Drei enge Vertraute

Diese drei Männer haben die Macht über Russlands Atombomben

Russland testet Nuklearwaffen: Dieses am 19. Februar 2022 vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt den Start einer ballistischen Interkontinentalrakete vom Typ „Jars“ von einem Flugplatz aus während einer militärischen Übung.

Russland testet Nuklearwaffen: Dieses am 19. Februar 2022 vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt den Start einer ballistischen Interkontinentalrakete vom Typ „Jars“ von einem Flugplatz aus während einer militärischen Übung.

Der Krieg Putins gegen die Ukraine eskaliert immer weiter. Am Sonntag hat Russlands Präsident die Atomstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft versetzt. Damit befinden sich nun die strategischen Raketentruppen, die Nord- und die Pazifikflotte sowie die Fernfliegerkräfte in erhöhter Kampfbereitschaft. Immer wieder hatte Putin zuvor in seinen Reden die unverhohlene Drohung in Richtung Westen ausgesprochen, dass Russland eine Atommacht sei und über ein umfangreiches Arsenal an Nuklearwaffen verfüge.

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Die erhöhte Kampfbereitschaft ist die zweite Stufe vor der vollen Kampfbereitschaft, erklärt der Generalmajor Boris Solowjow gegenüber der russischen Zeitung „Komsomolskaja Prawda“. Bei der nächsten Stufe würden die Waffen scharf gestellt und zum Beispiel Raketen mit Atomsprengköpfen versehen. Das bedeute, in jedem Moment könne der „rote Knopf“ gedrückt werden.

Allerdings ist das nur sinnbildlich gemeint, denn in Russland gibt es keinen roten Atomknopf. Stattdessen verfügen offiziell drei Personen über die Atomkoffer mit den darin enthaltenen Codes. Damit können sie den Einsatzbefehl für strategische Raketen, Fernbomber oder auch Atom-U-Boote erteilen. Am vergangenen Wochenende trafen sich die drei Männer mit ihren Koffern: Präsident Putin, Generalstabschef Waleri Gerassimow und Verteidigungsminister General Sergei Schoigu. Alle drei stehen auf der Sanktionsliste der USA.

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Putin kann Atomwaffen nicht allein zünden

Russlands Präsident kann allein nicht den Einsatz von Atomwaffen anordnen. Dafür sind die Codes aus zwei Atomkoffern notwendig, Putin ist also auf einen der beiden Generäle angewiesen. „Dieses System dient als Absicherung gegen einen schwerwiegenden Fehler bei der Anwendung der Nuklearwaffen“, so Solowjow in russischen Medien. Doch beruhigend ist dies nur auf den ersten Blick, denn alle drei Männer sind enge Vertraute, und wie genau die Autorisierung der Nuklearwaffen abläuft, ist nicht bekannt. Wer sind die drei Männer mit der Macht über die Atombomben?

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Russlands Präsident Wladimir Putin: Er sei „wahnsinnig“ und ein „Kriegsverbrecher“, sagte die Vorsitzende im Verteidigungsausschuss, Marie-Agnes Strack-Zimmermann über Putin bei Twitter. Expertinnen und Experten halten es für möglich, dass Putin zur Durchsetzung seiner Ziele als letztes Mittel auch eine Atombombe einsetzen könnte. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärte Marina Henke, Professorin für Internationale Beziehungen an der Hertie School of Governance, dass Nuklearwaffen nicht Putins erste, zweite oder dritte Wahl seien. Aber er könnte eine kleine taktische Nuklearwaffe als klares Signal an den Westen einsetzen, dass er bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen. Denkbar sei dies, wenn der Krieg schlecht für Russland verlaufe, es viele Opfer gebe und Putin dafür die Unterstützung aus dem Westen verantwortlich mache – zum Beispiel durch Waffen­lieferungen.

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Verteidigungsminister General Sergei Schoigu: Schon seit 1991 ist Schoigu Minister in Russland, war erst für den Katastrophenschutz zuständig und wurde als Held gefeiert. Dann machte Putin ihn 2012 zum Verteidigungsminister. Der seit mehr als 30 Jahren im Kreml tätige Putin-Vertraute ist bestens vernetzt und spielt im Krieg gegen die Ukraine eine zentrale Rolle. Der General leitete die Annexion der Krim 2014, verteidigte immer Putins Befehle und soll auch im Sommer russische Spezialkräfte verdeckt in die Ostukraine geschickt haben, um die kremlnahen Separatisten bei den Kämpfen zu unterstützen. Privat ist Schoigu mit Putin eng verbunden, gilt als bester Freund des Präsidenten. Immer wieder ging er in der Vergangen­heit mit Putin auf Reisen. Urlaubsbilder zeigen beide vertraut beim Angeln und Wandern, Schoigus Heimat Tschadan stattete Putin auch schon einen Besuch ab. Putins rechte Hand war immer wieder im Gespräch als möglicher Nachfolger für das Präsidenten­amt.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu gilt als bester Freund Putins und verreist immer wieder mit dem Präsidenten.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu gilt als bester Freund Putins und verreist immer wieder mit dem Präsidenten.

Generalstabschef Waleri Gerassimow: Der Erste Stellvertreter des Verteidigungsministers ist durch und durch von der russischen Armee geprägt. Erst diente er in der Sowjetarmee, war später Stabschef eines Panzerbataillons und wurde 2012 Generalstabschef der russischen Streitkräfte. Bei Abwesenheit des Verteidigungsministers führt er die Armee an. Die EU setzte Gerassimow 2014 nach der Annexion der Krim auf die Sanktionsliste. 2015 organisierte er den Feldzug in Syrien und erhielt dafür die Auszeichnung „Held der Russischen Föderation“. Heute ist Gerassimow zudem Mitglied im Sicherheitsrat Russlands. Im Sommer erklärte er auf der Moskauer Konferenz für internationale Sicherheit, dass Russland auch Atomwaffen einsetzen werde, wenn die Existenz des russischen Staates bedroht werde.

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Die russische Verfassung und die Militärdoktrin übertragen zwar Putin die Entscheidungs­gewalt. Doch bei einem Atomschlag müssten auch die Streitkräfte mitspielen und dem Befehl Folge leisten. Ob sie das tun, ist allerdings umstritten.

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Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri gibt es in Europa rund 13.000 Atomwaffen, davon etwa 12.000 in den Händen der USA und Russlands. 6255 nukleare Sprengköpfe seien im Besitz der Russen. Im Vergleich zum Kalten Krieg ist das zwar nur ein Bruchteil. Doch heute sind die Nuklearwaffen deutlich schlagkräftiger und haben eine enorme Reichweite. Russische Langstreckenbomber erreichen jedes Ziel auf der Welt, Interkontinentalraketen legen mehr als 10.000 Kilometer zurück und Sarmat-Interkontinentalraketen rund 18.000 Kilometer. Alle diese Raketen lassen sich mit Atomsprengköpfen bestücken und sind von Russland immer wieder getestet worden.

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Warnung vor Atomkrieg

Der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow hat am Donnerstag vor einem Atomkrieg gewarnt. „Das wäre natürlich ein Albtraum, aber ich schließe nicht aus, dass es irgendwann tatsächlich Versuchungen geben könnte, auf den nuklearen Knopf zu drücken“, sagte er vor dem Europaparlament.

Russland wies diese und andere Warnungen als Panikmache zurück. „Alle wissen, dass ein Dritter Weltkrieg nur ein nuklearer sein kann“, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Die Frage eines Atomkriegs stelle sich aber nur in den Köpfen westlicher Politiker und nicht in denen der Russen.

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