Außenhandel mit China: Der Einsiedlerstaat Nordkorea öffnet seine Pforten

Eine Brücke, die Chinas Dandong und Nordkoreas Sinuiju verbindet. Nach zwei Jahren ist erstmals wieder ein Güterzug von der chinesischen Grenzstadt nach Nordkorea gefahren (Archivbild).

Eine Brücke, die Chinas Dandong und Nordkoreas Sinuiju verbindet. Nach zwei Jahren ist erstmals wieder ein Güterzug von der chinesischen Grenzstadt nach Nordkorea gefahren (Archivbild).

Peking. Nordkorea war seit Beginn der Corona-Pandemie derart von der Außenwelt abgeschottet, dass nun die bloße Ankunft eines Cargo-Zugs internationale Schlagzeilen generiert. In den Morgenstunden am Montag ist die Bahn von der chinesischen Grenzstadt Dandong über den Yalu-Fluss wieder zurück nach Nordkorea gerollt. Seither rätseln südkoreanische wie auch japanische Medien eifrig, welche Fracht der Zug wohl bei sich geführt haben mag: Die Nachrichtenagentur Yonhap aus Seoul wettet auf medizinische Vorräte und andere Hilfsgüter.

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Wohl kaum ein Staat wurde ökonomisch derart massiv von der Covid-Krise getroffen wie Nordkorea. Um sämtliche Infektionen in dem Land mit einer mangelernährten Bevölkerung sowie einem höchst rudimentärem Gesundheitssystem zu vermeiden, hat das Kim-Regime als einer der ersten Staaten die Grenzen vollständig geschlossen. Insofern hat die Pandemie erreicht, was die jahrelang von den USA angeführte Sanktionspolitik nicht vollbringen konnte: den Außenhandel des Landes praktisch vollständig zum Erliegen zu bringen.

Eine Zeit „akuter Krisen und radikaler Veränderungen“

Dass Nordkorea nicht vollständig kollabierte, hat das Land den diskreten Hilfslieferungen Chinas zu verdanken. Die Volksrepublik schickt dem verarmten Nachbarn nach wie vor Nahrungsmittel, Dünger und Treibstoff. Die Lieferungen sind vor allem fernab der Medienöffentlichkeit auf dem Meeresweg über den Hafen Nampo abgewickelt worden. Dort sollen die Güter Quarantänezeiten von bis zu drei Monaten durchlaufen haben, ehe sie weiter transportiert wurden.

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Andrei Lankov von der Kookmin Universität in Seoul, einer der profiliertesten Experten des Landes, beschreibt 2021 für Nordkorea eine Zeit „akuter Krisen und radikaler Veränderungen“. Ende letzten Jahres habe sich die Nahrungsmittelversorgung in einigen abgelegenen Provinzen derart verschlimmert, dass es auch wieder zu Hungertoten gekommen sein soll, schreibt der gebürtige Russe in einer aktuellen Analyse.

Deutlich weniger Geflüchtete

Die Isolation des Landes manifestierte sich auch in neuen Zäunen entlang der 1350 Kilometer langen Grenze mit China. Ebenfalls ist die Anzahl an Flüchtlingen, die von Nordkorea über China nach Südkorea fliehen, extrem eingebrochen – von etwa 1000 pro Jahr vor der Pandemie auf knapp 70 im Vorjahr.

In der chinesischen Grenzstadt Dandong war die Ausnahmesituation ebenfalls mit dem bloßem Auge zu erfassen: In den Hotellobbys der Innenstadt waren die Geschäftsleute und Händler aus Pjöngjang plötzlich verschwunden, auch die nordkoreanischen Arbeiter in den umliegenden Fabriken sind größtenteils abgezogen worden. Nur in den Restaurants entlang der Flusspromenade haben nordkoreanische Kellnerinnen weiterhin um touristische Kundschaft gefeilt.

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Kim Jong Un (l.), Machthaber von Nordkorea, bei einer Sitzung des Zentralkomitees der regierenden Arbeiterpartei Ende 2021. Das Foto wurde von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellt.

Kim Jong Un (l.), Machthaber von Nordkorea, bei einer Sitzung des Zentralkomitees der regierenden Arbeiterpartei Ende 2021. Das Foto wurde von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellt.

Innerhalb des abgeschotteten Landes sind während der letzten zwei Jahre zunehmend die Informationsflüsse abgeebbt. Was nach außen drang, klang alarmierend: Die letzten Ausländer in der elitären Hauptstadt Pjöngjang berichteten zuletzt von Preisinflationen und leeren Supermarktregalen. Dass die Lage in den Provinzen um ein Vielfaches schlimmer sein muss, steht außer Frage.

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Win-Win-Situation

Insofern ist die Wiederaufnahme des Grenzhandels zwischen China und Nordkorea zunächst eine erfreuliche Entwicklung für das verarmte Volk. Doch die neu geöffnete Grenze ist dabei eine typische Win-win-Situation: Auch die nordostchinesischen Provinzen, die stark vom wirtschaftlich dynamischen Süden Chinas abgehängt wurden, stehen zunehmend unter Druck, höhere Einnahmen zu generieren.

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Das Außenministerium in Peking bestätigte am Montag schließlich hochoffiziell die geöffneten Grenzen. „Güterzüge, die Waren zwischen Dandong und der Demokratischen Volksrepublik Korea transportieren, haben den Betrieb wieder aufgenommen. Dieser wird in Übereinstimmung mit den bestehenden Maßnahmen zur Pandemieprävention durchgeführt“, sagte Sprecher Zhao Lijian bei einer Pressekonferenz.

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