schlechteren Bedingungen gehalten.

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„Sogenannte Hafermastgänse werden schon für circa fünf Euro und sogar weniger für das Kilo verscherbelt“, kritisiert Martin Rittershofen von der Tierschutzorganisation vier Pfoten. „Wer so wenig Geld für Gänsefleisch ausgibt, kann nahezu sicher sein, dass dieses aus problematischer Intensivmast stammt.“

Lebendrupf und Stopfleberproduktion erlaubt

Denn während eine deutsche Gans im Schnitt sechs Monate gemästet wird und meist auch in konventioneller Haltung aus dem Stall ins Grüne laufen kann, werden die osteuropäischen Intensivmastgänse in nur zehn Wochen mit Kraftfutter fett gefüttert. Sie haben außerdem wenig oder gar keinen Auslauf, damit sie schneller Fleisch ansetzen.

Dazu kommt, dass in Polen und Ungarn Lebendrupf zur Daunenerzeugung und in Ungarn sogar die Produktion von Stopfleber weiterhin erlaubt ist. Mit Hilfe eines Rohres bekommen die Tiere dabei statt der üblichen 200 Gramm Futter pro Tag bis zu einem Kilogramm in den Hals gestopft, wodurch sich die Leber der Tiere krankhaft durch Fetteinlagerung vergrößert.

Für die Erzeuger ist das ein lohnendes Geschäft, denn sie können nicht nur die französische Delikatesse Foie Gras teuer verkaufen, sondern in der Zweitverwertung auch den Rest des Tieres, zum Beispiel als günstige Weihnachtsgans.

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Verband fordert Kennzeichnungspflicht

Dass die Gänse aus der Stopfleberproduktion stammen, muss auf dem gefrorenen Braten im Supermarkt nicht drauf stehen und ist somit für den Konsumenten und die Konsumentin nicht nachzuvollziehen.

Der Vorsitzende des Bundesverband Bäuerlicher Gänsehaltung, Lorenz Eskildsen, kritisiert das: „Für mich bleibt völlig unverständlich, warum es innerhalb der EU nach wie vor möglich ist, Gänse auf so qualvolle Art und Weise zu mästen.“ Der Verband fordert deshalb, dass Gänsefleisch aus Stopfleberproduktion künftig EU-weit gekennzeichnet werden muss.

Siegel garantieren Auslauf

Wer eine Gans aus artgerechter Haltung kaufen möchte, sollte deshalb auf deutsche Ware setzen, empfiehlt Marktexpertin Cloppenburg. Außerdem gibt es etliche Siegel, die die Haltungsform genauer kennzeichnen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, möglichst Bio-Gänse oder Fleisch von Gänsen mit der Bezeichnung „Freilandhaltung“, „bäuerliche Freilandhaltung“ oder „bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf“ zu kaufen.

Diese sind zwar nochmal deutlich teurer als deutsche, konventionelle Gänse. Allerdings müssen die Erzeuger bei der Freilandhaltung mindestens vier Quadratmeter Auslauf pro Tier, bei der bäuerlichen Freilandhaltung sogar zehn Quadratmeter oder unbegrenzten Auslauf garantieren. Außerdem sei festgelegt, wie viele Tiere maximal in einem Stall untergebracht sein dürfen.

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