„Abscheuliches Verbrechen“ – Mehr Kinderpornografie-Ermittlungen

Ermittlerinnen sitzen vor Monitoren mit unkenntlich gemachten Fotografien, die teilweise sexuellen Missbrauch zeigen, am Hinweistelefon im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Beim Verdacht auf sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen kann man sich unter der Nummer 08000431431 beim Hinweistelefon im Landeskriminalamt melden.

Ermittlerinnen sitzen vor Monitoren mit unkenntlich gemachten Fotografien, die teilweise sexuellen Missbrauch zeigen, am Hinweistelefon im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Beim Verdacht auf sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen kann man sich unter der Nummer 08000431431 beim Hinweistelefon im Landeskriminalamt melden.

München. Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs und Kinderpornografie haben deutlich zugenommen - in Bayern sind die Zahlen in diesem Jahr geradezu explodiert. Bis zum 23. November wurden beim „Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch von Kindern im Internet“ (ZKI) 2728 Verfahren eingeleitet. Das sind rund 140 Prozent mehr als noch im Jahr 2020, wie Justizminister Georg Eisenreich (CSU) am Montag bei der Vorstellung der ersten ZKI-Bilanz sagte. Denn 2020 lag die Zahl der Verfahren bei 1122, im Jahr 2019 bei 947.

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Dabei geht ZKI-Chef Thomas Goger zwar schon davon aus, dass die Zahlen auch auf die verstärkten Ermittlungen zurückzuführen sind. Aber: „Es wird auch insgesamt mehr“, sagte er. „Man gewinnt sehr schnell den Eindruck oder die Sorge, dass da noch viel unter der Decke liegt, worauf wir dringend Licht werfen müssen.“ Ein Grund für den Anstieg: eine gewisse Enthemmung, weil sexuelle Gewaltdarstellungen von Kindern heute problemlos zu haben seien – mit wenigen Klicks aufs Handy. Goger sprach von einer „Omnipräsenz digitaler Aufnahmen“.

Mehr Verurteilte

322 Täter wurden den Angaben des ZKI zufolge im vergangenen Jahr allein in Bayern wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt. Das sind 4,5 Prozent mehr als 2019. Noch sehr viel deutlicher fällt das Plus im Bereich von sexuellen Gewaltdarstellungen aus: 473 Menschen wurden den Angaben zufolge 2020 wegen des Besitzes oder der Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt. Das sind fast 27 Prozent mehr als 2019.

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„Hinter jeder Tat, hinter jedem Bild steht das unfassbare Leid eines Kindes“, betonte Eisenreich. Goger nannte ein besonders grauenvolles Beispiel: Erst in diesem Jahr verurteilte das Landgericht München I einen Mann, gegen den die Bamberger Ermittler das Verfahren geführt hatten, zu sechs Jahren Haft. Er hatte per Skype dabei zugesehen, wie Kinder vor laufender Kamera vergewaltigt wurden – und hatte dabei selbst Anweisungen gegeben, ihnen Gewalt anzutun.

Ein abscheuliches Verbrechen

Im Frühjahr 2021 klagte das ZKI Administratoren der kinderpornografischen Darknet-Plattform „TweenFanIsland“ an. Einer der Täter hatte fast 900.000 Bilddateien des sexuellen Missbrauchs von Kindern auf seinem Computer gespeichert. Zwei der Angeklagten wurden vom Landgericht Regensburg inzwischen zu hohen Haftstrafen von vier und über sechs Jahren verurteilt.

Eisenreich betonte: „Kindesmissbrauch ist ein abscheuliches Verbrechen.“ Der Staat müsse alles tun, um Kinder davor zu schützen.

Die Spezialeinheit des ZKI wurde im September 2020 unter dem Dach der „Zentralstelle Cybercrime Bayern“ (ZCB) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg gegründet. Seither sind acht Staatsanwältinnen und Staatsanwälte dort für die Verfolgung von sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie verantwortlich - doppelt so viele wie vor der Gründung des ZKI.

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RND/dpa

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