Kommentar

Ölpreise: aus der Balance geraten

Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird das Angebot an Öl auf dem Markt knapper.

Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird das Angebot an Öl auf dem Markt knapper.

Bewährtes soll man nicht ändern. Heißt es. Bewährt hat sich im globalen Ölgeschäft eine Art Konsens zwischen Erzeugern und Abnehmern. Nämlich über die Balance zwischen Angebot und Nachfrage. War die Nachfrage zu groß und damit der Preis zu hoch, wurde das Angebot erhöht. Das drückte die Preise in den Industrienationen. Doch auch die Erdölproduzenten hatten ein Interesse an der viel zitierten Balance: Sprit und Heizöl dürfen nicht zu teuer sein, sonst schmiert die Konjunktur ab, und mit ihr werden die Ölpreise in die Tiefe gerissen.

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Vieles deutet darauf hin, dass dieser Konsens nun aufgekündigt ist. Das inzwischen um Russland und andere Staaten erweiterte Kartell (Opec+) beharrt auf viel zu geringen Fördermengen, was eine Balance unmöglich macht. So wird der Rohölpreis sehr hoch gehalten. Das geschieht aus Rücksicht auf Russland, das sich die enormen Einnahmen aus dem Geschäft mit dem Rohstoff sichern will, um den Ukraine-Krieg und dessen Folgen zu stemmen.

Die Länder sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen

Dies ist für alle anderen Förderländer aber ein Spiel mit dem Feuer. Kurzfristig wird die Inflation hochgejagt und die Rezessionsgefahren steigen mit der Dauer des Krieges. Wenn dann der Einbruch kommt, werden die Ölpreise außer Kontrolle geraten. Die langfristigen Implikationen sind noch massiver: Es kann keine bessere Werbung für Elektroautos geben als extrem hohe Spritpreise. Die Opec+-Länder sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen. Keine dieser Volkswirtschaften ist auf eine Welt vorbereitet, in der schnell und nachhaltig der Spritbedarf sinkt. Die Scheichs sollten noch mal darüber nachdenken, wie sinnvoll das mit der Solidarität mit Russland ist.

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