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Handwerk SPEZIAL

Die Tischler-Innung sieht die Krise auch als Chance

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Obermeister Michael Braun fordert seine Mitstreiter zum Umdenken auf. FOTO: PRIVAT

TRENDWENDE DURCH INFLATION, MATERIALKNAPPHEIT UND STEIGENDES ZINSNIVEAU

„Wir konnten arbeiten, unsere Auftragsbücher waren gut gefüllt." Laut Michael Braun, Obermeister der Tischler-Innung Gifhorn-Wittingen-Wolfsburg, sei die Tischlerbranche - je nach Klientel- bisher recht gut durch die Pandemie gekommen. Das niedrige Zinsniveau hätten vor allem private „Häuslebauer“ genutzt, um in die eigenen vier Wände zwecks Werterhalt zu investieren. Allerdings sei mittlerweile - bedingt durch Materialmangel und die damit verbundenen, längeren Lieferzeiten, Inflation, steigende Energiepreise und steigende Zinsen - eine Trendwende erkennbar: Privatkunden seien deutlich zurückhaltender als noch vor einigen Monaten. Und auch die Betriebe würden vor neuen Herausforderungen stehen: Die Kalkulation wird immer schwieriger. „Preislisten werden von den Herstellern gar nicht mehr gedruckt, oft gibt es nur noch Richtpreise", klärt Braun auf.

Mit Klischees aufräumen

Dennoch will der Innungs-Obermeister nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und fordert seine Mitstreiter auf, umzudenken. „Vieles ist einfach normal geworden, weil bisher immer alles frei verfügbar gewesen ist", so Braun. Die Generation unserer Eltern und Großeltern habe es bereits vorgemacht, musste sparsam sein, weil es an allen Ecken und Enden fehlte. „Und nun sind wir gefragt", meint der Innungs-Obermeister. „Wenn wir auf bestimmte Dinge keinen Einfluss haben, bleibt uns nichts anderes, als dass wir uns anpassen, nach geeigneten Alternativen suchen oder neue Ideen entwickeln."

Alternativen und Ideen seien auch bezüglich des viel beklagten Fachkräfte- und Nachwuchsmangels gefragt. „Es hat sich vieles verändert. Wir haben es mit einer neuen Generation Y zu tun, die den Internetboom und die Globalisierung in vollen Zügen mitbekommen hat", sagt Braun. Die jungen Leute hätten die Qual der Wahl. „Aber viele denken immer noch, das Handwerk sei mit schmutziger Arbeit verbunden." Um mit solchen Klischees aufzuräumen, müsse sich die Branche noch besser nach außen präsentieren, um die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen und vor allem moderner und digitaler werden. Der Tischlerberuf zählt den vielseitigsten Handwerksberufen überhaupt: In Handarbeit und mithilfe computergesteuerter Maschinen verarbeiten Tischler neben Holz auch Kunststoffe, Holz- und Mineralwerkstoffe, Glas, Metall und Stein. Mit hochmodernster Technik konstruieren und realisieren sie Inneneinrichtungen, exklusive Möbelstücke oder installieren moderne Hightech-Fenster. Und er weiß: „Betriebe, die modern aufgestellt sind, haben keine Probleme, Auszubildende zu bekommen."