Unwetter erwartet

Wie häufig kommen Tornados in Deutschland vor – und werden es mehr?

Der Tornado in Kiel im September 2021 hat nach Angaben der Polizei mehrere Menschen durch die Luft gewirbelt und ins Wasser gespült.

Im vergangenen Jahr hat es mindestens zwei schwere Tornadoereignisse gegeben: Am 29. September 2021 fegte einer über Kiel hinweg und schleuderte Menschen in Küstennähe durch die Luft und ins Wasser. Sieben Personen wurden verletzt. In der Nacht zum 17. August 2021 deckte ein Wirbelsturm in Ostfriesland rund 50 Dächer ab, fünf Häuser waren danach nicht mehr bewohnbar. Verletzte gab es glücklicherweise nicht.

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Bei den bevorstehenden Unwettern mit Starkregen, Orkanböen und Hagel am Donnerstag und Freitag können erneut Tornados auftreten, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Die Windstärke am Boden und in der Höhe sei an den Tagen sehr unterschiedlich, was die Bildung von Tornados begünstige. „Wir nennen das Windscherungen“, erklärt Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterkontor dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Wo genau das passieren könnte, lasse sich aber nicht vorhersagen.

Gefühlt häufen sich die Tornadoereignisse in Deutschland. Doch mehrt sich die Zahl der Wirbelstürme in Deutschland tatsächlich oder trügt das Gefühl?

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Experte: Tornadoanzahl schwankt von Jahr zu Jahr

Eine eindeutige Tendenz sei nicht zu erkennen, sagt Schmidt. „In Deutschland gibt es jährlich zwischen 20 bis 60 Tornados. Die Zahl schwankt aber von Jahr zu Jahr sehr stark“, führt Schmidt aus. Die Anzahl der Windhosen sei unter anderem davon abhängig, wie trocken oder feucht die Sommer in der Bundesrepublik seien. „Tornados sind immer an Gewitterwolken gebunden“, erklärt der Meteorologe.

Schmidt bestätigt, dass gefühlt in naher Vergangenheit immer mehr Tornados gesichtet wurden. Dafür hat der Experte aber eine einfache Erklärung: „Durch Smartphones und Webcams werden immer mehr Sichtungen dokumentiert. Das war früher eben nicht der Fall, was das Gefühl eines Anstiegs der Tornadoanzahl in Deutschland erweckt.“ Schmidt weist zudem darauf hin, dass längst nicht alle Tornados, die es in Deutschland gibt, auch dokumentiert sind. „Tornados sind sehr schwer vorauszusagen“, erklärt er. „Selbst ich als Meteorologe habe selbst noch nie einen Tornado live gesehen“, so Schmidt.

Schmidt sieht keinen Zusammenhang mit dem Klimawandel

In Deutschland treten Tornados am häufigsten in Küstennähe auf, weil dort die Windbedingungen am idealsten seien. Dennoch gibt es in der Bundesrepublik vergleichsweise wenige Windhosen. „In den USA zum Beispiel ist die Zahl der Sichtungen deutlich höher. Dort herrschen wesentlich bessere Bedingungen für Tornados“, sagt er. Dass aber auch im europäischen Inland schwere Wirbelstürme auftreten können, habe die Katastrophe in Tschechien Ende Juni 2021 gezeigt. Nahe der slowakischen Grenze wurden mehrere Dörfer von einem Tornado der Stärke F4, was für eine verheerende Zerstörungskraft steht, völlig zerstört. Er kostete sechs Menschen das Leben und verletzte rund 200.

Ob vermeintlich vermehrte Tornadosichtungen mit dem Klimawandel zusammenhängen, ist auch unter Experten umstritten. Schmidt gehört zu den Meteorologen, die keinen direkten Zusammenhang sehen. „Das lässt sich aktuell einfach nicht feststellen“, betont er. Ähnlich sieht das der Kieler Forscher Mojib Latif. „Ich würde jetzt keine Verbindung zur globalen Erwärmung herstellen“, sagte Latif der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist ein seltenes Phänomen, das hin und wieder auftaucht, bedeutet aber keine neue Qualität.“

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Was ist ein Tornado und wie entsteht er?

Ein Tornado ist eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert, erklärt der DWD auf seiner Homepage. Für den Begriff Tornado würden auch andere Bezeichnungen wie zum Beispiel Großtrombe, Windhose (Tornado über Land), Wasserhose (Tornado über Meer oder großen Binnenseen) und Twister (Tornadobezeichnung im englischen Sprachraum) existieren.

Laut DWD entsteht ein Tornado, wenn starke Temperaturgegensätze herrschen und Luft aufsteigt. Durch frei werdende Kondensationswärme und starke vertikale Windscherung (Zunahme der Windgeschwindigkeit und gegebenenfalls zusätzlich Änderung der Windrichtung mit der Höhe) werde dabei ein rotierender Aufwindschlauch erzeugt. Dieser könne einen Durchmesser bis zu mehr als einen Kilometer erreichen, wobei Windgeschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde auftreten können.

mit dpa

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