Reisemesse ITB

Fünf Prognosen für den Reisesommer 2022

Eine Frau entspannt im Pool auf einer Luftmatratze.

Koffer packen, ab in den Flieger oder ins Auto und am Strand bei sommerlichen Temperaturen die coronageplagte Seele baumeln lassen – das wünschen sich wohl viele Menschen. Die Hoffnung auf einen Sommer, der trotz Corona verhältnismäßig unbeschwertes Reisen möglich macht, ist groß. Nicht nur bei den Urlauberinnen und Urlaubern, sondern auch in der Reisebranche.

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Auf der Internationalen Reisemesse ITB beschäftigen sich Expertinnen und Experten in dieser Woche mit den aktuellen Themen der Tourismusindustrie – darunter die Pandemie und ihre Folgen sowie die Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine. Welchen Einfluss haben geopolitische Konflikte auf die Urlaubsplanung? Wie teuer werden Reisen? Und wohin zieht es die Deutschen? Fünf Prognosen für den Reisesommer 2022.

1. Der Sommerurlaub 2022 wird teurer

Der Sommerurlaub dürfte in diesem Jahr stärker ins Geld gehen. Wegen des Krieges in der Ukraine, der die Energiepreise zusätzlich nach oben treibt, seien höhere Preise beim Reisen nicht auszuschließen, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig.

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Die Lufthansa hat bereits steigende Ticketpreise angekündigt. Der Chef der FTI-Group, Ralph Schiller, empfiehlt daher eine frühe Urlaubsplanung: „Mit den gestiegenen Treibstoffkosten erhöhen sich dieses Jahr auch die Flugpreise. Wir gehen davon aus, dass es vor allem im weiteren Jahresverlauf zu Steigerungen kommen kann, dabei spielt unter anderem die Entwicklung der aktuellen politischen Lage eine wichtige Rolle.“

Nicht nur höhere Treibstoffkosten spielen eine Rolle. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie haben Hotels und Airlines vielerorts die Kapazitäten noch nicht wieder voll hochgefahren. Der Nachfragestau an Urlaubsreisen dürfte zu einem weiteren Kostenfaktor werden – vor allem an beliebten Zielen. Tui teilte mit, dass auf den griechischen Inseln Kreta, Rhodos, Korfu und Kos die Preise anziehen, teils seien Kontingente für den Sommer sowie Pfingsten schon knapp.

Auch in Deutschland müssen Reisende wohl tiefer in die Tasche greifen. Der Ferienhaussuchmaschine „Holidu“ zufolge sind bereits mehr als 70 Prozent der Angebote an der Ostsee ausgebucht. Die hohe Nachfrage nach Ferienwohnungen führe dazu, dass die Preise in Deutschland seit 2019 um 25 Prozent auf durchschnittlich 125 Euro pro Tag gestiegen sind. Es gibt aber regional deutliche Unterschiede: Besonders teuer ist es auf Sylt mit 190 Euro, die Rhön liegt mit 75 Euro am unteren Ende.

Auch die Mietwagenpreise haben seit Beginn der Pandemie kontinuierlich angezogen. Günstiger werden die Wagen dieses Jahr nicht, im Gegenteil: „An beliebten Zielen erwarten wir auch 2022 noch mal deutliche Preissteigerungen“, prognostiziert Frieder Bechtel, Sprecher der Vergleichsplattform „billiger-mietwagen.de“. Bereits jetzt lägen die Preise für ein Auto auf Mallorca im Sommer 19 Prozent über denen von 2021 – und sogar 167 Prozent über denen von 2019. Auch auf anderen Inseln wie Sardinien, Sizilien und Korsika werde es teuer, so Bechtel.

Büros verschiedener Autovermieter stehen am Flughafen von Palma de Mallorca. Mietwagen werden dieses Jahr erneut deutlich teurer.

Büros verschiedener Autovermieter stehen am Flughafen von Palma de Mallorca. Mietwagen werden dieses Jahr erneut deutlich teurer.

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2. Weniger Corona-Einschränkungen

Mit Blick auf die Pandemie verbessern sich die Rahmenbedingungen für den Tourismus zusehends. Immer mehr Länder heben umfassende Corona-Regeln auf oder planen, dies in absehbarer Zeit zu tun. Schweden, Norwegen, Island oder auch Slowenien haben inzwischen nicht einmal mehr Einreisebeschränkungen.

Auch in Deutschland sollen am 20. März die allermeisten Corona-Regeln fallen. Das geht aus dem Referentenentwurf für die Änderung des Infektionsschutzgesetzes hervor, auf den sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Justizminister Marco Buschmann (FDP) geeinigt haben. Er liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor. Danach sollen grundsätzlich nur noch gewisse Basismaßnahmen nötig sein – dazu gehören das Maskentragen unter anderem im öffentlichen Nahverkehr und Corona-Tests bei vulnerablen Gruppen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern.

Das würde bedeuten: In Hotels und anderen touristischen Unterkünften sowie in Restaurants würden 3G-Regeln und Maskenpflicht fallen. Außerdem soll es eine sogenannte Hotspotregelung geben: Danach sollen „in Gebietskörperschaften, in denen (…) die konkrete Gefahr einer sich dynamisch ausbreitenden Infektionslage“ und eine Überlastung der Krankenhauskapazitäten besteht, neben der Maskenpflicht auch Abstandsgebote, Hygienekonzepte sowie die Vorlage eines Impf-, Genesenen- oder Testnachweises angeordnet werden können.

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Zudem stuft Deutschland seit dem 3. März kein Land mehr als Hochrisikogebiet ein – damit fielen auch entsprechende Corona-Reisewarnungen. Nicht geimpfte Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer müssen nicht mehr in Quarantäne. Es erfolgt künftig keine Ausweisung mehr von Hochrisikogebieten aufgrund der Verbreitung der Omikron-Variante. Damit will die Bundesregierung vor allem das Reisen für Familien vereinfachen, „da Kinder unter zwölf Jahren oft nicht geimpft sind und sie daher der Quarantäne nicht entgehen können“.

3. Reisebranche erwartet (vorerst) keinen Kriegsdämpfer

Die Reisebranche berichtet auf der Internationalen Reisemesse ITB über weiter steigende Buchungszahlen, doch der Krieg in der Ukraine stellt die Tourismusbranche nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) vor zusätzliche Herausforderungen. „Der Krieg und die internationalen Reaktionen darauf werden Folgen für unser aller Leben haben, für die Wirtschaft und unsere internationale Industrie“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Tourismusforscher Martin Lohmann verweist aber auf die geringeren Folgen früherer Krisen. „Krieg und Terror können ganze Gesellschaften in Angst versetzen. Aber Reisen während Krisen sind die Regel, nicht die Ausnahme“, so der wissenschaftliche Leiter des Tourismusforschungsinstituts NIT. Er ist verantwortlich für die jährliche Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen – die größte unabhängige Untersuchung darüber, wie die Deutschen ihre Ferien verbringen.

Zwar sei eine Vorhersage zur weiteren Entwicklung des Kriegs in der Ukraine nicht möglich, räumte Lohmann ein. Aber in der Vergangenheit hätten Konflikte – Anschläge in der Türkei, der Jugoslawien-Krieg, der 11. September oder Umstürze in Nordafrika – den internationalen Tourismus kaum ausgebremst, Urlauber seien stattdessen auf andere Länder ausgewichen. Diese Erkenntnisse gelten so lange, wie sich der Krieg nicht über die Ukraine hinaus ausweitet.

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Auch Marktführer Tui ist zuversichtlich: „Vieles deutet darauf hin, dass wir in diesem Jahr ein Sommergeschäft sehen werden, das an das Vorpandemieniveau herankommt oder es sogar erreichen wird“, sagte Deutschland-Chef Stefan Baumert.

4. Reisende buchen kurzfristiger und häufiger online

Flexibilität ist seit Pandemiebeginn eine Grundbedingung für den Tourismus. Während die Mehrheit der Reisenden in Deutschland für den Antritt internationaler Reisen 2019 noch eine Entscheidungszeit über drei Monaten brauchte, entscheiden sich dem Global Consumer Survey (GCS) von Statista zufolge mittlerweile 28 Prozent der Touristinnen und Touristen innerhalb von ein bis drei Monaten. Knapp ein Viertel bucht sogar weniger als vier Wochen vor Reiseantritt.

Die Relevanz von Reiserücktrittsversicherungen ist im Vor-Corona-Vergleich um fast 10 Prozent gestiegen, die von Reiseabbruchsversicherungen sogar um mehr als 20 Prozent. Der Kundenwunsch nach Flexibilität drückt sich der Untersuchung zufolge auch darin aus, dass die Nutzung von Online-Buchungs-Apps um über 40 Prozent im Vergleich mit 2019 zugenommen hat.

5. Jüngere Reisende bleiben häufiger in Deutschland

Im Ausland sind vor allem Klassiker rund ums Mittelmeer beliebt. Sie verzeichnen „Zuwächse, die sogar über dem Niveau von 2019 liegen“, so Tui-Deutschland-Chef Baumert. Topfavoriten seien Mallorca, die türkische Riviera und die griechischen Inseln Kreta, Rhodos und Kos. Das beliebteste Ziel der Deutschen ist und bleibt aber das eigene Land – auch wenn der Anteil der Inlandsreisen wohl wieder sinken wird.

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2021 habe der Anteil der Inlandsreisen an allen 55 Millionen Urlaubsreisen bei 37 Prozent gelegen, 2020 noch bei 45 Prozent, sagt Tourismusforscher Lohmann. Für dieses Jahr rechnet Lohmann mit einem erneuten Rückgang des Inlandsanteils bei gleichzeitigem Anstieg des Gesamtvolumens auf 60 bis 70 Millionen Urlaubsreisen.

Aber: Vor allem für Jüngere hat sich Deutschland seit Covid zum Trendziel entwickelt, wie Daten des Global Consumer Survey (GCS) von Statista aus dem Februar 2022 zeigen. Demnach wollen mehr als 38 Prozent der unter 30-Jährigen auch nächstes Jahr noch eine Inlandsreise vornehmen – das ist eine Steigerung von fast 25 Prozent.

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