Stärker als jeder Atombombentest

Vulkanausbruch vor Tonga war die größte Explosion seit 1883

Über dem Vulkan Hunga Ha'apai steigt im Januar eine große Asche-, Dampf- und Gaswolke bis in eine Höhe von 18 bis 20 Kilometern über dem Meeresspiegel auf.

Sydney. Der Vulkan vor Tonga – einem Inselstaat im Pazifik – hat einen klangvollen Namen: Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai. Als der Unter­wasser­vulkan im Januar ausbrach, war der Donnerhall bis Alaska zu hören. Die heftige Eruption und der darauffolgende Tsunami durchtrennten das einzige Unterseekabel des Königreichs, isolierten die Bevölkerung mehr als einen Monat lang vom Rest der Welt und zerstörten Hunderte Häuser auf den Inseln. Schon früh sprachen Forscher davon, dass der Ausbruch der stärkste der vergangenen 30 Jahre gewesen sei.

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Doch inzwischen konnten die Wissenschaftler bestätigen, dass die Eruption sogar nochmal gewaltiger war als bisher gedacht: Laut einer Studie, die im Mai in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde, gab es auch im 20. Jahrhundert kein vergleichbares Ereignis. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher, nachdem sie Messdaten von mehr als 3000 Sensoren und Instrumenten analysierten. Die Eruption war demnach gewaltiger als jedes vulkanische Ereignis des 20. Jahrhunderts und auch stärker als jeder Atombombentest, der nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt wurde.

Asche 20 Kilometer in die Luft geschleudert

Das einzige Ereignis in der jüngeren Vergangenheit, das mit dem Ausbruch konkurrieren kann, ist die Explosion auf Krakatau, wie die Forscher herausfanden. So war der vom Tonga-Vulkan erzeugte Druckimpuls in der Amplitude vergleichbar mit der des Krakatau-Ausbruchs von 1883 und nochmals deutlich größer als die des Mount-St.‑Helens-Ausbruchs im Jahr 1980.

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Tonga liegt am Pazifischen Feuerring und erfährt häufig seismische Aktivitäten: Erdbeben und Vulkan­ausbrüche sind keine Seltenheit. Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai, der 1800 Meter hoch und 20 Kilometer breit ist und rund 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku‘alofa entfernt liegt, machte auch in der Vergangenheit schon häufiger Schlagzeilen. Doch der Ausbruch im Januar war in jeder Hinsicht extrem: Beispielsweise wurden Gas, Rauch und Asche von der Eruption 20 Kilometer in die Luft geschleudert, wie der geologische Dienst von Tonga damals auf Facebook schrieb.

Größte Störung im Weltall in der Neuzeit

Auch die US‑amerikanische Weltraumbehörde Nasa hat den Vulkan­ausbruch inzwischen nochmal intensiver untersucht. Diese Analyse, die im Mai im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht wurde, zeigt ebenfalls die Superlative der Natur­katastrophe: „Der Vulkan hat eine der größten Störungen im Weltraum verursacht, die wir in der Neuzeit gesehen haben“, sagte Brian Harding, ein Physiker der University of California, der die Nasa-Daten analysiert hat. „Es ermöglicht uns, die kaum verstandene Verbindung zwischen der unteren Atmosphäre und dem Weltraum zu testen.“

Nachdem inzwischen klar ist, dass die Eruption mit der Explosion auf Krakatau aus dem Jahr 1883 verglichen werden kann, erscheint es fast wie ein Wunder, dass der Pazifikstaat nur sechs Todesfälle zu beklagen hatte. Denn es wird angenommen, dass das katastrophale Ereignis in Indonesien im 19. Jahrhundert mehr als 30.000 Menschen das Leben gekostet hat. Trotzdem war auch die Zerstörung auf Tonga gewaltig: Etwa 600 Häuser wurden dort durch den Tsunami beschädigt oder zerstört. Die Tsunamiwellen richteten selbst in Neuseeland noch Schaden an, als sie auf angedockte Boote trafen. Außerdem verursachten Ausläufer eine Ölpest in Peru, nachdem Wellen einen Tanker in einer Raffinerie trafen und Öl austrat. Die Weltbank schätzt, dass die Katastrophe auf Tonga letztendlich rund 90 Millionen US‑Dollar kosten wird – das entspricht ungefähr 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes.

Teile des Inselstaates Tonga waren nach dem Vulkanausbruch mit Asche bedeckt.

Teile des Inselstaates Tonga waren nach dem Vulkanausbruch mit Asche bedeckt.

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Agrar- und Tourismussektor schwer getroffen

Besonders der Agrarsektor litt durch die Vulkanasche, die nach dem Ausbruch auf die Inseln niederregnete und ganze Ernten zerstörte. Aber auch der Tourismussektor des Landes wurde schwer getroffen, nachdem Resorts und Natur­attraktionen beschädigt wurden. Die Besitzer des Ha‘atafu Beach Resorts, eine Urlaubsanlage auf der Hauptinsel, etwas über 20 Kilometer westlich der Hauptstadt Nuku‘alofa, berichteten nach der Katastrophe auf Facebook, dass das Strandresort wie auch alle anderen Resorts und Häuser entlang der Westküste große Schäden erlitten habe. Im Ha‘atafu Beach Resort selbst waren zum Zeitpunkt der Katastrophe mehrere Gäste, doch die Angestellten hätten es geschafft, alle zu retten. „Aber das bedeutete, dass sie überhaupt keine Zeit hatten, etwas mitzunehmen“, hieß es in dem Post. „Sie mussten durch den hinteren Teil des Resorts durch die Büsche fliehen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen.“

Nach der Katastrophe schickten Neuseeland wie auch Australien Hilfsschiffe. Doch über die Hilfslieferungen wurde letztendlich auch Corona in das Inselparadies im Pazifik eingeschleppt, das davor von der Pandemie verschont geblieben war. Inzwischen meldet der Inselstaat über 11.000 Infektionen und elf Tote.

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