Ex-Formel-1-Rennfahrer in der Kritik

Luxusvillen von Ralf Schumacher sorgen in Südafrika für Ärger

Ralf Schumacher.

Kapstadt. Schattige Wälder, Weinberge und historische Häuser im kapholländischen Stil – das ist der Kapstädter Vorort Constantia. Der Bezirk im Süden der Metropole ist eng mit der Geschichte Südafrikas verbunden. 1652 landete der holländische Kolonialbeamte Jan van Riebeeck am Kap der Guten Hoffnung, vertrieb die Ureinwohner und pflanzte in Constantia die erste Weinrebe in der Kapkolonie. Heute fühlen sich einige Bewohnerinnen und Bewohner in diese Vergangenheit zurückversetzt, wenngleich mit vertauschten Rollen: Die Nachbarschaft ist überwiegend weiß und wohlhabend, der „Eindringling“ in ihren Augen ein Deutscher.

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Ralf Schumacher betreibt in Constantia das Boutique-Hotel „Villa Coloniale“. Vor ein paar Monaten erwarb er auch das Nachbargrundstück, auf das er bis zu 13 Luxuseinfamilienhäuser bauen möchte. Allerdings: Seine Nachbarn fürchten dadurch eine „Verschandelung“ ihres schönen Bezirks. „Das eingereichte Bauvorhaben ist dicht gedrängt und doppelstöckig, was nicht zu diesem Vorort passt und eine Entwicklung darstellt, die in dieser Gegend einfach fehl am Platz ist“, sagt Anrainer Richard Fienberg. Er lebt seit 21 Jahren in Constantia und sein Grundstück grenzt an zwei Seiten an das von Schumacher. Durch dessen Projekt drohe Constantia seinen „einzigartigen ländlichen Charakter“ zu verlieren, so Fienberg.

„In dieser Gegend einfach fehl am Platz ist“

Eine andere Nachbarin erwartet, dass sich die Liegenschaft zu einem „Elitespielplatz für die Reichen aus Übersee“ entwickle. Und das ausgerechnet auf dem Stück Land mit angrenzendem Bach, das die Nachbarn jahrelang zum Joggen, Spazieren, Reiten und Gassigehen mit ihren Hunden nutzten. Seit Februar zieht sich ein Zaun um das zwei Hektar große Gelände.

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Die Nachbarn mobilisieren in Lokal- und Wochenzeitungen gegen die Baupläne – und Schumacher versteht die Welt nicht mehr. „Ich weiß nicht, worüber sich die Nachbarn aufregen. Ich weiß ja selber noch nicht mal, was ich baue“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Pläne seien bei der Stadtverwaltung eingereicht, aber wie viele Häuser die Behörden tatsächlich genehmigen, sei Zukunftsmusik. Und Baubeginn frühestens 2023. Fest stehe, dass die lokale Bauordnung „strikt wie in Deutschland und Europa“ sei und daher „alles rechtens“ vor sich gehe.

Im Zentrum des Disputs steht die offizielle Widmung des Bodens. Die Nachbarn beharren darauf, dass es sich bei dem idyllischen Ort um „öffentlichen Grund“ handelt, Schumacher nennt dies einen „Fehler“. Diesen habe die Verwaltung bereits richtiggestellt. „Dieser ganze Besitz gehörte einem Bauern, er war 120 Jahre in Familienbesitz. Der Mann, der ihn mir verkauf hat, ist der Urenkel oder Enkel des ehemaligen Besitzers. Es war landwirtschaftlicher Grund.“ Zudem habe er seinen Nachbarn, wie vom Gesetz vorgeschrieben, einen Spazierweg entlang des Baches überlassen.

Schumacher wirft Nachbarn „Schikane“ vor

Auch Naturschützer rief das Bauprojekt auf den Plan. Sie sehen Schumachers Grundstück als Rückzugsort für bedrohte Tierarten wie die Westliche Leopardenkröte, das Kap-Zwergchamäleon oder das Stachelschwein. Schumacher kontert: „Es wurde ein Umweltverträglichkeitsgutachten durchgeführt, bevor wir überhaupt angefangen haben.“ Dass seine Nachbarn ihm nun Umweltzerstörung vorwerfen, sei „Schikane“. Außerdem hätten aufgebrachte Anwohner das Personal seines Hotels auf der Straße angehalten und „beleidigt“. „Das ist das Allerletzte. Dafür habe ich kein Verständnis“, so Schumacher.

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Der Baustreit ist nicht der einzige, der aktuell Südafrikas älteste Stadt beschäftigt. Nur elf Kilometer weiter nördlich kämpfen Aktivisten gegen die Pläne von Amazon, das in Kapstadt seine neue Afrikazentrale aufschlagen will. „Das koloniale Hauptquartier muss verhindert werden“, skandieren die Gegner auf Protestplakaten und in Zeitungsartikeln. Sie beschuldigen den Internetriesen, auf ökologisch wertvollem Gebiet zu bauen, dessen Boden obendrein mit Blut getränkt sei. Für die Khoisan, die ursprünglichen Einwohner des Kaps, habe dieser eine historische Bedeutung. „Es war hier, wo die koloniale Eroberung begann und zurückgeschlagen wurde“, so ein Vertreter der Indigenen.

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