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Audi präsentiert mit dem Grandsphere einen „Privatjet für die Straße“

Grandsphere: Das Conceptcar markiert in der Oberklasse den Weg in die Zukunft.

The Future is now – die Zukunft ist jetzt. Der Slogan trifft in ganz besonderem Maße auf die Automobilhersteller zu. Denn die Entscheidungen, wie unsere Mobilität in zehn Jahren aussehen wird, müssen jetzt getroffen werden. „Wir hatten keine andere Wahl“, bringt Audi-Chef-Markus Duesmann das Dilemma einer ganzen Industrie auf den Punkt. Und schiebt gleich hinterher: „Trotzdem handeln wir aus Überzeugung.“ Die Ingolstädter Premiummarke hat jetzt in mehreren Onlinesitzungen einen Blick hinter die Kulissen gewährt und gezeigt, dass der Weg in die Zukunft nicht mit dem einen großen strategischen Wurf, sondern in mühevoller Kleinarbeit entsteht.

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Nach den Planungen von Audi kommt das letzte Auto mit einem konventionellen Antrieb 2025 auf den Markt, danach gibt es nur noch elektrische Modelle. 2033 soll dann endgültig Schluss sein mit der Technologie, die jahrzehntelang die Kassen der Hersteller gefüllt hat. Bereits in zwei bis drei Jahren rechnen die Ingolstädter damit, dass sich die Renditen bei den Elektroautos denen der Verbrenner annähern, der Turnaround also fast geschafft ist. Trotzdem ist der Audi-Chef überzeugt: „In diesem Jahrzehnt werden Verbrenner noch wichtige Ergebnisbringer sein.

Hochautomatisiertes Fahren als größte Herausforderung

Der Manager macht keinen Hehl daraus, dass er an die Elektromobilität bereits einen Haken gemacht hat, zumindest was die Technologie betrifft: „Technisch sind wir damit durch. Wir wissen, wie es geht.“ Die wirkliche Herausforderung, der große Technologiesprung, sei das hochautomatisierte Fahren: „Das ist der Gamechanger in der Automobilindustrie.“

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Wie ein hochautomatisierter Audi nach Level vier aussehen könnte, hat Audi ganz aktuell mit dem Grandsphere enthüllt: Auf einer Länge von 5,35 Metern soll die Oberklassenlimousine Büro, Kino, Shopping- und Gamecenter sowie First-Class-Lounge in einem sein. Audi spricht hier vom „Privatjet für die Straße“. Dank 800-Volt-Technik soll der Grandsphere 300 Kilometer in zehn Minuten nachladen können – wenn die Ladesäule das technisch hergibt. Die Reichweite wird mit 750 Kilometern angegeben, womit das Fahrzeug langstreckentauglich wäre. Das Modell wird bereits als möglicher Nachfolger des A8 gehandelt, ist vorerst aber nur ein Conceptcar, also eine visionäre Vorstellung von der Zukunft.

So könnte das Interieur eines A8-Nachfolgers aussehen: Das Lenkrad ist eingezogen, kann aber ausgefahren werden.

So könnte das Interieur eines A8-Nachfolgers aussehen: Das Lenkrad ist eingezogen, kann aber ausgefahren werden.

Innovationstreiber kommen aus den USA und China

Angeblich aber befinden sich bereits viele Features in dem Fahrzeug, die es später in die Serienproduktion schaffen sollen. Auch wenn die Fahrzeugautomatisierung zu den zentralen Schlagworten bei den Plänen für die Zukunft zählt, hat laut Silja Pieh, bei Audi zuständig für die Unternehmensstrategie, „die Individualmobilität noch immer einen hohen Stellenwert“. In Ingolstadt haben sie dafür mehr als 600 verschiedene Trends analysiert, um herauszufinden, wie die Wünsche der Autofahrer künftig aussehen werden und wie man darauf mit den entsprechenden Angeboten reagieren kann. Dafür wurde eigens das Team 500 plus ins Leben gerufen, in dem viele Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen eingebunden waren.

Klar ist, dass die Marken noch immer stolz auf das Siegel „Made in Germany“ sind, doch die Innovationstreiber und Vorreiter für die digitale Zukunft kommen aus den USA und vor allem aus China. Dort werden die Trends geboren und teilweise schon jetzt in der Praxis umgesetzt, die demnächst auch nach Europa und nach Deutschland transferiert werden. Ein kleines Beispiel: Schon heute müssen chinesische Autofahrer nicht mehr zum Automaten laufen, um ein Parkticket zu ziehen, sondern können das bargeldlos aus dem Auto heraus machen ohne die Fensterscheibe öffnen zu müssen. Auch verfügen die Chinesen bereits über ein flächendeckendes 5G-Mobilfunknetz, eine unabdingbare Voraussetzung für autonome Fahrfunktionen der nächsten Level.

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Europa spielt nur noch die zweite Geige

Kein Wunder also, dass sich Hersteller bei aller Heimatliebe auf die Marktplätze der Zukunft im Pazifikraum fokussieren. VW-Chef Herbert Diess hat festgestellt: „China ist unser zweiter Heimatmarkt.“ Für Audi wie auch für andere Premiumhersteller ist China bereits heute der Hauptmarkt. Werner Eichhorn, Audis Stadthalter in China: „Das Land ist der Taktgeber in der Automobilindustrie in einem sehr dynamischen Umfeld.“ Was nichts anderes heißt, als dass Europa inzwischen in den Strategieplänen nur noch die zweite Geige spielt.

Trotzdem: Auch wenn der Fortschritt hierzulande eher schleppend vorangeht, zu stoppen ist er nicht. Eine Kernbotschaft im Zeitalter der Digitalisierung lautet deshalb: Aus Kunden werden User. Audi sieht hier eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die man mitgestalten will. Was in diesem Zusammenhang nur verklausuliert gesagt wird: Hinter diesem Anspruch steht auch die Angst, eventuell irgendwo den Anschluss zu verpassen. Denn die Innovationen purzeln nur so, der Entwicklungsdruck ist so gewaltig, dass man zum Wandel gezwungen wird. Audi-Entwicklungschef Oliver Hoffmann: „Früher war ein Auto die Summe aller Bauteile, heute denken wir in softwarebasierten Lösungen.“

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