Sorge vor Ansteckungsgefahr

Bürger verunsichert: viele Anfragen bei Gesundheitsämtern wegen Affenpocken

Impfpass der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Viele Menschen fragen sich, ob sie sich gegen Affenpocken impfen lassen sollen.

Berlin. Kaum entspannt sich die Corona-Lage in Deutschland, schon stehen die Gesundheitsämter mit den Affenpocken vor der nächsten Herausforderung. Zwar sind die Fallzahlen bisher noch sehr gering, und die Affenpocken werden sich wohl auch nicht wie das Coronavirus zur Pandemie entwickeln, allerdings erreichen die Gesundheitsämter derzeit viele Anfragen von verunsicherten Bürgerinnen und Bürgern.

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„Die Gesundheitsämter sind mit ihrer Pandemieerfahrung natürlich erster Ansprechpartner für solche Fragen“, sagt Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). Seine Mitarbeiter müssen derzeit die Sorgen vieler Menschen beruhigen. Hauptthema ist dabei neben der Frage der Ansteckungsgefahr vor allem die Möglichkeit nach einer Impfung gegen die Viruskrankheit.

Impfstoff nur für Erkrankte und Kontaktpersonen

Die Erwartung der Menschen müsse dann oft enttäuscht werden. Mit dem Affenpocken-Impfstoff, dessen Bestellung Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zuletzt angekündigt hat, könnten höchstens Infizierte und deren Kontaktpersonen geimpft werden. Viele Menschen haben durch eine Pockenimpfung zudem noch eine Teilimmunität gegen die Affenpocken. Konkret sind es die vor 1976 Geborenen, die im Regelfall eine solche Impfung erhalten haben.

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Laut Nießen ist es nun vor allem die Aufgabe der Gesundheitsämter, eine Stigmatisierung zu vermeiden und Aufklärung zu leisten. Seit den HIV-Wellen gebe es dafür mittlerweile genügend Fachärzte. Während der HIV-Ausbrüche in den 1980er- und 1990er-Jahren wurde Aids zunächst oft als „Schwulenkrankheit“ bezeichnet und damit Katalysator für homophobe Vorurteile. Auch die Affenpocken traten zunächst vor allem unter Männern auf.

Trotz der vielen Anfragen seien die Gesundheitsämter natürlich in erster Linie für die konkret Betroffenen zuständig. Dabei „ist das Prinzip der Kontaktnachverfolgungen dasselbe wie bei allen anderen Infektionskrankheiten“, erklärt Verbandschef Nießen. Für die Erkrankten würden dann wie schon bei den Corona-Fällen eine Quarantäne verhängt und mögliche Kontaktpersonen ermittelt.

Laut Nießen kommt es dabei vor allem auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen an: „Wir haben gesehen, dass es nicht funktioniert, wenn einzelne Länder verschiedene Maßnahmen verhängen.“

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Grundsätzlich seien die Gesundheitsämter besser als vor der Corona-Pandemie auf neue Notlagen eingestellt. So stellt der Bund insgesamt 4 Milliarden Euro für zusätzliche Stellen und die Digitalisierung der Behörden zur Verfügung.

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Trotzdem besteht hier weiter Nachholbedarf. „Zwar findet mittlerweile die Kommunikation mehrheitlich digital statt, es gibt aber immer noch Player im Gesundheitssystem, die ich nur mit dem Faxgerät erreiche“, berichtet der BVÖGD-Vorsitzende. Auch die neu geschaffenen Stellen seien noch nicht komplett besetzt. Ob das zusätzliche Geld ausreiche, würde sich erst in zwei bis drei Jahren zeigen.

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