Impfkampagne: Wo stehen wir gerade eigentlich?

Viele Menschen wollen zurzeit ihre Booster-Impfung erhalten. Das Impftempo ist aber langsamer, als vom designierten Bundeskanzler Olaf Scholz mit seinem 30-Millionen-Ziel anvisiert wurde.

Viele Menschen wollen zurzeit ihre Booster-Impfung erhalten. Das Impftempo ist aber langsamer, als vom designierten Bundeskanzler Olaf Scholz mit seinem 30-Millionen-Ziel anvisiert wurde.

Berlin. Impfen, impfen, impfen – das ist auch das Mantra der neuen Ampelregierung unter dem designierten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Der Plan: Mit einer hohen Impfquote und Einschränkungen für Ungeimpfte soll die vierte Welle gebrochen werden.

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Bis Jahresende sollen 30 Millionen Impfungen verabreicht werden, kündigte Scholz am 30. November an. Dazu zählen neben den Booster-, auch die Erst- und Zweitimpfungen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hält das Ziel unter bestimmten Bedingungen für machbar. „Inzwischen sind 14 Millionen Menschen in Deutschland geboostert, davon zehn Millionen in den Praxen. Bei diesem Tempo ist das Ziel von 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten nicht völlig unrealistisch“, sagte der Vorstandsvorsitzende, Andreas Gassen, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Was die Praxen derzeit leisten, ist enorm.“

Mangel an Impfstoff

Der Impffortschritt werde aber durch die Politik immer noch ausgebremst. „Für die Impfungen in dieser Woche haben Vertrags- und Betriebsärzte sowie der Öffentliche Gesundheitsdienst bereits unter der Vorgabe von Höchstbestellmengen zusammen rund 6,5 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffes geordert, geliefert werden wohl aber nur 2,9 Millionen Dosen und damit weniger als die Hälfte“, kritisierte Gassen. „Deshalb ist unverändert die entscheidende Voraussetzung, dass genügend Impfstoff zur Verfügung steht und den Praxen zeitlich auch so zur Verfügung gestellt wird.“

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Kritik kommt auch vom Deutschen Hausärzteverband. „In den letzten Wochen hinkte die Impfkampagne leider deutlich hinterher, weil es versäumt wurde, für die große Nachfrage an Impfungen genügend Impfstoff zu bestellen“, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt dem RND. „Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Impfkampagne ist es aber gerade, dass die Hausarztpraxen die bestellte Menge an Impfstoff vom jeweiligen Hersteller zu dem festgelegten Zeitpunkt auch zuverlässig geliefert bekommen.“ Hier müsse dringend angesetzt werden, damit ein reibungsloser Ablauf beim Impfen gewährleistet sei.

Impfen sei nach wie vor das Gebot der Stunde und die Hausärztinnen und Hausärzte stünden dafür gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Praxen an vorderster Front. „Aktuell werden knapp fünf Millionen Impfstoffdosen pro Woche verimpft. Das ist etwa so viel wie zu Spitzenzeiten der Impfkampagne im Sommer“, betonte Weigeldt. „Sehr, sehr viele Menschen erhalten derzeit schnell und unkompliziert ihre Impfung.“

Doch die Impfzahlen deuten darauf hin, dass Deutschland mit dem aktuellen Impftempo das Ziel nicht erreichen wird. Seit dem ersten Dezember wurden in sechs Tagen landesweit etwa 4,7 Millionen Impfungen verabreicht. So würden die zusätzlichen Impfungen bis Jahresende nur bei knapp 20 Millionen liegen. Die Mehrheit der verabreichten Dosen sind Booster-Impfungen.

Erstimpfungen nehmen kaum zu

Dabei muss eigentlich die Zahl der Erstimpfungen steigen. Experten gehen davon aus, dass mittlerweile eine Impfquote von mehr als 90 Prozent nötig ist. Auch 2G-Regeln setzen bisher keinen großen Impfanreiz. Die Zahl der Erstimpfungen hat sich nur minimal nach oben entwickelt. Ungeimpft sind noch immer 23,2 Millionen Menschen. Für vier Millionen von ihnen, Kinder bis vier Jahre, steht aktuell kein Impfstoff zur Verfügung.

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Für Kinder ab fünf Jahren kann die Impfkampagne zeitnah losgehen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will offenbar diese Woche eine Empfehlung aussprechen. 2,4 Millionen Dosen werden laut Bundesgesundheitsministerium ab dem 20. Dezember zur Verfügung stehen. Bund und Länder erhoffen sich nun, durch eine Impfpflicht die Quote unter den Erwachsenen zu steigern. Am 16. März soll diese zunächst für Pflegepersonal gelten.

Derweil soll der Pflegebonus erst Anfang 2022 gesetzlich geregelt und ausgezahlt werden. Das kündigten die Gesundheitspolitiker von SPD und Grünen, Sabine Dittmar und Maria Klein-Schmeink, am Dienstag an. „Sie können sich darauf verlassen, dass wir die gesetzliche Regelung sofort zu Beginn des nächsten Jahres anpacken und dafür sorgen, dass die Prämien so schnell wie möglich ausgezahlt werden“, sagte Dittmar bei der ersten Beratung der geplanten Änderungen am Infektionsschutzgesetz zur Eindämmung der Corona-Pandemie am Dienstag im Bundestag.

In der Ampelkoalition wurde klargestellt, dass der Pflegebonus nur deshalb nicht in dem Gesetz zur Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen enthalten ist, weil sich technische Schwierigkeiten bei der Umsetzung ergeben hätten. „Wir sind uns in der Sache einig und auch über die Summe herrscht Einvernehmen: Wir wollen, dass Pflegevollkräfte in der Intensivpflege bis zu 3000 Euro bekommen“, hieß es am Dienstag in Koalitionskreisen.

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