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Samtgemeinde Boldecker Land

Die Kunst, das Unsichtbare sichtbar zu machen

Konstantin Heidersberger vitalisiert die Schwarz-Weiss-Fotografie

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Foto: Jozef Polc/123RF 

Wer in den sechziger, siebziger Jahren aus dem Urlaub zurückkehrte, lud zum Diavortrag ein, in den Jahren danach zum Videoabend – in jedem Fall nervtötende, nicht enden wollende Veranstaltungen. Ganz anders beim Ehepaar Martin Frosch und Elke Kuhlmann-Frosch. Sie reichen keine Papierfotos herum, benötigen keinerlei Vorführtechnik, Bücher, Prospekte oder Flyer, die beiden erzählen einfach von ihren Reisen – und setzen bei jedem Zuhörer ein fulminantes Kopfkino in Bewegung. Etwa zu zweit im Motorradgespann durchs Baltikum, ein wenig komfortabler im Wohnmobil auf Island oder von Santiago de Chile aus sechs Wochen durch Patagonien – in einem Rollenden Hotel. Bis ans Ende der Welt mit einem Allrad-Lkw, worin in sargförmigen Boxen genächtigt wird?! Spätestens dann läuft das Ehepaar Frosch zur Höchstform auf, schwärmt, wirft sich die Bälle zu und versetzt die Lauschenden in ungläubiges Staunen.

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„Aktiv sein macht uns glücklich, und wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir viele Menschen damit anstecken.“

Mit einer Ausnahme: Konstantin Heidersberger, jüngster Sohn des Fotokünstlers, trat bereits zu seines Vaters Lebzeiten in dessen Fußstapfen. Auch der Junior erkannte schon früh die faszinierende Ästhetik der Schwarz-Weiß- Fotografie. „Ich bin aufgewachsen zwischen Theaterbühne und Fotografie. Meine Mutter war Schauspielerin und mein Vater Berufsfotograf. Schon als Kind sollte ich meinen Papa beim Fotografieren begleiten.

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Foto: Jozef Polc/123RF
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Foto: Jozef Polc/123RF

So sind sie, die Froschs, lebenslustig, geistreich und humorvoll. Gemeinsam sind sie so, seit sie Anno Domini des Mauerfalls zueinanderfanden. Er, ein Sohn des ländlichen Frankens, der nach seinem Theologie-Examen den Berufswunsch Pfarrer verwarf, um Medizin zu studieren und anschließend in der Chirurgie des Gifhorner Krankenhauses zu arbeiten, und sie, eine Tochter Wolfsburgs, die in ihrer Geburtsstadt heiratete und im Ambulanten Reha-Zentrum als Physiotherapeutin tätig war, sie beide zogen also 1993 nach Osloß, um sich dort den Lebensmittelpunkt samt einer Arztpraxis einzurichten.

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Foto: Jozef Polc/123RF
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Foto: Jozef Polc/123RF

Bewegung ist Leben

Die neue Bleibe im Boldecker Land eignete sich perfekt für den Lebensentwurf der beiden frisch Verheirateten. Der Allgemein- und Sportmediziner Martin Frosch stattete seine Praxis nach und nach mit den notwendigen Gerätschaften vom Belastungs-EKG über Ultraschall bis hin zur Lungenfunktionsprüfung aus, erweiterte sein medizinisches Angebot um Chiropraxis und Palliativmedizin und ist zudem als Arzt im Wolfsburger Hospiz tätig. Elke Kuhlmann-Frosch blieb ihrer physiotherapeutischen Arbeit in Wolfsburg treu, wurde aber darüber hinaus als Feldenkrais-Therapeutin tätig und leitete fortan in Osloß verschiedene Sportkurse im Rehabilitationssport. Für dieses wichtige Engagement für 40- bis 85-Jährige erhielt sie den HDI-Ehrenamtspreis des Behinderten-Sportverbands Niedersachsen. Großen Zulauf hatte seit Anbeginn auch die Herzsportgruppe von Martin Frosch, die sich schon seit vielen Jahren zweimal wöchentlich zum Training trifft. „Bewegung ist Leben“ lautet folglich das Motto des agilen Ehepaars, das sich natürlich über die Rehasport-Kurse hinaus fit hält durch Laufen, Tennis, Golf und Skifahren. „Geistig rege bleiben wir, indem wir zum Beispiel auf unseren langen Reisen im Wohnmobil viele Hörbücher hören, und unsere Leidenschaft für Kunst krönen wir mit Besuchen der Biennale in Venedig“, schwärmen beide.

Fragende Blicke in die Zukunft

Mit den sportlichen und den schöngeistigen Exkursen ist das Privatleben des Ehepaars aber längst nicht ausgefüllt. Parallel zur Praxiseinrichtung Anfang der 90er Jahre wurde in dem großen Haus ein Lebensbereich für Martin Froschs Eltern geschaffen, wo die Mutter bis heute lebt, und zum Privatleben der Ehepartner gehören auch drei Kinder und drei Enkelkinder, die ihrerseits Eltern beziehungsweise Großeltern ab und zu beanspruchen. Stellt sich selbst für diejenigen, die mit modernem Zeitmanagement vertraut sind, die Frage, wie das Ehepaar es schafft, ein so großes Pensum beruflich und privat auf die Reihe zu bekommen – zumal Martin Froschs Arbeitstag nach bis zu acht Hausbesuchen täglich nicht vor 22  Uhr endet.

„Aktiv sein macht uns glücklich, und wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir viele Menschen damit anstecken“, sind sich die beiden sicher. Aber mit Blick auf das nächste Lebensjahrzehnt wollen selbst die Umtriebigen ein wenig kürzertreten. Dazu gehört die Übergabe der Arztpraxis an einen Nachfolger. Doch das gestaltet sich als äußerst schwierig. „Was tun, wenn wir eine technisch hochmoderne Arztpraxis samt Personal und einem Stamm von mehreren Tausend Patienten für den symbolischen Preis von einem Euro anbieten plus der Garantie, dass der Praxisgründer am Anfang begleitend mitarbeitet, und niemand greift zu?“, fragen sich die beiden fassungslos. Die bundesweite Suche geht weiter, aber natürlich auch der gewohnte Praxisbetrieb, bis eine tragbare Lösung gefunden ist. Aber eines lässt sich das Ehepaar Frosch nicht nehmen. „Im Sommer fahren wir mit den beiden größeren Enkelkindern im Wohnmobil quer durch Island – das ist Glücklichsein pur“, freuen sich die beiden. (jv)