Neuseeland gibt nach: Bei Taliban gestrandete Schwangere darf nun doch in ihre Heimat

Charlotte Bellis (rechts) mit ihrem Partner Jim Huylebroek. Der schwangeren neuseeländischen Reporterin wurde von ihrem Heimatland, wegen bestehender Coronabeschränkungen, die Einreise verweigert, so dass sie sich an hochrangige Taliban wandte, um in Afghanistan einzureisen.

Charlotte Bellis (rechts) mit ihrem Partner Jim Huylebroek. Der schwangeren neuseeländischen Reporterin wurde von ihrem Heimatland, wegen bestehender Coronabeschränkungen, die Einreise verweigert, so dass sie sich an hochrangige Taliban wandte, um in Afghanistan einzureisen.

Wellington. Im Drama um eine in Afghanistan gestrandete schwangere Reporterin aus Neuseeland hat ihr Heimatland eingelenkt. Sie werde Anfang März in ihre Heimat zurückkehren können, um ihr Baby auf die Welt zu bringen, teilte Charlotte Bellis am Dienstag mit.

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Ihr Fall hat international Schlagzeilen gemacht, weil sie wegen strikter Corona-Beschränkungen in ihrer Heimat bisher nicht für die Entbindung dorthin hatte zurückkehren können. Die Taliban hatten ihr daraufhin angeboten, ihr Kind in Afghanistan zu entbinden.

Die 35-jährige Bellis hatte als Afghanistan-Korrespondentin für den Sender Al-Dschasira mit Sitz in Doha gearbeitet. Weil eine Schwangerschaft als unverheiratete Frau in Katar illegal ist, gab sie im November ihren Job auf. Erst flog Bellis nach Belgien, dem Heimatland ihres Lebensgefährten Jim Huylebroek, der als freier Fotograf zwei Jahre in Afghanistan arbeitete. Ein Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung in Belgien hätte aber so viel Zeit in Anspruch genommen, dass letztlich ihr Visum abgelaufen wäre, berichtete sie.

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Notfallgenehmigung beantragt und abgewiesen

Mit einem Touristenvisum als Schwangere von einem Land zum nächsten zu ziehen, hätte Geld verschlungen und bedeutet, dass sie keine Gesundheitsversorgung gehabt hätte. Vergeblich versuchte Bellis wiederholt, über eine Art Lotteriesystem einen Platz in einem neuseeländischen Quarantänehotel für Rückkehrwillige zu ergattern. Dann beantragte sie nach eigenen Angaben eine Notfallgenehmigung für eine Rückkehr, wurde jedoch abgewiesen.

In ihrer Not habe sie sich schließlich an ranghohe Taliban in Afghanistan gewandt, schrieb Bellis in einer Kolumne in der Zeitung „New Zealand Herald“. Sie hätten sie und ihren Freund willkommen geheißen. Es sei schon „brutal ironisch“, dass sie einst die Taliban über deren Behandlung von Frauen befragt habe und nun die gleichen Fragen an ihre eigene Regierung stelle. „Wenn die Taliban Ihnen - einer schwangeren, unverheirateten Frau - einen sicheren Zufluchtsort anbieten, wissen Sie, dass Ihre Situation verfahren ist.“

Bellis‘ Schicksal geriet rasch zu einer Peinlichkeit für Neuseelands Regierung, die ihr nun doch entgegenkam. Der Staatsbürgerin sei ein Gutschein für ein Zimmer in einem Quarantänehotel angeboten worden, teilte Vize-Ministerpräsident Grant Robertson mit. Nach Angaben von neuseeländischen Behördenvertretern gilt die Offerte auch für Bellis‘ Freund Huylebroek, falls er den gleichen Flug nehmen sollte.

RND/AP

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