Droht bald eine Hungerkrise?

Krieg in der Ukraine, der Kornkammer der Welt – vom Farmer zum Mahner

Der niederländische Landwirt Kees Huizinga in seinem Rinderstall in der Ukraine.

Der niederländische Landwirt Kees Huizinga in seinem Rinderstall in der Ukraine.

Der Krieg traf Kees Huizinga unerwartet. Seit fast 20 Jahren bewirtschaftet der Niederländer rund 15.000 Hektar in der Ukraine, 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Kiew. Er hält Rinder, baut Weizen an, Gerste, Raps, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Mais und Soja.

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Jetzt müsste er den Boden vorbereiten, das Saatgut in die Erde bringen. Panzer und Soldaten haben seine Farm zwar noch nicht erreicht, aber die Auswirkungen des Krieges spürt Huizinga dennoch. 25 Arbeiter haben die Farm verlassen, um zu kämpfen. Rund 40 Flüchtende aus den Städten haben sie aufgenommen, einige sind inzwischen wieder in ihre Wohnungen in der Westukraine zurückgekehrt.

Der Farmer hat alle Hände voll zu tun

Huizinga hat über die sozialen Netzwerke einen Hilfskonvoi organisiert, Lebensmittel und Medikamente in die umliegenden Städte gebracht. Ein Aufruf für einen zweiten Konvoi hat er gerade online gestellt, von Schmerzmitteln bis Generatoren wird alles gebraucht. Seine Angestellten und die Flüchtlingsfamilien haben die Truppen und die Bevölkerung in Kiew mit Schweinefleisch und Tomaten von der Nachbarfarm versorgt.

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Es gibt mehr als genug zu tun in diesen Kriegstagen. Aber die Arbeit, die eigentlich ansteht, können sie nicht aufnehmen. „Die Lieferketten sind unterbrochen“, sagt Huizinga. „Wir haben noch nicht alles Saatgut, es fehlt an Dünger, Ersatzteilen und Pflanzenschutzmitteln.“ Landwirte im Süden des Landes klagen, dass sie keinen Diesel mehr bekommen. Kollegen im russisch besetzten Osten sind von jeder Versorgung abgeschnitten, ohne Saatgut, Treibstoff und teils ohne Strom.

Russland und die Ukraine machen ein Drittel der globalen Getreideexporte aus

„Wir werden eine riesengroße Ernährungskrise bekommen“, warnt Huizinga, „wir steuern auf eine weltweite Katastrophe zu. Wenn der Krieg jetzt aufhört, dann können wir noch säen. Wenn nicht, wird es dieses Jahr keine Ernte geben. Und die Auswirkungen werden uns noch jahrelang beschäftigen.“

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Russland und die Ukraine gemeinsam sorgen für ein knappes Drittel der weltweiten Getreideexporte. Ohnehin instabile Länder wie der Libanon, Syrien, Somalia, die Staaten Nordafrikas und die von Hyperinflation gebeutelte Türkei sind besonders abhängig von den Getreideexporten über das Schwarze Meer.

Die vergangenen Jahre lief es gut. Die Bäuerinnen und Bauern der Ukraine steigerten ihre Ernteleistung stetig, auch dank westlicher Investoren und Übersiedler wie Huizinga. „Weitere Steigerungen wären drin gewesen“, sagt der Niederländer. „Auch politisch war die Ukraine auf einem guten Weg. Die Menschen hier sind seit 20 Jahren Freiheit gewohnt. Deswegen kämpfen sie jetzt auch.“

„Sie müssen alles tun, um diesen Krieg jetzt zu stoppen“

Huizinga ist vom Farmer zum Mahner geworden. Weil er auf Englisch twittert (@DutchFarmerinUA) und bloggt (www.adutchfarmerinukraine.nl/en) und im Westen gehört wird, hat ihn ein ukrainischer Bauernverband zum Krisenbotschafter erklärt. Er müsse „nach Europa“ fahren und Alarm schlagen. Die 1100 Mitglieder des Verbands bewirtschaften ein Zehntel des Ackerlandes der Ukraine.

Und so ist Huizinga in die Niederlande geflogen, erst einmal für ein paar Tage. Er bloggt und twittert weiter, unermüdlich, aber mit steigender Verzweiflung in der Stimme. „Wir brauchen Landwirte überall auf der Welt, die den Politikern den Ernst der Lage erklären“, sagt er. „Sie müssen alles, wirklich alles tun, um diesen Krieg jetzt zu stoppen.“ Er führt Interviews mit niederländischen und britischen Medien, er sitzt in Talkshows, er macht Termine mit Politikerinnen und Politikern. In diesen Tagen will er den niederländischen Landwirtschaftsminister treffen und EU-Kommissionsvize Frans Timmermans.

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Frau und Tochter hatte Huizinga bei Kriegsausbruch außer Landes gebracht, er wollte eigentlich bleiben. Und auch jetzt will er so bald wie möglich zurück. Doch seine neue Rolle fordert ihn. Er ist kein Funktionär, kein Medienprofi. Und dennoch ist er die letzte Hoffnung für seine Schicksalsgenossen in der neuen Heimat.

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