Die EKD hat eine neue Vizevorsitzende: Wer ist Kirsten Fehrs?

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, ist neue Stellvertreterin der Ratsvorsitzenden der EKD, Annette Kurschus.

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, ist neue Stellvertreterin der Ratsvorsitzenden der EKD, Annette Kurschus.

Berlin. Monatelang wurde in der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) über die Chancen von Kirsten Fehrs gegen die favorisierte westfälische Präses Annette Kurschus spekuliert. Nun hat die Synode in Bremen gewählt: Kurschus ist Ratsvorsitzende, die Hamburger Bischöfin fungiert ab sofort als ihre Stellvertreterin.

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Mit der Wahl von Kurschus und Fehrs stehen nun nicht allein nach elf Jahren zwei Frauen an der Spitze der EKD. Nein, die evangelische Kirche wird nun erstmals von drei Frauen geführt, denn im Frühjahr war bereits die 25-jährige Studentin Anna-Nicole Heinrich zur Präses des EKD-Synode gewählt worden.

Kirsten Fehrs, geboren in Wesselburen (Schleswig-Holstein), ist verheiratet mit einem Pastor und selbst Pastorin mit Leib und Seele. Ihre Fröhlichkeit und ihr Humor sind nicht nur in der nordelbischen Kirche bekannt. Dort genießt sie aber besonders große Sympathien.

2011 wurde sie ins Amt der Hamburger Bischöfin eingeführt. Bei ihrer letzten Wiederwahl im Juni dieses Jahres hatten 141 von 145 Landessynodalen für sie gestimmt.

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Selbstkritik wegen Missbrauchsaufarbeitung

Die neue stellvertretende Ratsvorsitzende ist seit sechs Jahren Mitglied im Leitungsgremium der EKD. Sie gehörte bislang dem Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der EKD an, dessen Sprecherin sie von 2018 bis 2020 war.

Dass die Kirche bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs unter ihrem Dach nicht weiter gekommen ist als bislang, bedauert Fehrs tief. Vor allem die Betroffenen fühlen sich ausgegrenzt, wurde auf der Synode in Bremen deutlich.

In der emotionalen Aussprache übte Fehrs viel Selbstkritik. Sie entschuldigte sich mit belegter Stimme bei den Betroffenen. Es sei klar, dass das Maß an Aufarbeitung nicht gereicht habe. „Und es ist klar, dass wir Sie brauchen“, sagt Fehrs in Richtung der Betroffenen.

Keine klerikalen Posen

Fehrs gibt sich so, wie sie ist. Klerikale Posen sind nicht ihr Ding. Zu ihrem 60. Geburtstag sagte sie in einem Interview, dass sie heute noch gelassener sei als früher. „Ich muss nichts mehr beweisen, und ich muss nichts mehr werden.“

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Nun ist sie doch noch mit ihrer Wahl zur EKD-Vize etwas mehr geworden – auch wenn Fehrs es wahrscheinlich nicht so sieht. Ihr neues Amt ist jedoch ein Signal, dass hier jemand das Thema der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche weitertreiben wird. Fehrs, so sagt sie selbst, wolle den Vertrauensraum Kirche stärken oder wiederherstellen.

Anders als Kurschus, die sich eher im Theologischen verortet, möchte die Norddeutsche Fehrs die evangelische Kirche als Dialogpartnerin für Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie andere Religionen weiter profilieren. Damit führt sie eher den Kurs fort, den der bisherige EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm in seiner Amtszeit setzte.

Fehrs jedenfalls hat keine Angst vor längeren Strecken in den kirchlichen Prozessen – sie ist eine ausgezeichnete Läuferin, die täglich ein paar Kilometer joggt. „Laufen ist das Gebet mit den Füßen“, verriet sie vor Kurzem einer Reporterin. „Ein wichtiger Ausgleichssport und gleichzeitig eine Art Meditation.“

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