Unicef-Studie: Schutz vor Gewalt kommt für Flüchtlingskinder in Großunterkünften zu kurz

Flüchtlinge kommen in eine Erstaufnahmeeinrichtung.

Flüchtlinge kommen in eine Erstaufnahmeeinrichtung.

Berlin. Kinder haben ein Recht auf Schutz vor Gewalt – so sieht es Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention vor. In Sammelunterkünften für Geflüchtete ist das laut einer Studie von Unicef und dem Deutschen Institut für Menschenrechte nicht garantiert. Dabei geht die Zahl asylsuchender Menschen zwar seit 2017 zurück, die Zahl der Kinder unter ihnen jedoch ist seit 2016 von einem Drittel auf die Hälfte gestiegen – und viele von ihnen müssen immer länger in Sammelunterkünften leben.

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Dort kommt es häufig zu Gewalt, mit der auch Kinder konfrontiert werden. Aber die vorhandenen Strukturen reichen nicht aus, um dem entgegenzutreten, so das Fazit der Studie.

„Gravierende Lücken“ beim Schutz von Kindern

„Mit Bund und Ländern haben wir in den letzten Jahren wichtige Fortschritte gemacht. Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, dass noch gravierende Lücken bestehen und der Kinderschutz in zu vielen Aufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften bis heute nicht gesichert ist. Auch und gerade in Zeiten von COVID-19 braucht jede Unterkunft in Deutschland klare Verantwortlichkeiten und Abläufe für den Schutz von Kindern“, sagt Sebastian Sedlmayr, Leiter der Advocacy- und Programmabteilung von Unicef Deutschland.

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Die wesentlichen Kritikpunkte der Studie sind, dass für traumatisierte Kinder keine angemessene Unterstützung gegeben sei. Auch der Betreuungsschlüssel sei meist viel zu niedrig und die Kinder- und Jugendhilfe greife oft erst bei akuter Kindeswohlgefährdung.

Die Potentiale der Kinder- und Jugendhilfe könnten dabei kaum genutzt werden, sagt Claudia Kittel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention. „Hier müssen Landesregierungen und Jugendämter grundlegend etwas verändern, damit alle Angebote der Kinder- und Jugendhilfe auch in Sammelunterkünften in Anspruch genommen werden können.“

Organisationen fordern verbindliche Mindeststandards

Daher sprechen sich die Herausgeber der Studie für einen Rechtsanspruch der Kinder auf eine dezentrale Unterbringung aus. Dazu soll auch die Höchstverweildauer in Aufnahmeeinrichtungen verkürzt werden. Solange jedoch Kinder in Unterkünften für geflüchtete Menschen leben, brauche es verbindliche Mindeststandards zum Schutz vor Gewalt, geschultes Personal, zusätzliche finanzielle Mittel und unabhängige Kontrollen der Unterkünfte sowie Beschwerdemöglichkeiten für Kinder.

Für die Studie befragten die Organisationen die Zuständigen in allen 16 Bundesländer. Anhand der Selbstauskunft, die die Länder erteilten, kommen sie zu dem Schluss, dass ausnahmslos alle Bundesländer die Unterbringung geflüchteter Menschen dringend weiterentwickeln oder sogar teils reformieren sollten.

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