„Es war ein großer Fehler, so lange mit den ersten Waffenlieferungen zu warten“

Selenskyj-Berater: Friedliche Lösung? „Niemand glaubt ernsthaft daran“

Alexander Rodnyansky ist einer der Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj.

Die Ukraine hat Deutschland für die späten Waffenlieferungen scharf kritisiert. „Es war ein großer Fehler, so lange mit den ersten Waffenlieferungen zu warten“, sagte der Berater von Präsident Selenskyj, Alexander Rodnyansky, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Die USA und Großbritannien hätten dagegen früh bemerkt, was Russland vorhabe, und die Ukraine mit Waffen unterstützt. „Deshalb haben wir jetzt ein größeres Problem, als wenn Deutschland uns von Anfang an militärisch unterstützt hätte.“ Dass Deutschland, wie in der Vergangenheit, sogar Waffenlieferungen anderer Länder blockiere, dürfe sich nicht wiederholen. Im Februar hatte die Bundesregierung Waffenlieferungen unter anderem von Estland zunächst blockiert. Die Waffen stammten aus alten DDR-Beständen.

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Rodnyansky forderte nun ein größeres Engagement Deutschlands. „Wir brauchen alle denkbaren Waffen zur Flugabwehr, zum Beispiel das S‑300-Raketenabwehrsystem.“ Davon habe Deutschland noch einige in seinen Beständen. Außerdem würden laut dem Berater des ukrainischen Präsidenten Panzerfäuste und Munition für Granatwerfer und Raketenwerfersysteme benötigt.

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In Deutschland setzte ein Umdenken beim Thema Waffenlieferungen ein, bemerkt Rodnyansky in Gesprächen mit deutschen Politikerinnen und Politikern. „Manche sagen, sie wollen nicht dazu beitragen, dass Russland den Krieg weiter eskalieren lässt. Aber was soll noch passieren?“

Keine Hoffnung auf Frieden durch Verhandlungen

Für Rodnyansky ist klar, dass Russlands Präsident Putin „auf jeden Fall eine militärische Lösung“ möchte. Jeder, der noch an Dialog glaube, liege falsch. „Eine Lösung durch Dialog ist ein Wunschdenken.“ Genau diese Hoffnung auf eine Lösung durch Verhandlungen wolle Putin für sich ausnutzen, glaubt der Präsidentenberater, um weitere Sanktionen zu verhindern. „Er will Öl und Gas weiter in die EU verkaufen und deshalb kommt es ihm sehr gelegen, wenn die Deutschen an einen schnellen Frieden glauben.“

Hoffnung auf einen Frieden durch die laufenden Verhandlungen hat Rodnyansky nicht. „Die Chancen auf eine friedliche Lösung sind so gering, dass niemand ernsthaft daran glaubt.“ Russland bereite schon die nächste Offensive vor. Das würde es nicht tun, wenn an einer Verhandlungslösung Interesse bestehe, glaubt Rodnyansky. Die Forderungen Russlands nach einer Anerkennung der Separatistengebiete wies er zurück. „Wir geben keine Gebiete auf – nicht jetzt im Krieg und auch nicht in Zukunft“, sagte er entschlossen. Er fürchtet, dass Russland sich mit diesen Gebieten nicht zufriedengebe und weitere Territorien überfallen werde. Auch die Menschen dort wollen laut Rodnyansky nicht ein Teil von Russland werden.

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