Die wichtigsten Antworten

Wie funktioniert das 9-Euro-Ticket?

Einer Umfrage zufolge sehen viele Deutsche im öffentlichen Nahverkehr ein hohes Ansteckungsrisiko.

Ab 1. Juni soll das 9-Euro-Ticket im ÖPNV gelten. Dann wird auch diese Fahrt am Erfurter Domplatz deutlich günstiger. Doch nicht nur dort: Der Rabatt soll bundesweit gelten.

Berlin. Wegen der steigenden Energie- und Spritpreise führt die Bundesregierung unter anderem ein 9-Euro-Ticket ein. So sollen die Menschen, die täglich mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) fahren, finanziell entlastet werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Ab wann gibt es das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket soll zum 1. Juni kommen. Es soll insgesamt drei Monate gelten und pro Kalendermonat 9 Euro kosten. Der Bundestag beschloss das dafür nötige Gesetz am Donnerstagabend (19. Mai), am Freitag darauf gab auch der Bundesrat grünes Licht. Obwohl eine ganze Reihe von Bundesländern mehr Geld für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gefordert haben und Bayern mit einer Blockade gedroht hat.

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Wie lange gilt das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket soll vom 1. Juni bis zum 31. August erhältlich sein. In diesem Zeitraum bekommen die Fahrgäste ihre Tickets günstiger. Wer etwa am 15. Juni sein Ticket kauft, kann dann für 9 Euro bis Ende Juni fahren. Am 31. August endet die Rabatt-Aktion und am 1. September die Gültigkeit der Tickets. Nicht möglich sind gleitende Vier-Wochen-Zeiträume, etwa von Mitte Juli bis Mitte August. Fahren können die Inhaberinnen und Inhaber damit bundesweit in allen Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Zügen des Nah- und Regionalverkehrs – egal ob von der Deutschen Bahn oder anderen Anbietern.

Es gilt sogar bei touristischen Bahnen wie den Harzer Schmalspurbahnen (mit Ausnahme der Strecke auf den Brocken) Der Preis von 9 Euro gilt pro Monat. Nicht genutzt werden kann der Fernverkehr mit ICE, Intercity und Eurocity, den grünen Flixzügen und Fernbussen. Außerdem gilt das Ticket nur für die 2. Klasse.

Wo kann man das 9-Euro-Ticket kaufen?

Da mittlerweile viele Pendlerinnen und Pendler ihre Tickets über die Apps der Verkehrsunternehmen und die DB-Navigator-App der Deutschen Bahn kaufen, sollen sie dort auch angeboten werden. Wer kein Smartphone besitzt, wird sich das 9-Euro-Ticket am Schalter oder am Automaten kaufen können. Unklar ist, ob tatsächlich alle Automaten in Deutschland umprogrammiert werden. Die Bahn und viele Verkehrsverbünde haben den Verkaufsstart für Montag angekündigt. Zu haben sein soll das Ticket ganz normal an Automaten, Ticketschaltern oder online bei den Verkehrsunternehmen. Die Branche plant auch eine gemeinsame Internet-Verkaufsplattform. Nicht alle warten darauf. In Stuttgart und Freiburg kann man seit einigen Tagen schon 9-Euro-Tickets kaufen – Tausende haben bereits zugegriffen, in Stuttgart waren es am ersten Verkaufstag bereits 23.000 Kundinnen und Kunden.

Das Entlastungspaket

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Kann man gleich Tickets für alle drei Monate kaufen?

Hier kommt es auf die einzelnen Unternehmen an, dürfte aber in der Regel möglich sein. Wer die Option beim bevorzugten Verkehrsunternehmen nicht findet, kann jederzeit auf andere Plattformen ausweichen. Bei der Deutschen Bahn etwa ist der sofortige Kauf aller drei Sondertickets möglich.

Wo gilt das 9-Euro-Ticket?

Bund, Länder und der VDV sind sich einig: Wer sich das Ticket kauft, soll damit in ganz Deutschland den ÖPNV nutzen können. Dazu gehören Busse, Straßenbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen und Regionalzüge. Den Ländern war es wichtig, dass von dem Ticket auch Pendler profitieren, die beruflich innerdeutsche Landesgrenzen überqueren müssen. „Für Neukundinnen und Neukunden stehen Schnuppertickets für jeweils einen oder mehrere volle Monate bereit“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff in einer Mitteilung von Mittwoch.

Muss ich das 9-Euro-Ticket kündigen?

Nein. Das Ticket ist eine Monatskarte und endet automatisch. Es gibt keine versteckten Kosten durch die Hintertür.

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Günstig durch das Land: 9-Euro-Ticket kommt voraussichtlich ab 1. Juni

Das dreimonatige Experiment des 9-Euro-Tickets startet bald – wo und wie das Ticket genutzt werden kann.

Komme ich mit dem Ticket wirklich von Hannover nach Berlin?

Ja, kreative Touren quer durch Deutschland oder in den Urlaub sind mit dem Ticket theoretisch möglich. Man könnte zum Beispiel in vier Stunden und 15 Minuten von Hannover nach Berlin fahren – aber eben nur mit den Regionalangeboten. Der schnellere ICE bleibt tabu. Für Fernzüge benötigt man weiterhin eine Fahrkarte.

In meinem Landkreis gibt es keinen Verkehrsverbund. Wo kann ich das Ticket kaufen?

Jeder Kunde soll das 9-Euro-Ticket kaufen können. Es wird eine App und Website geben, über die das Ticket erhältlich sein wird.

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Für wen gilt der Rabatt – auch für Studenten und Besitzer von Jahreskarten?

Das Ticket kann jeder kaufen. „Abokundinnen und -kunden müssen sich um nichts kümmern, die Verrechnung läuft automatisch“, ließ VDV-Chef Oliver Wolff mitteilen. Besitzer von Jahresabos und ähnlichen Karten bekommen für den Zeitraum die Differenz der Ticketpreise erstattet. Wer ein Abonnement besitzt, dem wird der Betrag automatisch erstattet oder der Bankeinzug wird für den Rabatt-Zeitraum reduziert. Kundinnen und Kunden müssen also keine Initiative ergreifen, um von dem 9-Euro-Ticket zu profitieren. Abokarten einzelner Verkehrsverbünde werden bundesweit anerkannt. Zusätzliche Tickets an Abonnenten werden nicht verschickt.

Kostet mein 1. Klasse-Abo dann auch nur neun Euro?

Im Gebiet des eigenen Verbunds verändert sich an den Bedingungen eines Abos nichts – man zahlt neun Euro für dieselben Vorteile. Verlässt man das Tarif-Gebiet, gilt das 9-Euro-Ticket nur in der zweiten Klasse – ohne weitere Vorteile wie Fahrrad- oder Partner-Mitnahme. Zeiteinschränkungen bei Abos (zum Beispiel 9-Uhr-Karten) sind während des Aktionszeitraums abgeschafft.

Ist das 9-Euro-Ticket personalisiert?

Ja. Das Ticket gilt nur für die Person, die es erworben hat.

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Brauchen Kinder ein eigenes 9-Euro-Ticket?

Kinder unter 6 Jahren fahren nach wie vor kostenlos. Kinder und Jugendliche über 6 Jahren müssen ein eigenes Ticket kaufen. Schülerabos gelten wie andere Abonnements bundesweit.

Kann man Plätze reservieren?

Nein. Reservierungsmöglichkeiten gibt es in der Regel nur im Fernverkehr. Das 9-Euro-Ticket gilt aber im Nahverkehr.

Drohen überfüllte Busse und Bahnen?

Ein Nischenangebot ist der ÖPNV schon bisher nicht. Allein bei der bundeseigenen Bahn fuhren im vergangenen Jahr pro Tag mehr als drei Millionen Fahrgäste in knapp 22.000 Regionalzügen. Morgens und abends im Berufsverkehr herrscht in Ballungsräumen ziemliches Gedränge auf vielen Linien - an Sommerwochenenden sind Regionalbahnen ins Grüne generell gefüllt. Die Billigtickets fallen nun in die Ferienzeit, in der Schulkinder, Pendlerinnen und Pendler zeitweise gar nicht fahren. Manche könnten das Ticket aber für Ausflüge und Urlaubsreisen nutzen.

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Wie groß wird der Andrang?

Genau weiß das niemand. Zu rechnen sei wohl mit ungefähr 30 Millionen Nutzern des 9-Euro-Tickets pro Monat, erläuterte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Dies sei aber nur eine Schätzung. Politik und die Branche setzen darauf, dass die spektakuläre Aktion jetzt viele dazu bringt, sich überhaupt einmal richtig damit zu befassen, wann und wie Busse und Bahnen im Umkreis eigentlich fahren. Ungewiss ist auch, wie sich eine gleichzeitige finanzielle Entlastung an den Tankstellen auf die Umsteigelust unter Autofahrern auswirkt. Denn ebenfalls vom 1. Juni bis 31. August soll nach Plänen der Koalition die Energiesteuer auf das nach EU-Recht vorgegebene Mindestmaß heruntergesetzt werden. Der Steuersatz für Benzin soll so um fast 30 Cent sinken, für Diesel um 14 Cent.

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Fahren denn ab 1. Juni auch mehr oder längere Züge?

Die Branche will alles auf Schiene und Straße bringen, was rollt. Auf einen Schlag und für begrenzte drei Monate in großem Stil Extra-Fahrzeuge zu ordern und Fahrpersonal dazu, geht aber nicht. Aktiviert werden sollen Reserven, „die aber nicht in einer nennenswerten Größenordnung“ vorhanden sind, erläuterte der Verband der Verkehrsunternehmen. Die Bahn macht nach Betriebsratsangaben wohl 40 bis 50 zusätzliche Doppelstockwagen betriebsbereit, viel mehr sei nicht drin. Mehr Aufwand dürfte zum Beispiel auch bei Reinigung und Service entstehen.

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Warum ist das Ticket nicht gleich kostenlos?

Diesen Vorschlag hatte es aus den Ländern tatsächlich gegeben. Einfach auf Tickets zu verzichten - und damit auch auf Kontrollen - hätte den Aufwand deutlich gesenkt, lautete eine Argumentation. Ein Grund, dass nun ein kleiner Geldbetrag verlangt wird, ist aber auch der Blick über das Ende der Aktion hinaus. Bei zahlenden Kunden lässt sich die Nutzung besser analysieren. Geplant sind Befragungen. Wer nutzt auf welchen Strecken Busse und Bahnen, wenn es deutlich günstiger ist? Das ist für die Verkehrsbetriebe und die Politik eine spannende Frage - auch wenn es ja kaum bei 9 Euro pro Monat bleiben dürfte.

9-Euro-Ticket: Wer übernimmt die Kosten?

Der Bund stellt 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Länder dürfen zudem die Einnahmen aus dem Verkauf des Tickets behalten. Bayern droht dennoch mit einer Blockade im Bundesrat. Auch eine Reihe weiterer Länder kritisieren Wissing scharf. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fordert mehr Geld vom Bund. „Der Bund stellt uns zweieinhalb Milliarden zur Verfügung – die reichen nicht. Wenn man sowas macht, muss man das auch ausfinanzieren.“ Es sei immer das gleiche Lied mit dem Bund: „Immer temporär Programme, die nicht ausfinanziert sind.“ Solche Dinge belasteten das Verhältnis zwischen Bund und Ländern.

Die grundsätzlichen Finanzierungsprobleme des ÖPNV würden durch das 9-Euro-Ticket nicht gelöst. „Es hat doch keinen Sinn, Strohfeuer zu entfachen und nachher bricht es wieder ein.“ Er wünsche sich eine längerfristige Perspektive. Es sei dennoch klar, dass man das 9-Euro-Ticket jetzt auch umsetzen müsse. „Die Leute haben sich darauf ja schon eingerichtet.“

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Was passiert nach dem Rabattzeitraum? Werden die Preise dauerhaft gesenkt?

Damit ist nicht zu rechnen. Die Maßnahme ist Teil des Entlastungspakets des Bundes und damit einmalig. Eine weitere Preissenkung müsste von Bund oder Ländern finanziert und damit gesetzlich geregelt werden. Das 9-Euro-Ticket ist nicht wirtschaftlich und eigentlich zu günstig, um die Ausgaben der Verkehrsverbünde zu decken.

Fahrgäste in Berlin zeigen sich zufrieden mit dem 9-Euro-Ticket

Von Juni bis August können Bürgerinnen und Bürger für neun Euro im Monat alle Regionalzüge und Verkehrsbünde in Deutschland nutzen.

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