Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
VfL WOLFSBURG 2022-23

AUGEN ZU UND DURCH

AUGEN ZU UND DURCH Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Wolfsburgs WM-Kandidat fürs DFB-Team: Lukas Nmecha.

Die Hinrunde der Fußball-Bundesliga-Saison 2022/23 wird durch eine WM unterbrochen, die aus vielen Gründen nur schwer zu ertragen sein wird. Wer wie alle vier Jahre üblich vorm Fernseher klebt, um sich die Spiele anzuschauen, wird einiges ausblenden müssen. Dass sich die Zahl der WM-Teilnehmer des VfL Wolfsburg wahrscheinlich eher in Grenzen halten wird, ist darum keine allzu schlechte Nachricht.

Getränke kalt stellen, den Grill anschmeißen, zusammen vorm TV seinem Team die Daumen drücken: So geht eigentlich für Fans WM, wenn sie denn nicht vor Ort sind. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Denn diesmal steigt dieses Highlight nicht in den schönsten Sommer-Monaten, sondern in der Vorweihnachtszeit. Nach dem 15. Spieltag (11. bis 13. November) pausiert die Liga, damit vom 21. November bis zum 18. Dezember in Katar der WM-Ball rollen kann. Die Vorfreude bei den Fans hält sich jedoch in Grenzen. Das gilt auch für die Anzahl der Wolfsburger, die bei nahezu 30 Grad im Wüstenstaat auflaufen werden.

Die ersten Profis, die als VfL-Spieler bei einer Weltmeisterschaft teilgenommen hatten, waren Claudio Reyna und Chad Deering. Das Duo trat 1998 mit den USA in Frankreich an. Vier Jahre später spielte kein Wolfsburger bei der WM in Japan und Südkorea vor, 2006 gingen mit Mike Hanke für Deutschland und Hans Sarpei für Ghana erneut zwei VfLer bei der WM in der Bundesrepublik an den Start. 2010 waren zehn Wolfsburger in Südafrika dabei, 2014 immerhin noch sieben - und 2018 waren es mit Jakub „Kuba“ Blaszczykowski und Casteels nur noch zwei. Jetzt läuft es auf Casteels (Belgien), Jonas Wind (Dänemark), Jakub Kaminski (Polen) und Lukas Nmecha (Deutschland) hinaus. Dieses VfL-Quartett dürfte die besten Chancen haben, bei der Winter-WM dabei zu sein. Eine WM, wie es sie noch nie gegeben hat. Und das in einem Land, das seit Jahren wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert wird. Die FIFA um Präsident Gianni Infantino verteidigte die Wahl des Emirats als Gastgeber stets. Nicht nur VfL-Torjäger Nmecha hat sich zuletzt sehr kritisch zur WM in Katar geäußert. Einerseits soll es für den 23-Jährigen der Höhepunkt seines jungen sportlichen Lebens werden. Ein Ziel, für das Nmecha sein Leben ausgerichtet hat. Andererseits weiß er, dass die Vergabe nach Katar wegen der skandalösen Menschenrechtslage umstritten ist. Er hätte es lieber gesehen, dass das Fußballfest in einem anderen Land stattgefunden hätte. „Die FIFA", so der VfL-Profi jüngst, „hätte die WM nicht nach Katar vergeben sollen. Aber wir Spieler müssen dort jetzt unseren Job erfüllen.“ Augen zu und durch also.

Polnische Offensive: Torjäger Robert Lewandowski mit VfL-Neuzugang Jakub Kaminski (r.).

Sechsmal hat Nmecha für die DFB-Elf auflaufen dürfen, er kam immer von der Bank. Sein Debüt hatte er am 11. November des vergangenen Jahres in Wolfsburg beim 9:0-Schützenfest gegen Liechtenstein geben dürfen. Was ihm noch fehlt, ist ein Tor im DFB-Dress. Dennoch: Nmecha steht wegen seiner Schnelligkeit, seiner Dynamik und seiner Torgefahr beim Bundestrainer hoch im Kurs. Hansi Flick: „Lukas ist ein Spieler, der vieles mitbringt, der ehrgeizig ist, weil er immer besser werden will. Das macht ihn für uns sehr interessant. Wir bauen weiterhin auf ihn.“

Feste Größe im dänischen Team: VfL-Stürmer Jonas Wind.

Sicher dabei ist Casteels. Obwohl Wolfsburgs Nummer 1 seit Jahren auf allerhöchstem Niveau spielt, sitzt er bei der belgischen Nationalelf meist auf der Bank. Thibaut Courtois (Real Madrid) ist bei Nationaltrainer Roberto Martinez gesetzt. Casteels' VfL-Kollege Wind wiederum ist ganz nah dran an der ersten Elf. Bei den Nations-League-Spielen im Sommer hatte er für die Dänen beim Sieg gegen Österreich ein Tor und eine Torvorlage geliefert. Der Stürmer hat innerhalb weniger Wochen nach seinem Winter-Wechsel vom FC Kopenhagen zum VfL gezeigt, dass er einer Mannschaft helfen kann. Mit seiner schlitzohrigen Art ist er nur ganz schwer zu packen, wenn er sich in den Halbräumen in der Offensive bewegt und dabei fast immer anspielbar ist. Der Easy-Going-Guy, wie er sich selbst gern bezeichnet, hat die Herzen der Fans rasend schnell erobert. Er habe das Zeug zum WM-Star, sagen sie in Dänemark über den sympathischen Wind.

So weit ist VfL-Neuzugang Kaminski noch nicht. Aber auch er hat sich in den jüngsten Nations-League-Spielen in den Blickpunkt geballert. Am 1. Juni beim 2:1 gegen Wales war er zur Stelle. Sein erster Treffer im zweiten Länderspiel. ,,Wieder einen Traum erfüllt", schrieb Kaminski, der bevorzugt über den linken Flügel angreift, danach bei Instagram. Anschließend jubelte er mit einem akrobatischen Überschlag. Dass er den auch nach einem WM-Tor zeigen wird, liegt auf der Hand. Engelbert Hensel

VfL-KALENDER