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Fragen und Antworten

Einfach erklärt: Das müssen Sie zu Inflation, Zentralbanken und Stagflation wissen

Ein Mitarbeiter eines Einzelhandelsgeschäfts nimmt einen 5-Euro-Schein aus einer Einkaufskasse (Archivbild).

Die Inflation in Deutschland steigt, ebenso wie in vielen anderen Ländern. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist das ärgerlich, denn ihr Geld verliert so an Wert. Doch was ist Inflation eigentlich genau? Was hat eine Zentralbank wie die EZB damit zu tun? Und wie kann man sich schützen?

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Was ist Inflation?

Inflation beschreibt, dass der Großteil der Preise in einem Land steigt. Gemessen wird die Inflation von Statistikern, etwa beim statistischen Bundesamt. Diese beobachten Monat für Monat, was ein bestimmter als durchschnittlich geltender Warenkorb kostet. Wird dieser teurer, sinkt die Kaufkraft des Geldes – für einen Euro kann man sich dann beispielsweise statt drei nur noch zwei Bananen kaufen.

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Wenn von Inflation gesprochen wird, ist meist die sogenannte Inflationsrate gemeint: Sie bezeichnet, um wie viel sich das Preisniveau im Vergleich zum gleichen Monat im Vorjahr verändert hat.

Was ist Deflation?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation: Die Preise steigen nicht, sondern sie fallen. In Deutschland kam es in der Vergangenheit so gut wie nie zur Deflation, lediglich in der Wirtschaftskrise 1929 sanken Preise deutlich. Auch eine Deflation ist nicht wünschenswert: Wenn Preise Monat für Monat sinken, verschieben Verbraucherinnen und Verbraucher Anschaffungen womöglich immer weiter in die Zukunft. In der Gegenwart geht dann niemand mehr einkaufen, was die Binnennachfrage einbrechen lässt.

Welche Arten von Inflation gibt es?

Schlussendlich ist Inflation meist die Folge eines Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage – wofür es zwei Ursachen geben kann: „Einerseits steigt die Inflation, wenn sich ein bestimmtes Warenangebot verknappt“, sagt der Ökonom Florian Kern vom Berliner Think-Tank „Dezernat Zukunft“. Beispiele dafür sind Ölpreisschocks oder Lieferkettenprobleme, in deren Folge Unternehmen Preise erhöhen.

„Andererseits steigt die Inflation, wenn die Nachfrage plötzlich zulegt“, erklärt Kern, einst selbst Bundesbank-Mitarbeiter, weiter. Das kann passieren, wenn etwa der Staat Geld an seine Bürgerinnen und Bürger verschenkt oder die Zentralbank eine zu lockere Geldpolitik betreibt. Auch dann haben Unternehmen die Möglichkeit, Preise zu erhöhen, weil die Nachfrage ja ohnehin hoch ist.

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Was haben Zentralbanken damit zu tun?

Es obliegt Zentralbanken, den Wert einer Währung möglichst stabil zu halten – denn der schwankt in Abhängigkeit von zahlreichen Faktoren. Für Zentralbanken ist das eine stete Gratwanderung, weil sie sowohl eine hohe Inflation als auch eine Deflation vermeiden müssen. Beim Euro ist dafür die Europäische Zentralbank (EZB) zuständig, ihr Inflationsziel liegt bei 2 Prozent. Wichtig ist: Solange wie die EZB ihr Inflationsziel erreicht, darf sie ausweislich ihres gesetzlichen Auftrags auch die Konjunktur stützen: Denn niedrige Zinssätze befördern tendenziell das Wirtschaftswachstum und sorgen für eine geringe Arbeitslosigkeit.

Wie funktioniert Geldpolitik?

Die EZB kann die Inflation nicht direkt steuern, stattdessen bedient sie sich der sogenannten Geldpolitik: Mit hohen Zinssätzen kann sie die Nachfrage nach Waren reduzieren, weil Kredite teurer werden. Niedrige Zinssätze bringen hingegen billigere Kredite und damit eine höhere Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen mit sich. Was jeweils zielführend ist, hängt von den Ursachen der Inflation ab: „Wenn es ein Angebotsschock ist, droht bei kräftigen Zinserhöhungen eine unnötige Rezession. Ist es ein Nachfrageschock, sind sie hingegen zielführend, um die Inflation zu dämpfen“, sagt Kern.

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Was sind Leitzinsen?

Wie Geldpolitik im Detail funktioniert, ist eine sehr, sehr komplizierte Angelegenheit. Vereinfacht gesagt muss eine Zentralbank regelmäßig Geld an Geschäftsbanken herausgeben, damit diese die Wirtschaft mit Krediten versorgen können. Zentralbanken verschenken das Geld aber nicht, stattdessen verlangen sie von den Geschäftsbanken Zinsen. Und erhöht eine Zentralbank diese sogenannten Leitzinsen, können Geschäftsbanken nur teurere Kredite vergeben – was die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit die Inflation bremst. In solchen Fällen spricht man von einer Zinserhöhung, manchmal ist auch die Rede von restriktiver Geldpolitik.

Was hat es mit der Geldmenge auf sich?

Als überholt gilt mittlerweile die Auffassung, dass bei der Inflation die sogenannte Geldmenge eine zentrale Rolle spielt. Lange Zeit war die Sorge, dass eine überhöhte Geldmenge zu Inflation führt, dahinter steckt die Angst, dass eine Notenbank sprichwörtlich zu viel Geld drucken könnte. Ob das überhaupt ein Problem wäre, bezweifeln Ökonominnen und Ökonomen, weil sich der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation nicht eindeutig belegen lässt.

Zentralbanken wie die amerikanische Fed und die EZB schauen deshalb nicht mehr auf die Geldmenge. Aus ihrer Sicht sind nur noch Zinssätze entscheidend, um die Inflation zu steuern, „die Geldmenge spielt dabei keine Rolle mehr“, sagt Kern.

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Warum reden viele von einer Lohn-Preis-Spirale?

Die Zentralbanken handeln nicht nur entlang der Inflation, die stets auf Daten aus der Vergangenheit basiert. Vielmehr arbeiten sie auch mit Prognosen zur zukünftigen Inflation. Einer der wichtigsten Faktoren dabei sind sogenannte Zweitrundeneffekte: Wenn die Inflation einmal hoch ist, könnte sie in einer zweiten Runde weitere Preissteigerungen nach sich ziehen.

Deutlich wird das bei der sogenannten Lohn-Preis-Spirale: Wenn die Preise steigen, fordern Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer womöglich höhere Löhne – was Unternehmen zwingt, weitere Preissteigerungen vorzunehmen. Schlimmstenfalls schaukeln sich dann Löhne und Preise gegenseitig hoch.

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Was bedeutet Stagflation?

Von Stagflation spricht man, wenn die Inflation das Wirtschaftswachstum auffrisst: Wächst die Wirtschaft um 5 Prozent, während die Inflation 10 Prozent beträgt, sinkt die sogenannte reale, also inflationsbereinigte, Wirtschaftsleistung. Ein klassisches Beispiel für eine Stagflation sind die Nachwirkungen des Ölpreisschocks in den 1970er-Jahren. Damals sorgte der steigende Ölpreis für eine hohe Inflation, das Wirtschaftswachstum konnte das nicht ausgleichen. Ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit war die Folge.

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Was ist eine Hyperinflation?

Hyperinflation bezeichnet besonders hohe Inflationsraten. Als Faustregel wird oft eine monatliche Inflationsrate von über 50 Prozent genannt. Deutschland hat einmal in seiner Geschichte eine Hyperinflation erlebt, das war nach dem Ersten Weltkrieg. Auf dem Höhepunkt 1923 kostete ein einzelnes Hühnerei 320 Milliarden Mark – was schlussendlich zu einer Währungsreform führte. Die Hyperinflation gilt als deutsches Trauma, die Ersparnisse vieler Menschen verloren damals ihren Wert komplett.

In den 1920er-Jahren litt das Deutsche Reich allerdings unter extrem hohen Reparationsforderungen nach dem Ersten Weltkrieg sowie unter Unmengen unbezahlter Kriegskredite. Eine vergleichbare Situation sieht Kern heute nicht ansatzweise: „In so einer Situation sind wir nicht und in die werden wir auch nicht kommen“, ist der Ökonom überzeugt.

Wie kann man sich vor Inflation schützen?

Grundsätzlich kann man sich gegen Inflation nicht schützen. Einkäufe werden schlicht teurer, da helfen nur höhere Löhne oder Entlastungen, etwa durch Steuersenkungen oder staatliche Zuschüsse. Sparerinnen und Sparer können den Wertverlust ihres Ersparten immerhin minimieren. Dazu gibt es schlussendlich zwei Optionen: Entweder man legt Geld gewinnbringender an, etwa indem man statt auf ein Sparkonto auf Aktien oder Fonds setzt. Oder man flüchtet in sichere Werte, also Anlagen, die wertbeständig sind. Das können Immobilien, Gold oder ausländische Währungen mit niedrigerer Inflation sein.

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