„Klimakrise klopft an die Tür“: Wie Hitze und Feuer die Klimadiskussion in Griechenland verändern

Feuer im Norden der griechischen Insel Euböa.

Feuer im Norden der griechischen Insel Euböa.

Erst wochenlang extreme Hitze, dann die Feuerstürme: Die Menschen in vielen Teilen Griechenlands durchleiden den schlimmsten Katastrophensommer seit Menschengedenken. Auch wenn in den vergangenen Tagen die immer wieder neu aufflammenden Brände die griechischen Medien beherrschten und der Weltklimabericht zunächst wenig öffentliche Beachtung findet: Der Klimawandel ist als Thema nun auch in Griechenland angekommen.

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„Unser Klima kippt”, sagt der griechische Geowissenschaftler und Katastrophenforscher Costas Synolakis. Überrascht sei er, dass diese extremen Wetterphänomene schon jetzt so massiv auftreten. Damit habe er nach den bisherigen Klimamodellen erst ab 2040 gerechnet.

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Weltklimabericht prognostiziert häufigere Hitzewellen, größere Dürre und mehr Waldbrände

Der Weltklimabericht prognostiziert häufigere Hitzewellen, größere Dürre und mehr Waldbrände. In einem noch nicht veröffentlichten Berichtsentwurf des IPCC heißt es, dass sich die Waldbrandschäden in den europäischen Mittelmeerländern bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad nahezu verdoppeln und bei drei Grad sogar fast verdreifachen werden.

Auch der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sieht in den verheerenden Waldbränden, die sein Land jetzt heimsuchen, ein Indiz für den Klimawandel: „Es ist offensichtlich, dass die Klimakrise an die Tür unseres Planeten klopft.” Für Mitsotakis ist das Klimathema nicht neu. Er war als Abgeordneter in den Jahren 2007 bis 2009 Vorsitzender des Umweltausschusses im griechischen Parlament. Damals interessierte das Thema wenige Griechen. Dann kam die Schuldenkrise. Sie dominierte in den Jahren 2010 bis 2018 die politische Agenda des Landes und das Leben der Menschen. Derweil wurden der Klimaschutz und die Pflege der Wälder vernachlässigt. Das rächt sich nun.

„Grüne“ Partei in Griechenland blieb politisch bedeutungslos

Es gab zwar auch in Griechenland eine „grüne” Partei, sie blieb aber politisch bedeutungslos und ging inzwischen im Linksbündnis Syriza auf. Der seit zwei Jahren regierende konservative Premier Mitsotakis arbeitet umso engagierter an seiner grünen Agenda. Mit Geldern aus dem EU-Aufbaufonds will er ein ehrgeiziges Klimaprogramm umsetzen. Den Kohleausstieg zog Mitsotakis von 2028 auf 2025 vor. Weitere Punkte des Programms: Förderung erneuerbarer Energien, klimagerechte Gebäudesanierung, E-Mobilität und Aufforstungen. Dieser Punkt bekommt nun besondere Aktualität. Mitsotakis verspricht eine Rekultivierung der abgebrannten Wälder „nach neuesten Erkenntnissen”. Das könnte bedeuten: Lichtere Wälder mit weniger und anderen Bäumen als den landesüblichen Pinien, die besonders leicht brennen.

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Bisher war Mitsotakis in der eigenen Partei, der konservativen Nea Dimokratia, in Sachen Klimaschutz ein Vorreiter. Nach dem brennenden Weckruf dieses Sommers dürfte das Thema aber künftig in der politischen Debatte Griechenlands eine größere Rolle spielen.

Klimawandel zwingt vor allem im Tourismus zum Umdenken

Denn der Klimawandel zwingt vor allem im Tourismus zum Umdenken – nicht nur wegen häufigerer Hitzewellen, größerer Dürre und wachsender Feuergefahr. Zumindest ebenso massiv werden die Folgen des steigenden Meeresspiegels sein. Mit 15.000 Kilometern hat Griechenland die längste Küstenlinie aller Mittelmeerländer. Schon jetzt ist der Meeresspiegel 20 Zentimeter höher als vor 120 Jahren. Jährlich steigen die Pegel derzeit um 3,7 Millimeter. Selbst wenn sich diese Entwicklung nicht weiter beschleunigt, wovon aber viele Wissenschaftler ausgehen, bedeutet das einen weiteren Anstieg um 37 Zentimeter in den nächsten 100 Jahren.

Küstenorte werden sich mit Deichen und Mauern gegen das steigende Meer schützen. Mehrere griechische Flughäfen, wie Thessaloniki, Korfu und Alexandroupolis, die nur knapp über dem Meeresspiegel liegen, müssen aufwendig gesichert werden. Auch viele Strände, an denen sich jetzt noch Griechenland-Urlauber sonnen, sind in Gefahr. „Flache Sandstrände sind der Erosion durch den Anstieg des Meeresspiegels besonders stark ausgesetzt”, sagt der Geowissenschaftler Synolakis. „Wir werden deshalb weniger Strände haben, und sie werden kleiner sein.”

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