Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
City Magazin Gifhorn Herbst 2021

Stadtgeschichte aufarbeiten: Gunter Demnigs Stolpersteine für Gifhorn

Stadtgeschichte aufarbeiten: Gunter Demnigs Stolpersteine für Gifhorn Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Foto: Karin Richert

Gifhorn bereitet sich vor auf den Besuch des Künstlers Gunter Demnig. Der gebürtige Berliner mit dem Hut als Markenzeichen verlegt am Mittwoch, 6. Oktober, die ersten neun Stolpersteine in der Stadt. Die Verlegung soll um 15 Uhr in der Torstraße beginnen. Hier vor dem Haus mit der Nummer 12 werden gleich zwei Stolpersteine in den Fußweg eingelassen. Sie erinnern an Bertha Müller und Alice Frieda Nathansohn. Beide Frauen wurden im KZ Auschwitz ermordet. Bertha Müller wohnte zuletzt im damaligen Haus mit der Adresse Torstraße 4, heute Nummer 12. Dort wurde sie am 28. Oktober 1942 von der Gestapo verhaftet. Wegen „Unterlassung des Antrages auf Ausstellung einer Kennkarte“ verurteilte ein Gericht die Jüdin zu sechs Monaten Gefängnis.

Stolpersteine für Gifhorn

Nach der Strafverbüßung wies die Gestapo Bertha Müller in das „Arbeitserziehungslager“ für Frauen in Watenstedt ein. Kurz nach der Rückkehr in ihre Wohnung wurde sie erneut abgeholt und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dies ist nur eines von vielen jüdischen Schicksalen in der Stadt. Die Zahl der Gifhorner Opfer des Nationalsozialismus wird nach neuesten Erkenntnissen der Arbeitsgruppe, die sich mit der Planung und Umsetzung des Projekts Stolpersteine befasst, dreistellig sein. „Viel zu lange ist die Zeit des Nationalsozialismus aus der Stadtgeschichte weitestgehend ausgeblendet gewesen“, schreibt Dr. Klaus Meister, Leiter des Fachbereichs Kultur der Stadt Gifhorn und Mitglied der Arbeitsgruppe, in einer Veröffentlichung zum Kunstprojekt Stolpersteine. Nun sei die Stadt gemeinsam mit Lokalhistorikern dabei, die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten und sich intensiv mit der jüngeren Stadtgeschichte zu beschäftigen. Gunter Demnig verlegt am 6. Oktober übrigens nicht nur Stolpersteine. Für 19 Uhr ist ein öffentlicher Vortrag mit dem Initiator des Projekts Stolpersteine im Ratssaal geplant. (bea)