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Vertrauensvolles Miteinander in der Gemeinschaft: Pastorin Verena Koch von der St. Georg-Kirchengemeinde in Jembke

PASTORIN VERENA KOCH LIEGT DIE PERSÖNLICHE BINDUNG AM HERZEN

Vertrauensvolles Miteinander in der Gemeinschaft: Pastorin Verena Koch von der St. Georg-Kirchengemeinde in Jembke Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Die Idee für das Kreuz im Altarraum stammt aus dem Hospizwesen. Foto: photowerk

Verbundenheit, Nähe, ein vertrauensvolles Miteinander: Für Pastorin Verena Koch ist die persönliche Bindung zu den Mitgliedern der St. Georg-Kirchengemeinde in Jembke eine Herzensangelegenheit. Kirche lebendig zu gestalten- das macht für sie das Pastorenamt aus.„Kirche muss auf die Menschen zugehen, nah dran sein an ihren Lebenswelten, ihnen zuhören, sie Trost und Halt in der Gemeinschaft finden lassen", ist sie überzeugt - und geht dabei auch mal unkonventionelle Wege.

Pastorin - diesen Berufswunsch hatte sie zunächst nicht im Sinne. „Meine Eltern waren U-Boot-Kirchgänger. Sie gingen am Heiligen Abend in die Kirche, und den Rest des Jahres auf Tauchstation", schmunzelt die gebürtige Nordhornerin. Ich habe aber mit meiner Oma abends gebetet und war begeistert von der Kinderbibel. Auch meine tolle Konfirmandenzeit und meine Aufgaben als Teamer haben mich geprägt.“ Die Initialzündung kam beim Abitur-Gottesdienst. „Der Pastor hielt damals eine ergreifende Predigt und sagte, dass Gott für jeden Menschen auf der Welt einen Weg habe. Das hat mich sehr berührt."


,,UNS LIEGT ES AM HERZEN, DIE VERBUNDENHEIT DER MENSCHEN ZUR KIRCHE ZU VERTIEFEN."

VERENA KOCH


Verena Koch entschied sich für ein Theologiestudium - und bekam nach dem Abschluss Jembke als Einsatzort zugewiesen. Die ländlich geprägte Kirchengemeinde zählt etwa 3000 Mitglieder. „Ich bin mit meinem Mann 2013 ins idyllische Pfarrhaus gezogen - und habe mich hier sofort wohlgefühlt“, betont sie ihren Start im „liebenswerten Jembke". „Mein neues Team war mir auf Anhieb sympathisch. Unsere Gemeinde hat viele engagierte Ehrenamtliche und ist gut mit Institutionen, Einrichtungen und Vereinen der Mitgliedsdörfer vernetzt." Sie erinnert sich aber auch an Gemeindemitglieder, die zunächst ,irritiert waren, als sie mir zum ersten Mal begegneten. Es gibt offenbar bei einigen noch ein vorgefertigtes Bild im Kopf, wie eine Pastorin auszusehen und zu reden hat. Aber sie haben sich schnell an mich gewöhnt."

Ob Heirat, Taufe oder Beerdigung: Ihre Hauptaufgaben als Seelsorgerin sieht Verena Koch in der ganz individuellen Begleitung der Menschen, ihre Angste und Nöte mit auszuhalten und dabei nicht an die eigenen Grenzen zu kommen. „Individuell heißt auch unkonventionell. Warum nicht mal Elvis bei einer Trauerfeier spielen, wenn der Verstorbene ein Fan von ihm war?" Zurückgehenden Mitgliederzahlen entgegenzuwirken - für sie eine Herausforderung. „Uns liegt es am Herzen, die Verbundenheit der Menschen zur Kirche zu vertiefen", sagt sie. „Wir möchten neue Formen des Miteinanders entwickeln - für Menschen aller Altersgruppen." Eine gute Kinder- und Jugendarbeit sowie Seelsorge seien dafür wichtig. „Das Bedürfnis der Menschen nach Kirche und Glaube ist ja grundsätzlich da. Viele finden kraft im Glauben. Ich bin zum Beispiel Menschen mit Demenz begegnet, die alles vergessen hatten- bis auf das Vaterunser. Das ist ihnen geblieben."

Ein kunterbunter Blickfang sind die Tauffische in der Kirche. Foto: photowerk

Auch um mehr Nähe und Verbundenheit zu schaffen, hat die Kirchengemeinde ein Kreuz für den Altarraum anfertigen lassen, aus Holz und Glas. ,,Die Idee stammt aus dem Hospizwesen", erläutert Verena Koch den Hintergrund. „In die einzelnen Fächer können nach den Abkündigungen im Gottesdienst Steine mit den Namen der Verstorbenen gelegt werden. Zum Ausdruck gebracht werden soll, „dass wir im Leben und Sterben gehalten werden vom christlichen Kreuz". Jeweils am Ende des Kirchenjahres nach dem Ewigkeitssonntag werden die Steine den Angehörigen zurückgegeben.

Ob Besuche zu runden Geburtstagen ab 80 Jahren - ,,ab 95 komme ich jedes Jahr“ – Gespräche bei Sorgen und Nöten, Jugendfreizeiten, der Chor „Singen mit Herz und Mund" oder das „Kirchencafé", ein gemütliches Beisammensein nach dem Gottesdienst: „Wir nehmen uns Zeit für die Gemeindemitglieder und möchten sie mit uns Gemeinschaft erleben lassen“, betont die Pastorin. ,,Gerade in der Corona-Pandemie konnten wir leider vieles nicht anbieten - wie auch Gottesdienste mit Kinderbetreuung. Mein großer Wunsch ist, dass wir bald wieder so richtig loslegen können." (kb)