Marxist Castillo könnte neuer Präsident Perus werden

Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo winkt Unterstützern auf dem Balkon des Hauptquartiers seiner Partei.

Präsidentschaftskandidat Pedro Castillo winkt Unterstützern auf dem Balkon des Hauptquartiers seiner Partei.

Lima. Vieles deutet daraufhin, dass Pedro Castillo, 51, Marxist und Lehrer, der neue Staatspräsident Perus wird. Sein mutmaßlich hauchdünner Sieg über Keiko Fujimori, die rechtspopulistische Tochter von Ex-Diktator Alberto Fujimori (1990–2000), scheint sich mehr und mehr zu verfestigen.

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Damit tritt eine neue politische Persönlichkeit auf die internationale Bühne, die so gar nicht in die bekannten Schubladen passt. Gesellschaftspolitisch vertritt er Thesen, die man so von Brasiliens rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro kennt: Nein zu Abtreibung, Nein zur Homo-Ehe, Nein zur Genderdebatte.

Mädchen haben eine Vagina, Jungs einen Penis. Könnte so von Bolsonaro sein, ist aber von Castillo, der die ganze LGBT-Debatte am liebsten auf den Müll werfen will, wo sie hingehöre. Hinzu kommen ausländerfeindliche Parolen wie das Versprechen einer Expressabschiebung für sich illegal im Land aufhaltende Venezolaner nach seinem Amtsantritt.

Urbane Linke aus Europa und Lateinamerika fremdelt mit Castillo

Weil Castillo gesellschaftspolitisch fast schon rechtsextreme Positionen vertritt, fremdelt die urbane Linke aus Europa und Lateinamerika ein wenig mit Castillo.

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Doch es gibt noch eine zweite Ebene, und die erklärt den Erfolg Castillos viel besser: Peru ist seit Jahren von Korruptionsfällen meist konservativer Präsidenten erschüttert worden. Die Menschen auf dem Land, wo Castillo die meisten Stimmen holte, fühlen sich schlichtweg alleingelassen.

Hier kam vom Wirtschaftswachstum vergangener Jahre kaum etwas an, ist die medizinische Versorgung schlecht. Hier finden keine urban geprägte Genderdiskussionen statt, hier bestimmt der soziale Überlebenskampf die Debatte.

Corona-Pandemie zeigt gesellschaftliche Vernachlässigung

Stattdessen spüren die Menschen die Auswirkungen von umweltzerstörerischem Bergbau. Als die Pandemie den Menschen ihre gesellschaftliche Vernachlässigung noch einmal klar vor Augen führte – nirgendwo sonst starben proportional so viele Menschen wie in der Andennation – da wuchs der Hunger nach etwas anderem.

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Hinzu kam, dass sich die konservativen Kräfte im Land so uneinig waren, dass nach dem ersten Wahlgang nur doch die Rechtspopulistin Fujimori mit dunkler Familien-Vergangenheit und der linke Lehrer mit erzkonservativen Ansichten übrigblieben.

Umfeld von Castillo spricht über revolutionäre Umgestaltung des Staates

Beobachten sollte die internationale Staatengemeinschaft allerdings aufmerksam einige Aussagen aus dem Umfeld Castillos. Dort hieß es zuletzt von einem Mitstreiter, die peruanische Linke werde, einmal an der Macht, diese nie wieder abgeben, sondern eine revolutionäre Umgestaltung des Staates vornehmen. Und dass Castillo die brutale Linksdiktatur in Venezuela für eine Demokratie hält, ist auch ein bemerkenswertes Statement.

Doch bevor der Westen nun wieder seinen Daumen senkt: Die knappe Mehrheit des peruanischen Volkes hat das alles nicht gestört. Castillo ist demokratisch gewählt und hat den Auftrag bekommen, das Land zu gesellschaftlich zu verändern. Die konservativen Kräfte hatten ihre Chance und sie haben sie nicht genutzt. Jetzt ist Castillo an der Reihe.

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