Airbnb, Flixbus und Co.

Kostenlose Unterkünfte, Flüge und Bahnfahrten: Reisebranche hilft Ukraine-Flüchtlingen

Flüchtlinge aus der Ukraine machen Pause an der polnisch-ukrainischen Grenze. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind nach UN-Angaben bereits 677.000 Menschen in Nachbarländer geflüchtet.

Flüchtlinge aus der Ukraine machen Pause an der polnisch-ukrainischen Grenze. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind nach UN-Angaben bereits 677.000 Menschen in Nachbarländer geflüchtet.

Der 24. Februar bedeutet eine Zeitenwende in Europa: Erstmals seit des Zweiten Weltkrieges wurde ein Land in Europa aktiv angegriffen und mit Raketen beschossen. Während Russland durch den Angriffskrieg international weitestgehend isoliert wurde, ist die Solidarität mit der Ukraine omnipräsent. Ob es um Spenden, Waffenlieferungen oder auch die Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen geht – Europa steht zusammen.

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Auch die Reisebranche hat auf den Krieg in der Ukraine reagiert und zahlreiche Maßnahmen eingeführt – von geänderten Reiserouten und kostenfreien Angeboten für Ukrainer und Ukrainerinnen bis hin zu abgesagten Reisen.

Wizz Air: Die ungarische Airline Wizz Air stelle 100.000 kostenlose Sitzplätze auf Kurzstreckenflügen bereit, die im März von Polen, der Slowakei, Ungarn und Rumänien abfliegen. Buchungen seien möglich auf einer speziellen Buchungswebsite. Angegeben werden muss dort dann die Nummer des ukrainischen Passes.

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Airbnb: Bis zu 100.000 Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind, will Airbnb kostenfrei unterbringen. Noch ist das Programm nicht angelaufen, Details sollen aber in Kürze folgen. Die Unterkünfte werden vom „Airbnb.org Refugee Fund“ sowie beteiligten Gastgeberinnen und Gastgebern finanziert und sollen für Flüchtende vorübergehend zur Verfügung gestellt werden.

Couchsurfing: Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Plattform Couchsurfing, auf der Menschen Reisenden kostenlose Übernachtungsplätze zur Verfügung stellen, kostenpflichtig. Für Menschen in der Ukraine wurde die Pay Wall nun entfernt – sie können Couchsurfing kostenfrei nutzen und unbegrenzt viele Anfragen an Gastgeberinnen und Gastgeber verschicken, um eine Unterkunft zu bekommen. Für Gastgeberinnen und Gastgeber bleibt Couchsurfing allerdings kostenpflichtig.

Deutsche Bahn: Seit Sonntag, 27. Februar, können Menschen aus der Ukraine kostenlos Fernzüge der Deutschen Bahn aus Polen und Tschechien nutzen. Seit Dienstag, 1. März, gilt der kostenlose Transfer in allen Zügen – Fern- wie Nahverkehr – in Deutschland. Damit soll Menschen die Flucht aus dem Kriegsgebiet erleichtert werden und ihnen geholfen werden, Verwandte oder Bekannte in ganz Deutschland zu erreichen. Im Nahverkehr sowie in Zügen aus dem Grenzgebiet zu Polen und Tschechien reicht der Identitätsnachweis (Reisepass oder Personalausweis) als Ticket, für den Fernverkehr führt die DB das Ticket „helpukraine“ ein, das in allen DB-Reisezentren und DB-Agenturen in Deutschland ausgegeben wird.

Zudem reagiert die Deutsche Bahn mit einem umfassenden Maßnahmenpaket, wie das Unternehmen mitteilte. Mitarbeitende, die Familie in der Ukraine haben, dürfen sich kurzfristig und flexibel freinehmen. Die Stiftung „Stiftungsfamilie BSW & EWH“ werde 300.000 Euro für Flüchtende zur Verfügung stellen, Integrationshelfende sollen bei organisatorischen und rechtlichen Fragen helfen. Zudem sollen Hotels und Ferienanlagen der Stiftungsfamilie für Flüchtende als Unterkunft genutzt werden.

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Flixbus: Die Fernbuslinie Flixbus bedient seit 2019 Strecken innerhalb der Ukraine sowie internationale Strecken in und aus der Ukraine. Einige der innerukrainischen Strecken sind weiterhin in Betrieb, zudem wurden zusätzliche Verbindungen mit 40 Bussen von und nach Przemyśl an der polnischen Grenze zur Ukraine angeboten. Damit soll Flüchtenden die Reise erleichtert werden. Seit Sonntag, 27. Februar, gibt es zudem kostenlose Tickets für Flüchtende aus der Ukraine. Buchen lassen sich die Gratistickets am Busbahnhof von Przemyśl sowie online. Neben dem Transportangebot für Menschen bringt Flixbus bei den Touren an die polnisch-ukrainische Grenze sowie in die Ukraine auch Hilfsgüter zu den vom Krieg betroffenen Menschen.

Flüge: Die meisten Länder haben ihren Luftraum für russische Flüge gesperrt – im Gegenzug dazu hat auch Russland den Luftraum für viele europäische Länder gesperrt. Der deutsche Luftraum ist seit Sonntag, 27. Februar, und vorerst für drei Monate für Maschinen und Airlines aus Russland gesperrt. Reisende, die in Richtung Asien unterwegs sind, sollten zunächst mit deutlich längeren Flugzeiten oder Annullierungen rechnen, da die Flugzeuge Umwege nehmen müssen, um nicht über Russland zu fliegen. Wer aktuell nach Russland reisen möchte, kann entweder über Land reisen oder aber muss über Drittstaaten mit Airlines fliegen, für die der russische Luftraum noch offen ist. Da immer mehr Länder zu Sanktionen greifen, wird die Liste der möglichen Airlines und Zwischenstopps permanent kürzer.

Kreuzfahrten: Zahlreiche Reedereien haben angekündigt, bis auf Weiteres keine Häfen in Russland und der Ukraine anzufahren. Tui Cruises gab an, „mit großer Anteilnahme und Besorgnis“ den russischen Angriff zu verfolgen und sich deshalb entschieden zu haben „aus ethischen und moralischen Gründen“ die Routen der Ostsee-Kreuzfahrten zu ändern. St. Petersburg und Sotschi in Russland sowie Odessa in der Ukraine werden als Stopps gestrichen und wahrscheinlich durch Klaipeda (Litauen), Riga (Lettland), Kopenhagen (Dänemark) oder Visby (Schweden) ersetzt. MSC Cruises wird in St. Petersburg ebenfalls nicht einlaufen, stattdessen würden die vier betroffenen Kreuzfahrtschiffe alternativ wohl in Stockholm, Helsinki oder Tallinn halten.

Wie genau die Alternativfahrpläne von Carnival Corporation, zu der auch Aida Cruises und Costa Kreuzfahrten gehören, aussehen werden, ist noch nicht bekannt. Man werde Russland aber nicht mehr anlaufen, heißt es: „We stand for peace“ (Wir stehen für den Frieden). Als erste Reederei hatte Norwegian Cruise Lines bekannt gegeben, Russland aus dem Programm zu streichen. Auch Atlas Ocean Voyages, Viking Cruises, Saga Cruises und Windstar Cruises werden Russland zunächst nicht mehr anlaufen. Die Reedereien Royal Caribbean und Hapag Lloyd haben sich noch nicht dazu geäußert, wie sie mit Russland-Stopps umgehen wollen.

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Russland-Reisen: Aus „ethischen und moralischen Gründen“ hat Berge & Meer Russland-Reisen vorerst abgesagt, verrät ein Banner auf der Website. Damit ist das Reiseunternehmen nicht alleine: Zahlreiche Veranstalter sagten Russland-Touren ab oder setzten diese aus. FTI hat Reisen in die Ukraine bereits Mitte Februar ausgesetzt, Russland-Reisen wurden nach dem Überfall auf die Ukraine vorübergehend aus dem Programm genommen.

Der deutsche Marktführer bei Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn, Lernidee Erlebnisreisen, hat seine Russland-Reisen bis Ende Juni 2022 abgesagt. „Wir fühlen uns aus ethischen und moralischen Gründen verpflichtet, ein klares Zeichen zu setzen“, sagt auch Manfred Häupl, Geschäftsführer von „Hauser Exkursionen“. Deshalb wurden alle Russland-Reisen bis auf Weiteres eingestellt. Einzig der Veranstalter Go East bietet nach wie vor Touren an – wenn auch das Interesse an Russland-Reisen durch Corona und nun durch den Krieg sehr gering sei. Einstellen möchte man die Angebote aber nicht, da das die falschen Personen träfe, so Go-East-Chef Jochen Szech.

UNWTO: Die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen, UNTWO, hat sich bislang eher verhalten positioniert und fordert aufgrund des Krieges lediglich die Aufhebung von coronabedingten Reisebeschränkungen. Man verurteile den „einseitigen und ungerechtfertigten Aggressionsakt“ und setzte sich für Diplomatie in der Krise ein. Die Werte des Tourismus seien eine Säule des Friedens und der Solidarität, sagte UNWTO-Generalsekretär Zurab Pololikashvili. Deshalb sei es wichtig, Reisebeschränkungen aufzuheben und zu lockern, wo immer es möglich sei. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Reisebeschränkungen unwirksam seien und wirtschaftlich wie sozial großen Schaden anrichteten.

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