Moderne Sklaverei, Mietwucher, Prostitution: Reportage erhebt schwere Vorwürfe gegen Tönnies

„Inside Tönnies“: Reportage bei Sat.1

„Inside Tönnies“: Reportage bei Sat.1

Eine neue Reportage über Deutschlands größten Fleischkonzern Tönnies wirft dem Unternehmen vor, nur unzureichend gegen Missstände vorzugehen. „Der Betrieb steht wie kaum ein anderer für miserable Lohn- und Lebensbedingungen“, heißt es in der 90-minütigen Reportage, die am Dienstagabend (20.15 Uhr) bei Sat.1 ausgestrahlt wird.

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Bei Tönnies herrschten Ausbeutung, Mietwucher, Angst und Kontrolle, kritisiert die Reportage und spricht von „moderne Sklaverei mitten in Deutschland“. Im Sommer 2020 kam es in der Fleischfabrik in der Stadt zu einem der größten Corona-Ausbrüche in NRW. Mehr als tausend Angestellte hatten sich infiziert.

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies lenkte damals den Blick auf die Wohn- und Arbeitssituation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In der Kritik standen neben mangelnden Infektions­schutzmaßnahmen vor allem die Arbeits- und Wohnsituation der Leiharbeiterinnen und -arbeiter. Die Reportage wirft dem Fleischkonzern vor, die Missstände entgegen der öffentlichen Ankündigungen nicht behoben zu haben.

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Tönnies-Mitarbeiter: „Mietwucher“ und „Arbeiterghettos“

Die Politik war im Sommer 2020 gegen die Werkverträge in der Fleischindustrie vorgegangen und hatte sie zum 1. Januar 2021 verboten. So sollte verhindert werden, dass in den Schlacht- und Zerlegebetrieben die Kernarbeit nicht von festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern von osteuropäischen Werkarbeiterinnen und -arbeitern geleistet wurde. Tönnies musste daraufhin die Arbeitskräfte selbst anstellen, anstatt sie über Subunternehmen zu beschäftigen.

Doch nach Abschaffung der Werkverträge habe sich die Situation nicht verbessert, berichtet die Reportage. Zwar hätten Angestellte einen deutschen Vertrag mit einem besseren Gehalt bekommen. Doch das Geld habe sich Tönnies über eine deutliche Mieterhöhung direkt wieder zurückgeholt, so die Reportage. Denn Tönnies ist laut Reportage nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Vermieter.

Laut der Reportage gebe es auch Hinweise auf Prostitution auf dem Firmengelände: Erst würden Frauen im Schlachtbetrieb arbeiten und sich nach Schichtende auf dem Parkhaus des Unternehmens prostituieren.

„Der Unternehmer missachtet noch immer deutsche Gesetze“, kritisiert die Sendung. Unter anderem sei die Überwachungsklausel im Arbeitsvertrag rechtswidrig, so die Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen Sabine Fuhrmann.

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Subunternehmer weiterhin für Tönnies tätig

Ehemalige Tönnies-Subunternehmer würden zudem weiterhin für den Fleischkonzern arbeiten und Arbeitgeberpflichten übernehmen, wie zum Beispiel Arbeitsverträge ausreichen. In der Reportage kommen mehreren ehemalige und aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Tönnies zu Wort. Das Kamerateam filmt viele Zimmer, in denen die Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Ausland untergebracht sind. Es gebe weiterhin „Arbeiterghettos“, Schimmel in vielen Räumen und regelrechten Mietwucher. Davon profitiere der Tönnies-Konzern, so der Vorwurf, da er auch als Vermieter auftritt und die Miete für die Zimmer direkt vom Gehalt abzieht.

Kritik übt die Reportage auch an den Arbeitsbedingungen: Sat.1 hatte eine Journalistin eingeschleust, die als neue Mitarbeiterin die Zustände dokumentieren sollte. Demnach soll es ihr und den anderen Mitarbeitenden nur zweimal am Tag erlaubt gewesen sein, auf Toilette zu gehen und etwas trinken. Dies habe „hygienische Gründe“, hieß es. Eine ehemalige Notärztin berichtete zudem von Selbstmord, abgetrennten Gliedmaßen und psychischen Erkrankungen der Mitarbeitenden.

Tönnies kritisiert Reportage

Der Tönnies-Konzern hat in einer Stellungnahme vor der Ausstrahlung am Dienstag kritisiert, nicht mit konkreten Inhalten oder gar Vorwürfen konfrontiert worden zu sein. Man habe „mehr als 4.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach fest definierten Standards renovierten und möblierten Wohnraum zur Verfügung gestellt“, so das Unternehmen. Zudem wies Tönnies die Aussage zurück, dass Anwälte des Unternehmens versucht hätten, die Berichterstattung zu verhindern. Man werde die Inhalte der Sendung aufmerksam verfolgen, kündigte der Konzern an.

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