Sportartikelhersteller

Puma: Neues Rekordjahr trotz Corona und China-Boykott

Das Logo des Sportartikelherstellers Puma SE hängt an der Außenwand am Firmen-Hauptsitz im bayerischen Herzogenaurach (Archivfoto).

München. Es ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. „2021 war das beste Jahr, das wir je hatten“, freut sich Björn Gulden zur Bilanzvorlage des von ihm geführten Sportartikelherstellers Puma in Herzogenaurach. Ein Drittel mehr Umsatz auf 6,8 Milliarden Euro und ein vervierfachter Jahresüberschuss auf 310 Millionen Euro sprechen eine deutliche Sprache.

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Dabei stand die Marke mit der springenden Raubkatze wie andere westliche Sportartikler am weltgrößten Markt in China voriges Jahr unter dem Bannstrahl eines politisch inszenieren Boykotts. Pumas China-Umsätze sind im Gesamtjahr um sechs Prozent geschrumpft und im Abschlussquartal 2021 sogar um über ein Viertel. Ein Ende ist nicht in Sicht, weil westliche Markenhersteller den Bezug von Baumwolle aus uigurischer Zwangsarbeit verweigerten.

Würde es Puma derzeit wagen, in China mit nationalen Persönlichkeiten zu werben, sei ein Shitstorm im Internet die prompte Folge, beschreibt Gulden die Lage. Auch die Pandemie mit Werkschließungen in wichtigen Beschaffungsländern wie Vietnam hat voriges Jahr für Probleme gesorgt. Dennoch stand am Ende ein Rekordjahr, weil das Puma-Geschäft abseits von China boomt und der Konzern seine Lieferketten stabil gehalten hat. Große Teile der Belegschaft wurden gegen Corona geimpft.

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Dennoch sei die Pandemie noch nicht besiegt, räumt Gulden auch mit Blick auf das eigene Geschäft ein. Zudem steht mit der Russland-Ukraine-Krise nun ein neues Problem ins Haus. „Unsere erste Besorgnis gilt unseren 380 Beschäftigten in der Ukraine“, stellte Gulden klar. Geschäftlich sei ein Wegfall des russischen Marktes verkraftbar, auch wenn es dort und in der Ukraine in den vergangenen Jahren gut gelaufen sei. Trotzdem würden aktuell weniger als fünf Prozent des Jahresumsatzes auf die beiden Länder entfallen.

Ein ukrainischer Club und ein russisches Team unter Vertrag

Vor allem wenn Russland im Zuge weiterer Sanktionen vom internationalen Zahlungssystem Swift abgekoppelt würde, seien Geschäfte dort schwer aufrecht zu erhalten, schätzt der Puma-Chef. Den Konflikt haben die Franken auf gewisse Weise auch im eigenen Haus. Mit dem ukrainischen Fußballklub Schachtar Donezk und dem russischen Basketball-Nationalteam hat Puma voriges Jahr zwei Mannschaften unter Vertrag genommen, deren Länder nun am Rande eines Kriegs stehen.

Der ukrainischen Rekordmeister Donezk, der seine Spiele wegen der Kriegshandlungen in der Ostukraine in Kiew austrägt, wird zudem immer mehr zum Sportklub ohne Heimat. „Wir werden uns an unsere Verträge halten“, erklärt Gulden im Versuch, neutral zu bleiben. Gleichwohl könne eine Zeit kommen, wo „Geschäft wie üblich“ unmöglich werde.

Abseits der politischen Spannungsfelder läuft es derzeit rund für Puma. Die betonte Hinwendung auf weibliche Kundschaft macht sich bezahlt. Mit einem Einstieg in den US-Basketball zeigen die Franken auch am wichtigen US-Markt wieder verstärkt Präsenz.

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Das eigene Internetgeschäft unter Umgehung des Einzelhandels ist verstärkt durch die Pandemie im Höhenflug. Eine eigene Puma-App soll den befördern. Die Marktanteile der Franken steigen wieder. Im wichtigen Segment Fußball haben sie hierzulande 2021 von gut zehn auf über elf Prozent zugelegt, freut sich der Konzernchef.

Ins neue Jahr gehe man zudem mit vollen Auftragsbüchern. Gulden kalkuliert für 2022 deshalb mit mindestens einem Zehntel mehr Umsatz, auch weil die Preise für Sportartikel, getrieben durch die allgemeine Teuerung, demnächst leicht steigen sollen.

Falls der Boykott in China abflaut, könnten auch größere Umsatzsprünge möglich sein, meinte der Puma-Chef. Darauf habe man aber keinen Einfluss. Andererseits zeigt der Boykott in China, dass auch bei einem weitgehenden Ausfall des Riesenmarkts mit seinen 1,4 Milliarden potentiellen Kunden Rekordergebnisse möglich sind.

Beim Gewinn rechnen die Franken dieses Jahr mit überproportionalen Zuwächsen von rund einem Fünftel. Schließlich soll es 2023 etwas zu feiern geben, wenn der 1948 gegründete Sportartikler 75 Jahre alt wird.

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