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Belastung mit giftigem PCB

Futtermittel-Skandal weitet sich aus

Dicht gedrängt stehen Schweine im Stall eines Mastbetriebes. In Niedersachsen werden drei Betriebe jetzt auf eine Belastung mit dem giftigen PCB untersucht.

Dicht gedrängt stehen Schweine im Stall eines Mastbetriebes. In Niedersachsen werden drei Betriebe jetzt auf eine Belastung mit dem giftigen PCB untersucht.

Hannover. Der Skandal um verunreinigtes Futtermittel weitet sich aus. In Niedersachsen sind jetzt auch drei Schweinemastbetriebe betroffen und acht Geflügelbetriebe weiterhin gesperrt. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der betroffenen Geflügelbetriebe auf 75. Produkte aus den niedersächsischen Schweinebetrieben könnten bereits in den Handel gelang sein. „Wir können nichts ausschließen“, sagte Ministeriumssprecherin Sabine Hildebrandt am Freitag.

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Das belastete Futter stammt vom Futtermittelhersteller Agravis. Es ist mit dem giftigen und nur sehr schwer abbaubaren PCB (Polychlorierte Biphenyle) verseucht. Der Stoff war in einer Niederlassung im ostwestfälischen Minden in das Geflügel- und Schweinefutter geraten. Als Ursache gab das Unternehmen Lackabsplitterungen in Verladesilos an. Zunächst war von zwei verunreinigten Silos die Rede, jetzt sprechen die Behörden in NRW sogar von fünf. Die Herstellung und Verwendung von PCB ist in Deutschland seit 1989 verboten; seit 2001 gilt das Verbot weltweit.

Laut Hildebrandt ist das verunreinigte Futter bereits im Mai hergestellt und unter anderem an drei Betriebe in den niedersächsischen Landkreisen Diepholz und Osnabrück ausgeliefert worden. Auch ein Schweinebetrieb in NRW ist betroffen. Da Schweine in der Regel 100 Tage gemästet werden, könnte das verseuchte Fleisch bereits in die Regale von Supermärkten gelangt sein. Das Agrarministerium lässt jetzt prüfen, ob in den drei Betrieben in Niedersachsen Futter oder Tiere belastet sind. „Die Landkreise müssen sich die Bestände anschauen“, sagte Hildebrandt.

Das Agrarministerium kritisierte auch die Informationspolitik in NRW. Man sei verwundert über die Abläufe, erklärte Hildebrandt. Die niedersächsischen Behörden waren demnach erst Anfang November über die Verseuchung von Futtermitteln für Geflügelbetriebe informiert worden. Es dauerte offenbar weitere drei Wochen bis aus NRW mitgeteilt wurde, dass auch Schweinebetriebe betroffen sind.

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Alleine nach Niedersachsen waren 290 Tonnen des verseuchten Futtermittels gelangt. In mehreren Bundesländern wurden vorsorglich Betriebe gesperrt sowie betroffenes Geflügel und Eier aus dem Verkehr gezogen. Von den 29 zunächst gesperrten Geflügelbetrieben in Niedersachsen sind bis auf acht alle wieder freigegeben. In einem Junghennenaufzucht-Betrieb im Landkreis Nienburg waren Puten oberhalb des PCB-Grenzwertes getestet worden und durften nicht als Lebensmittel verkauft werden. Die Tests von möglicherweise betroffenen Eiern laufen laut Ministerium noch.

Die Grünen im Landtag forderten Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) auf, sich aktiv in die Ursachenaufklärung einzuschalten, statt immer nur auf NRW zu verweisen und die nächsten schlechten Nachrichten abzuwarten. „Die offiziellen Erklärungen, dass Lackabsplitterungen für die PCB-Belastung von hunderten Tonnen von Tierfutter verantwortlich sein sollen, ist nach wie vor sehr fragwürdig“, sagte Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte. Neben Lack als Quelle müssten auch andere Herkunftswege einzelner Komponenten des Mischfutters wie verunreinigte Fette überprüft werden. „Sollte der Lack tatsächlich ursächlich sein, müssen alle vor 1990 hergestellten Transport- und Aufbewahrungsbehältnisse, die mit Futtermitteln in Berührung kommen, umgehend auf eine mögliche Belastung hin überprüft werden“, forderte Staudte – und zwar bundesweit.

Von Marco Seng

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