Inzidenz stagniert

Ist der Scheitelpunkt der Corona-Sommerwelle erreicht?

Die Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich seit zwei Wochen auf einem ähnlichen Niveau.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich seit zwei Wochen auf einem ähnlichen Niveau.

Berlin. Der Wochenbericht des Robert Koch-Institutes spricht von einer „weitgehend unveränderten“ Inzidenz, die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt seit etwa zwei Wochen stabil. Die Dynamik des Infektionsgeschehens scheint sich zu verlangsamen. Ist der Scheitelpunkt der Sommerwelle erreicht?

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Abschwung der Omikron BA.5 Welle wahrscheinlich

„Die Beurteilung auf Basis der gemeldeten PCR-Tests ist weiterhin sehr erschwert, das heißt gewisse Schwankungen dürfen nicht überbewertet werden“, sagt Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dennoch ist es durchaus möglich, dass wir – es bleibt ja ein Wellengeschehen – nunmehr allmählich an den Scheitelpunkt hier im Sommer gelangen.“ Ab Mitte Juni hatten sich die Infektionen zu einer starken Sommerwelle aufgebaut. Am 16. Juni hatte die Inzidenz bei 517 gelegen, bis zum 7. Juli kletterte sie auf 748. Seit vergangener Woche bewegt sich die Inzidenz allerdings auf einem gleichbleibenden Niveau. Am 15. Juli liegt die Inzidenz bei 719 – also sogar leicht rückläufig im Vergleich zur Vorwoche.

Gerade aufgrund der verringerten Testfrequenz seien die Zahlen aber schwierig zu interpretieren, sagt auch Berit Lange. Sie leitet die Klinische Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Wann genau der Scheitelpunkt erreicht sei, sei noch nicht abzuschätzen. „Dass wir unter der Omikron-Variante BA.5 noch einmal einen Abschwung der Infektionswelle sehen, halte ich für wahrscheinlich“, so Lange. „Das haben auch die Erfahrungen der vergangenen Wellen gezeigt.“

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Entscheidend ist die Krankenhaussituation

Abhängig sei die Entwicklung aber auch von den nächsten Mutationen des Virus. „Sinkende Infektionszahlen würden nur dann nicht eintreten, wenn direkt eine nächste Variante in den kommenden Wochen dominant wird“, erklärt die Epidemiologin. „Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass es eine neue Variante geben wird, wir wissen aber noch nicht, welche und wie ansteckend und schwer sie sein wird.“

Als wichtigstes Kriterium für das Ende der Sommerwelle nennen beide Experten die Situation in den Kliniken. „Entscheidend sind im Moment eher die Krankenhausaufnahme und Entwicklung auf Intensivstationen sowie der Krankenstand. Und da ist im Moment noch keine Verbesserung in Sicht“, sagt Epidemiologe Zeeb.

Chef der Krankenhausgesellschaft erwartet Verschärfung im Herbst

Gerald Gaß, Vorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sieht die Kliniken vor großen Herausforderungen durch die Erkrankungen und Quarantänefälle. „Einige Kliniken müssen bereits wieder planbare Operationen verschieben und einzelne Abteilungen oder Bereiche zeitweise schließen oder sich komplett von der Notfallversorgung abmelden“, sagt Gaß. „Hinzu kommt aber auch, dass deutlich mehr Covid-positive Patienten auf den Intensivstationen liegen als noch vor einem Jahr. Und auch die Belegung mit Covid-positiv getesteten Patienten auf den Normalstation steigt wieder deutlich an.“

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Corona-Impfung: Wann lohnt die vierte Dosis - und für wen?

Die BA.5-Sommerwelle ist im Alltag angekommen. Würde es helfen, sich jetzt die vierte Impfdosis abzuholen? Die Stiko empfiehlt die vierte Corona-Impfung vorwiegend den Älteren. Ein gewisser Spielraum bleibe aber, macht der Deutsche Hausärzteverband deutlich. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hingegen ruft zur Impfung auch für Jüngere auf. Wer entscheidet am Ende?

Für den Herbst erwartet Gaß eine weitere Verschärfung, auch aufgrund der Personalausfälle. „Wie sich die Situation konkret in den kommenden Monaten darstellen wird, hängt aber auch ganz wesentlich davon ab, ob es tatsächlich rechtzeitig einen angepassten Impfstoff geben wird, der dann auch sterile Immunität verspricht und ob dieser auch in ausreichender Zahl rechtzeitig verfügbar sein wird“, so Gaß.

Berliner Epidemiologe erwartet keine Trendwende bei der Sommerwelle

Wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der Sommerwelle hat der Berliner Epidemiologe Timo Ulrichs. „Auch wenn die Zahlen zwischenzeitlich leicht sinken, eine Trendwende der Sommerwelle ist eher nicht in Sicht“, sagt er. „Ein Plateau auf ziemlich hohem Niveau oder ein weiterer Anstieg sind wahrscheinlich und werden von der Ausbreitung der aktuellen Untervarianten von Omikron befeuert – und von unserem eigenen Verhalten. Denn viele sind der Meinung, die Corona-Pandemie sei schon vorbei.“

Dabei brauche es gerade jetzt Maßnahmen, um die Welle abzuflachen, „damit nicht Maximalmaßnahmen im Herbst und Winter notwendig werden, um die Opferzahlen einigermaßen zu kontrollieren“, so Ulrichs.

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