Formel-1-Kolumne

Thesen zum F1-Monat mit Norbert Haug: Ferrari-Fehlerquote zu groß, Vettel-Würdigung

In Österreich ging der Ferrari von Carlos Sainz in Flammen auf (links), Sebastian Vettel (rechts) hört zum Saisonende auf. F1-Kolumnist Norbert Haug (kleines Bild) gibt seine Einschätzungen ab.

In Österreich ging der Ferrari von Carlos Sainz in Flammen auf (links), Sebastian Vettel (rechts) hört zum Saisonende auf. F1-Kolumnist Norbert Haug (kleines Bild) gibt seine Einschätzungen ab.

Was ist nur mit Ferrari los? Weder in Großbritannien noch in Österreich und schon gar nicht in Frankreich hat es der italienische Traditionsrennstall im Juli geschafft, fehlerlos zu bleiben. Strategiepatzer, Zuverlässigkeitsprobleme und auch individuelle Fahrfehler bestimmten den Monat des Teams um die Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz. Vor dem zwölften (von 22) Saisonrennen am Sonntag in Ungarn (15 Uhr, Sky) liegt Leclerc in der WM-Wertung bereits satte 63 Punkte hinter Weltmeister Max Verstappen im Red Bull auf Platz zwei. Trotz eines der besten Autos im Feld ist der WM-Titel ganz weit weg – oder?

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Das Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) hat dem ehemaligen Mercedes-Motor­sport­chef Norbert Haug diese These vorgelegt – und diesmal sogar noch fünf weitere. So äußert sich der 69-Jährige, der die Karrieren der jeweils sieben­maligen (Rekord-)Welt­meister Lewis Hamilton und Michael Schumacher von Beginn an begleitete, beide ab dem Juniorenalter gefördert und mit ihnen als Sport­chef erfolg­reich gearbeitet hat, auch über das plötzliche Karriereende von Sebastian Vettel. Der viermalige Weltmeister hört zum Saisonende auf. Auch Thema sind die zuletzt starken Leistungen von Lewis Hamilton im Mercedes.

These eins: Sebastian Vettel ist einer der besten deutschen Rennfahrer der Geschichte und die Formel 1 wird ihn vermissen.

Haug: „Sebastian Vettel ist nach Michael Schumacher der zweiterfolgreichste deutsche Rennfahrer und rangiert in der Ewigenliste der siegreichsten Grand-Prix-Piloten nach Lewis Hamilton und Schumacher mit 53 Siegen auf Rang drei. Alleine diese Aufzählung sagt alles: Mit Vettel verabschiedet sich einer der Allergrößten von seinem Sport, und er wird ganz sicher eine bemerkbare Lücke hinterlassen. Dass er in den letzten Jahren – hauptsächlich aus technischen Gründen – nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen konnte, spielt am Tag seines Rücktritts keine Rolle und er wird immer als einer der wenigen Mehrfachweltmeister in Erinnerung bleiben. Seine Entscheidung verdient Respekt, sie scheint wohlüberlegt und ist damit die einzig richtige.“

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Sebastian Vettel beendet Karriere zum Saisonende

Der 35-jährige Deutsche, der aktuell noch für das Team von Aston-Martin fährt, gewann seine vier Weltmeistertitel in den Jahren von 2010 bis 2013 mit Red Bull.

These zwei: Ferrari muss sich jetzt einfach nur zusammenreißen, nicht zum Gespött der Formel-1-Welt zu werden. Der WM-Titel ist ganz weit weg.

Haug: „Mögliche Siege wegzuwerfen, ob durch Zuverlässigkeitsprobleme oder durch Fahrfehler, und statt voller Punktzahl eine Null in der Abrechnung des Fahrers stehen zu haben, ist der sichere Weg am Weltmeistertitel vorbei. Ich denke nicht, dass sich Ferrari nicht zusammenreißt, aus Übermut macht niemand diese Fehler. Vielleicht ist die Anspannung und in der Folge die Fehlerquote zu groß. Aber auch im schnellsten Sport der Welt gilt: In der Ruhe liegt die Kraft, was zugegebenermaßen leichter gesagt als umgesetzt ist.“

These drei: Charles Leclerc ist (noch) kein Fahrer von Weltmeisterformat.

Haug: „Das möchte ich nicht behaupten. Leclerc ist ein Könner, der aber noch zu häufig immer mal wieder einen unnötigen Fehler im Rennauto macht. Er wird das zweifellos abstellen und in der Folge nicht nur ein extrem schneller, sondern auch ein extrem fehlerloser Rennfahrer sein. Das Limit von oben zu suchen ist erfolgversprechender, als den Versuch von unten zu unternehmen.“

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These vier: Mick Schumacher hätte sich eine Vertragsverlängerung bei Haas durch seine zuletzt guten Leistungen verdient.

Haug: „Das hoffe ich sehr für Mick, und vielleicht kommt für ihn ja sogar noch ein anderes Angebot dazu. Der Hype um Mick Schumacher speziell in Deutschland, wo ‚er kann’s nicht‘ und ‚der neue Star‘ nur eine Woche auseinanderliegen, ist nicht hilfreich. Mick braucht Zeit und hat schon gute Leistungen gezeigt, und die muss er nun möglichst oft wiederholen, dann bekommt er mehr als nur ein Angebot.“

These fünf: Nach mehr als der Hälfte der absolvierten Rennen lässt sich sagen, dass sich die Regeländerungen vor der Saison positiv ausgewirkt haben.

Haug: „Absolut, die sind weitestgehend ein Volltreffer und schaffen spannende Rennen und Überholvorgänge. Manche Rennen in der Saison 2022 waren besser als alles, was die Formel 1 in ihrer über 70-jährigen Geschichte zu bieten hatte. Sehr bemerkenswert, zumal es auch Zeiten gab, in denen sich beabsichtigte Verbesserungen als Verschlimmbesserungen entpuppten.“

These sechs: Was Lewis Hamilton zuletzt aus dem nicht perfekten Mercedes rausgeholt hat, ist aller Ehren wert.

Haug: „Das kann man so sagen – und mehr als das. Wer sich nach 103 Formel-1-Siegen und sieben gewonnenen Weltmeistertiteln so aufrichtig über einen zweiten Platz freuen kann wie Lewis am letzten Sonntag beim Grand Prix Frankreich, ist ein großer Sportsmann.“

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