Panzer und Geschütze zurückgelassen

Russlands Waffendebakel in der Ukraine: Wie geschwächt ist Putins Armee?

Ukrainische Soldaten stehen auf einem zerstörten russischen Panzer in einem zurückeroberten Gebiet in der Region Charkiw.

Ukrainische Soldaten stehen auf einem zerstörten russischen Panzer in einem zurückeroberten Gebiet in der Region Charkiw.

Mit einem kleinen Lächeln und einem Daumen nach oben steht der junge ukrainische Soldat vor dem Panzer in der Region Charkiw, als er das Selfie macht. Ein russischer Panzer, das Z-Symbol in weißer Farbe noch gut lesbar, zurückgelassen beim fluchtartigen Rückzug russischer Streitkräfte. Von der ukrainischen Gegenoffensive überrascht, flüchteten viele russische Soldaten auf leichten Fahrzeugen und ließen schweres Kriegsgerät einfach zurück.

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Bilder und Videos mit Dutzenden Panzern und militärischem Gerät machen im Internet die Runde. Täglich kommen neue dazu. Unabhängig überprüfen lassen sich die Bilder aus den Kriegsgebieten nicht.

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Nach Berechnungen des Magazins „Forbes“ hat Russland innerhalb der ersten fünf Tage der ukrainischen Gegenoffensive militärisches Material im Wert von mindestens 700 Millionen US-Dollar verloren. Unter anderem zählt der Bericht 86 Panzer, 158 gepanzerte Kampf­fahrzeuge, 106 Artillerie­systeme und neun Haubitzen sowie einen Jagdbomber und ein Artillerie­aufklärungs­radar auf.

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+++Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog+++

„Die Verluste an militärischem Material und an Fahrzeugen kann Russland nicht einfach ausgleichen“, sagt Christian Mölling, Militär­experte und Forschungs­direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). „Selbst wenn Russland Nachschub produzieren könnte, würde es sehr lange dauern“, sagt Mölling dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Aber dem Land würden wesentliche Teile fehlen, um diese moderneren Waffensysteme herstellen zu können.

„Das Technologie­­embargo des Westens erfüllt hier seinen Zweck und verhindert, dass Russland an Sensorik und andere wichtige Technik gelangt, die letztendlich die Kampfkraft eines modernen Panzers ausmachen.“ Russland werde auf absehbare Zeit die enormen Verluste nicht einfach wieder ausgleichen können.

Putin: Haben es in der Ukraine nicht eilig

Russland habe es nicht eilig, seine „spezielle Militäroperation“ in der Ukraine zu beenden, sagte Präsident Wladimir Putin am Rande eines Mehrstaatengipfels.

In der Region Charkiw haben die ukrainischen Soldaten eine russische Reparatur­werkstatt bei Isjum regelrecht überrannt und laut dem ukrainischen Generalstab mehr als 200 moderne gepanzerte Fahrzeuge der Russen erbeutet. Zahlreiche Panzer sowjetischer Bauart waren der Ukraine bereits zu Beginn der Offensive Anfang September in die Hände gefallen. „Die russischen Truppen gehören zu den besten Ausrüstungs­lieferanten unserer Armee“, scherzte selbst der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Jetzt nutzt die Ukraine die zurückgelassenen Panzer der Russen, um ihre Geländegewinne abzusichern und weitere Gebiete zurückzuerobern, heißt es im Lagebericht des Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) in Washington. Während die Russen beim Abzug aus der Region Kiew im April vor allem kaputte Ausrüstung zurückließen, handele es sich nun um „hochwertigeres und funktionsfähiges Material“.

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Russische Waffensysteme haben für die Ukraine den Vorteil, dass die ukrainischen Soldaten die Waffen sowjetischer Bauart bereits kennen und die im Umlauf befindliche Munition verwenden können. Durch die Einnahme russischer Munitions­depots erhalten sie unfreiwillig neue Munition und müssen nicht erst Lieferketten für russische Munition aufbauen.

Die Verluste an modernen Waffen sind auf russischer Seite enorm, beobachtet auch Oberst Reisner vom österreichischen Bundesheer. „Trotzdem schafft es Russland bisher noch, die Verluste zu kompensieren“, sagt er im Gespräch mit dem RND. „Jede Woche sehen wir ein bis zwei Militärzüge aus Russland, die Kriegsgerät an die Front bringen.“ Die massive Abnutzung des russischen Materials sei zwar auf den Bildern erkennbar, aber die russischen Kräfte würden darunter kaum leiden.

Mit den Drohnen aus dem Iran ist Russland inzwischen in der Lage, die Ukraine tief im Inneren anzugreifen.

Markus Reisner,

Oberst des Generalstabsdienstes im österreichischen Bundesheer

Damit den russischen Streitkräften die Waffen nicht ausgehen, hat Russlands Präsident Wladimir Putin nun eine deutliche Steigerung der Rüstungs­produktion angekündigt. Die Rüstungs­industrie müsse in kürzester Zeit die Lieferung der nötigen Waffen und Technik für die Soldaten gewährleisten, zitiert die staatliche russische Nachrichtenagentur Interfax Putin.

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Neben der heimischen Rüstungs­industrie setzt der Kremlchef zunehmend auf die Hilfe des Iran. „Mit den Drohnen aus dem Iran ist Russland inzwischen in der Lage, die Ukraine tief im Inneren anzugreifen“, beobachtet Oberst Reisner. Die iranischen Drohnen sorgen für empfindliche Gegenschläge, die Abnutzung der ukrainischen Streitkräfte nehme laut Reisner zu. Waffen der Russen zu erbeuten reicht daher nicht. Um diesen Angriffen etwas entgegen­zu­setzen, betont Reisner, sei die Ukraine auf Fliegerabwehr­systeme aus dem Westen angewiesen.

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