Valide Zahlen oder Vermutungen? Was wir vor der MPK wissen und was nicht

2G-Kontrollen in der Münchner Innenstadt.

Berlin. Wie die Omikron-Mutante, die sich weltweit und auch in Deutschland rasend schnell ausbreitet, tatsächlich die Pandemie beeinflusst, ist noch immer nicht eindeutig klar. Außerdem wurde in Deutschland in den zurückliegenden Feiertagen weniger getestet, sodass die vorliegenden Werte kaum aussagekräftig sind.

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Was wir wissen – und was nicht:

Ausbreitung

Die Zahl der vom Robert Koch-Institut (RKI) registrierten Omikron-Fälle wächst exponentiell. Waren es Mitte November erst 17 Fälle, stieg die Zahl bis zur letzten Kalenderwoche 2021 auf mehr als 24.000. Damit werden internationale Erfahrungen bestätigt, dass sich die Zahl in etwa alle zwei bis vier Tage verdoppelt. Möglicherweise ist die Rate sogar noch höher, denn die über die Feiertage gemeldeten Daten sind wegen der geringeren Zahl von Tests deutlich zu niedrig.

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Halbwegs verlässliche Aussagen dürften erst möglich sein, wenn die Daten der kompletten ersten Januarwoche vorliegen. Bisher wurden dem RKI für die laufende Woche 3841 Omikron-Fälle gemeldet – diese Zahl dürfte in den kommenden Tagen noch kräftig nach oben gehen. Darauf weist auch das RKI hin: „Zwischen der erstmaligen Meldung eines Falles (Sars-CoV-2-Nachweis) und dem Laborergebnis über das Vorliegen einer Variante of Concern (VOC) können je nach Nachweismethode mehrere Tage oder Wochen liegen.“

Deutlich zu sehen ist jedenfalls, dass im Infektionsgeschehen eine Wende eingetreten ist: Nach einer langen Phase des Rückgangs der Sieben-Tage-Inzidenz im Dezember steigt die Infektionsrate seit dem 29. Dezember wieder kontinuierlich an. Am Mittwoch betrug sie 258,6.

Das klingt noch nicht sonderlich dramatisch. Doch die Dynamik ist erheblich, was sich an der Veränderung dieses Wertes jeweils zur Vorwoche zeigt. Hier ist ein exponentielles Wachstum zu beobachten: 3. Januar: plus 4,38 Prozent. 4. Januar: plus 11,27 Prozent, 5. Januar: plus 25,87 Prozent.

Gefährlichkeit

Erkrankungen, die durch Omikron verursacht werden, scheinen milder zu verlaufen. Darauf deuten unter anderem Daten aus Großbritannien hin. Danach sinkt das statistische Risiko, nach einer Omikron-Infektion im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, auf nur noch 33 Prozent des Risikos bei der Delta-Variante. Das klingt zwar ermutigend. Doch wenn die Gesamtzahl der Infektionen drastisch steigt, weil durch Omikron die Ansteckungsgefahr höher ist und der Impfschutz teilweise unterlaufen wird, kann es trotz der geringeren Gefährlichkeit zu einer Überlastung des Gesundheitswesens kommen.

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Dazu hat Gesundheitsminister Lauterbach im RND-Interview erste Hinweise gegeben. Er hat das RKI ausrechnen lassen, um wie viel Omikron gegenüber Delta ungefährlicher sein müsste, damit es trotz höherer Infektionszahlen nicht zu einer Überlastung kommt. Das Ergebnis: Das Risiko für einen Omikron-Erkrankten, auf einer Intensivstation zu landen, müsste gegenüber Delta auf nur noch 20 Prozent sinken.

Auf den ersten Blick ist Omikron also nicht „ungefährlich genug“, um eine Überlastung zu verhindern. Allerdings geht es bei der britischen Zahl um Krankenhauseinweisungen insgesamt, bei der RKI-Rechnung um das Risiko einer Behandlung auf einer Intensivstation. Die Omikron-Welle könnte am Ende also doch beherrschbar bleiben – ohne neue Beschränkungen. Nach Angaben von Lauterbach soll es erst in der kommenden Woche valide Daten geben, um die Frage sicher klären zu können.

Impfungen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) strebt als neues Impfziel die rasche Auffrischungsimpfung für weitere 15 Millionen Menschen an, um die erwartete Omikron-Welle bewältigen zu können. „Nach der Modellierung des Robert Koch-Instituts sollte das Ziel sein, dass mehr als 80 Prozent der doppelt Geimpften auch geboostert sind, also rechnerisch 56 Prozent der Bevölkerung“, hatte er im RND-Interview gesagt und hinzugefügt: „Dann hat es Omikron schwer.“

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Bisher sind 59,4 Millionen Menschen doppelt geimpft. 33,4 Millionen Menschen haben eine Auffrischungsimpfung erhalten. Das entspricht einem Anteil von etwa 55 Prozent aller doppelt Geimpften. Lauterbachs 80-Prozent-Ziel bedeutet, dass rund 47,5 Millionen Menschen eine Booster-Impfung erhalten müssen. Das sind rund 15 Millionen Menschen mehr als derzeit.

Impfstoffe

Nachdem Lauterbach nach seiner Amtsübernahme einen Impfstoffmangel festgestellt hatte, wurden bei Moderna 35 Millionen Impfdosen nachgeordert. Bei Biontech/Pfizer waren laut Lauterbach kurzfristig keine zusätzlichen Lieferungen möglich. Deshalb hat der Minister an Ärztinnen und Ärzte appelliert, das Biontech-Vakzin für die unter 30-Jährigen zu reservieren. Denn Moderna soll laut Ständiger Impfkommission (Stiko) für diese Altersgruppe nicht genutzt werden.

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Nach Angaben von Lauterbach stehen nun pro Woche zehn Millionen Impfdosen zur Verfügung, darunter nach früheren Angaben wöchentlich rund drei Millionen Dosen von Biontech. Hinzu kommt in den vier Januarwochen die Auslieferung von insgesamt 3,8 Millionen Dosen des Biontech-Kinderimpfstoffs für Vier- bis Elfjährige, der geringer dosiert ist. Unterm Strich ist also mehr als genug Impfstoff da, um die von Lauterbach verfolgte Booster-Strategie umsetzen zu können.

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