Auswirkungen auf Sommerurlaub?

Sturmfluten spülen Strand auf Nordseeinseln weg: Folgen für den Sommerurlaub?

Ein Mann fotografiert den Strand und die Abbruchkante auf der Insel Wangerooge beim Durchgang des Sturmtiefs „Ylenia“.

Immer wieder spülen kräftige Stürme Teile der Nordseeinsel-Strände weg, besonders stark traf es zuletzt Wangerooge und Baltrum. Auf beiden Inseln sind während der Orkantiefs „Nadia“, „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“ rund 90 Prozent des jeweiligen Badestrandes fortgespült worden. Abbruchkanten von mehreren Metern Länge und Höhe sind die Folgen. Hat das Auswirkungen auf den Sommerurlaub?

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In Baltrum sei noch offen, wie ein normaler Badebetrieb mit Strandkörben, Spiel- und Sportgeräten auf dem bisherigen Strand bis zum Sommer wieder möglich sei. Inselbürgermeister Harm Olchers (parteilos) forderte vom Land schnelle Hilfe, um den Badestrand wiederherzustellen. Außerdem regte er in einer Mitteilung an, Konzepte und Ideen für die Zukunft zu sammeln, um mehr Sand außerhalb der Sturmflutsaison an den Stränden der Ostfriesischen Inseln zu sichern. Auch andere Inseln wie Langeoog und Norderney hatten Sandverluste gemeldet. Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) signalisierten bereits Hilfe. Ende März soll es zu dem Thema eine Inselkonferenz geben.

Der Strand der Nordseeinsel Baltrum ist durch die Sturmtiefs fast komplett weggespült worden.

Der Strand der Nordseeinsel Baltrum ist durch die Sturmtiefs fast komplett weggespült worden.

Strand auf Wangerooge wird jährlich aufgeschüttet – auch 2022

Auf Wangerooge ist klar: Der Strand soll für den Sommer wieder touristentauglich gemacht werden. Das Phänomen ist nicht neu: Im Winter reißt das Meer regelmäßig den Strand weg, im Frühling füllen ihn große Baufahrzeuge wieder für Urlaubende auf. Rund 260.000 Euro kostet die Aufschüttung pro Jahr: „In diesem Jahr rechne ich eher mit 350.000“, zitiert die „Hannoversche Allgemeine“ (HAZ) Inselbürgermeister Marcel Fangohr. Diesmal soll der Badestrand mit rund 60.000 Kubikmeter Sand wiederhergestellt werden – so viel haben durch „Zeynep“ bedingte Sturmfluten Mitte Februar mitgerissen. Bei der dem ständigen Aufwand und den hohen Kosten stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, den Strand einfach der Natur zu überlassen.

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Dies sei aufgrund des Küstenschutzes und Tourismus nicht möglich, so Fangohr. Ohne den Strand, der das Deckwerk schützt, würde Wangerooge immer weiter nach Osten wandern und irgendwann in der Fahrrinne vor Wilhelmshaven landen. Die Insel schütze zudem das Festland vor Schäden durch das Meer.

Außerdem sei der Strand ein Magnet für Touristinnen und Touristen. Fielen diese weg, hätte das Auswirkungen auf alle Betriebe: die Gastronomie, Hotellerie, Vermietung von Ferienwohnungen sowie den Strandkorb- und Fahrradverleih. Würde man den Hauptstrand ein paar Kilometer weiter nach Osten zu verlegen, wäre dies zwar günstiger, da es dort einen natürlichen Sandvorrat zum Auffüllen gibt. „Für die meisten Gäste ist das aber zu weit weg“, so Fangohr. Zudem fehle dort die Infrastruktur, und wegen der Nähe zum Nationalpark sei das Aufstellen von Strandkörben verboten.

Touristenmassen auf Wangerooge? Bewohner setzen sich gegen Bau von Luxushotels ein

Die Insulanerinnen und Insulaner diskutieren derweil über Overtourism auf Wangerooge. Besonders im Sommer seien ausgebuchte Fähren, volle Restaurants, überfüllte Strände und Touristinnen und Touristen, die immer wieder den Seehunden viel zu nahe kommen, gang und gäbe. „Die Insel ist jetzt schon am Limit. Es muss in eine andere Richtung gehen“, sagt Rentner Thomas Beckmann der „HAZ“.

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Als Mitglied der Bürgerinitiative (BI) setzt er sich auch gegen den Bau zweiter Luxushotels mit 400 Betten ein, die auf dem Grundstück gebaut werden sollen, wo sich derzeit unter anderem noch die Kurverwaltung befindet. Mehr als 400 Unterschriften hat die Initiative für ein Bürgerbegehren gesammelt und Mitte Januar dem Bürgermeister überreicht. Nun muss die Gemeinde innerhalb von drei Monaten einen Bürgerentscheid ausrichten, bei dem die Inselbewohnerinnen und -bewohner über den Grundstücksverkauf abstimmen.

Statt den Tourismus herunterzuschrauben, möchte Fangohr die Insel noch attraktiver für Reisende machen. Denn die Zahl der Tagestouristen sei in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken, Hotels hätten geschlossen und viele Eigentümerinnen und Eigentümer ihre Ferienwohnungen abgemeldet. Die Touristenmassen im Ortskern erklärt er mit der städtebaulichen Struktur des Ortes. „Früher gab es mehr Gastronomie im Süden des Ortes. Nun ist alles sehr auf die Promenade konzentriert.“ Daher wirbt der Bürgermeister für das Projekt der Luxushotels, das die verschuldete Gemeinde gut gebrauchen könnte.

RND/bv/dpa

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